FrontKolumnenMein Bankgeheimnis

Mein Bankgeheimnis

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Können Sie sich noch düster an das sogenannte Bankgeheimnis von ehedem erinnern? Richtig, diese Schweizer Eigenheit, das Vermögen in den Tresoren der Banken so sicher vor dem Fiskus zu verstecken, als wäre es in einer militärischen Festungsanlage mitten im Gotthardmassiv gebunkert. Wäre! Für das Schweizer Volk bleibt es für immer ein Geheimnis, weshalb unsere Landesväter und -mütter damals sofort lauthals «Sesam öffne dich!» schrien, als die Amerikaner leise hüstelten und Regierungsvertreter in EU-Nachbarstaaten einen leicht verschnupften Eindruck machten. Heute ist der viel gelobte Hort der Finanzsicherheit jedenfalls verflixt dem Emmentaler Käse ähnlich, aber dem ganz grosslöchrigen.

Bankgeheimnis lässt sich ja sehr unterschiedlich deuten. So ist es ein Geheimnis, wie ebenso geldgierige als auch unfähige «Manager» in den Banken Karriere machen und ans grosse Geld kommen konnten. Und geheimnisvoll verborgen bleibt ihr Talent, derart viel Volksvermögen in so kurzer Zeit spurlos zu vernichten, wie es vor einpaar Jahren geschah.

Doch Bank ist nicht zwingend gleichbedeutend mit Geldinstitut. Das gibt es beispielsweise im Eishockey die Strafbank, und auch die hat ihre Geheimnisse. Fragen Sie nur einmal die Spieler, die dort immer wieder mal abkühlen müssen. Für viele ist es das Geheimnis des Schiedsrichters, weshalb sie dort gelandet sind. Oder dem Vieh, könnte es denken, bliebe es ein Geheimnis, weshalb es zur Schlachtbank getrieben wird.

Strafbank – Schlachtbank: Falls Sie jetzt an Parallelen mit den Abzockern in den oberen Etagen der Bankhäuser denken, ist das ganz allein Ihre Sache!

Mein persönliches Bankgeheiminis hat jedenfalls rein gar nichts mit Geld zu tun, sondern mit jener Ruhebank am Waldrand, auf der ich einst der künftigen Mutter meiner Kinder wohl ziemlich errötend den ersten Kuss auf die Wange zu hauchen wagte. Daraus allerdings hätte ich (das ist mir unterdessen völlig klar) kein Geheimnis machen müssen – es war wohl die beste Tat in meinem jungen Leben. Aber im blanken Übermut und euphorisch setzte ich einen drauf und schnitzte mit dem Sackmesser gleich noch – mit zittrigen Fingern – unsere Initialen in die Lehne. Ich weiss, ich weiss, das hätte ich selbstverständlich nicht tun dürfen, es gehörte sich nicht, dass ich zum verliebten Mini-Vandalen wurde. Ich zähle indessen auf Ihr Verständnis und bitte um milde Nachsicht!

Meine Liebste und ich hoffen seither jedenfalls, dass unser Bänkligeheimnis niemals gelüftet werden wird. Kürzlich allerdings sah ich einen Unbekannten um die inzwischen ziemlich verwitterte und morsche Bank schleichen. Und der Mann mit hochgeschlagenem Mantelkragen und ins Gesicht gezogenem Hut hatte – da bin ich mir fast sicher – den Röntgenblick eines Steuerfahnders. War es wohl bloss Tarnung, dass er sich schliesslich ganz einfach hinsetzte und ausgiebig die prachtvolle Aussicht genoss?

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