FrontKulturBesuch einer Ausstellung – im Internet

Besuch einer Ausstellung – im Internet

Unter www.mandalight.ch sind die Bilder von Hanny Evangelatos-Ruepp zu sehen, zusammengestellt von ihrem Sohn, Stefan Evangelatos. 

Ich habe eine Ausstellung von Bilder im Internet besucht, mich intensiv damit befasst, und dann, vor einigen Tagen, vor Publikum über meine Eindrücke gesprochen!

Mit der Malerin Hanny Evangelatos-Ruepp (1935 – 2008) befreundete ich mich vor vielen Jahren während des gemeinsamen Jus-Studiums an der Universität Zürich. Täglich fuhr sie in ihrem roten MG, ihre Eltern betrieben eine Garage, von Bremgarten nach Zürich. Das war zu jener Zeit recht speziell. Über die Jahre hinweg blieben wir in lockerer Beziehung. Hanny gründete eine Familie, war politisch engagiert, Rechtsanwältin und Mitglied des Stadtrates von Bremgarten, durch ihren Mann mit Griechenland verbunden. Und sie malte.

Hanny Evangelatos-Ruepp: Fisch mit Jonas

Eine zusammenhängende Darstellung von Bildern im Internet zu besichtigen, ist sehr komfortabel. Keine störenden Bemerkungen von anderen Besuchern. Keine müden Beine. Zeit, ein Bild so lange zu betrachten, wie ich will. Kürzere und längere Pausen im Betrachten, wann immer diese nötig werden.

Es sind etwa zweihundert Bilder, die Kraft und Lebensfreude ausstrahlen, die Natur abbilden, eine Fülle von Themen aufzeigen, Menschen in den verschiedensten Zusammenhängen lebendig werden lassen. Und wer Augen hat, zu sehen, dem entgehen auch amüsante Seitenhiebe in Richtung Politik nicht.

Hanny Evangelatos-Ruepp: Pferderennen

Sehr intensiv sind die Farben. Die Äpfel der Apfelernte sind rot, die Gärten sind bunt, die Bäume grün. Aber es gibt auch viele Töne dazwischen, in überzeugendem Zusammenspiel, wie beim Reigen der Engel in Gelb und Blau.

Das eine oder andere Bild bleibt beim Scrollen an meinem Blick hängen, dahin will ich dann zurückgehen. Und sofort kristallisieren sich auch Lieblingsbilder heraus: Ein Pferderennen, der Augenblick des Startschusses. Es ist genau dieser Augenblick festgehalten, der Schuss knallt, die Pferde mit ihren Reitern preschen los! Oder die Geschichte aus dem alten Testament: ein riesiger Fisch spukt Jonas den Propheten aus! So war das also! Es lohnt sich, diese dramatische Erzählung nachzulesen. Oder die leichtfüssige Darstellung einer Zirkusszene mit einem schwarzgetupften weissen Schimmel, auf der es immer neue Einzelheiten zu entdecken gibt.

Hanny Evangelatos-Ruepp: Der Büstenhalter, 2002 (Fotos: Stefan Evangelatos)

Unverkennbar ist auch der Humor von Hanny Evangelatos-Ruepp. Ein Bild heisst: „Der Büstenhalter“. Ich dachte, was soll denn das jetzt? Ich betrachte das Bild näher und musste laut lachen. Das Thema ist nicht der veritable rote Büstenhalter, der auch im Bild hängt. Das Thema ist der Mann daneben, der eine Büste eines bekannten Politikers hochstemmt! Eine solche Idee muss einem einfallen. Ebenfalls eine politische Aussage enthält das Bild: „Hanfmord – Tod den Träumen“ oder die „Dreifaltigkeit“ aus Politik, Wirtschaft und Medien, welche die Menschen wie Puppen an Fäden ziehen.

Ihre eigentliche Vernissage erlebten die Bilder 2005, zum siebzigsten Geburtstag der Malerin. Testamentarisch hat sie festgelegt, dass diese noch einmal ausgestellt werden sollen. Deshalb sind sie nun im Restaurant Stadtkeller in Bremgarten bis im Juni 2017 in verschiedenen Räumen zu besichtigen. Mein ureigenes Erlebnis war die Ausstellung im Internet unter www.mandalight.ch. Aber ich habe meine Empfindungen gerne mit den Menschen geteilt, die bei der Eröffnung der aktuellen Ausstellung anwesend waren. Und durch die persönliche Anwesenheit war auch ein Austausch möglich, der die Bilder nochmals in einem neuen Licht zeigte.

Die Exponate werden von Zeit zu Zeit erneuert. Wer sich für ein Bild interessiert, melde sich bei evangelatos@bluewin.ch.

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