FrontKolumnenJemand hat immer recht

Jemand hat immer recht

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Der Kalauer ist uralt, und diese «Hausordnung» ist schon an manchem Anschlagbrett, in manchem Büro gehangen: «§ 1: Der Chef hat immer recht. § 2: Sollte der Chef einmal nicht recht haben, tritt automatisch § 1 in Kraft.» Wobei man den vermeintlichen Witz besser nicht als solchen sieht, sondern ernst nimmt. Man fährt in aller Regel besser…

Dabei fängt es doch schon in frühester Jugend an. Der Vater oder die Mutter hat sowieso recht, auch wenn sie immer mal wieder Unterschiedliches vertreten. Dann haben sie ein Problem, und recht hat, wer von den Beiden stur bleibt und nicht nachgibt. Auch wenn er/sie völlig falsch liegt. (Lassen wir beiseite was passiert, wenn sich auch noch die Grosseltern einmischen.)

Im Kindergarten und dann in der Schule geht die Sache fröhlich weiter: Der Lehrer (pardon: die Lehrperson) hat immer recht, denn schliesslich verfügt er/sie im Gegensatz zu den Schülern über das Heftchen mit den richtigen Lösungen. Auch hier: besser akzeptieren als diskutieren. Auf dem Pausenplatz allerdings hat der Stärkere recht, auch wenn er an sich saudumm ist.

Im Militär dann…na, Sie wissen ja! Vom Regiments- über den Bataillons- bis zum Kompaniekommandanten und über sämtliche Offiziere hinunter bis zum einfältigsten Korporal haben sie immer recht. Der das Tempo messende Polizist hat recht, der Beamte am Schalter der Einwohnerkontrolle, das Steueramt sowieso – selbst der Pöstler, der statt bis 12 Uhr erst lange nach dem Mittagessen vorbei kommt.

Hat man das Pech, vor den Kadi zitiert zu werden, haben die Richter am Ende des Prozesses recht. Es sei denn, das Obergericht hat recht und stösst das Urteil um. Zum Vergnügen vielleicht des Bundesgerichts, denn es hat letztendlich stets recht. Es sei denn, der Europäische Gerichtshof im fernen Ausland sehe es nochmals anders…

Ein staatspolitischer Grundsatz zumindest ist unumstösslich, unverrückbar: «Das Volk hat immer recht.» Sollte man zumindest meinen. Denn eines nicht allzu weit zurück liegenden Tages meinte ein umtriebiger nationaler Parteipräsident angesichts einer für ihn in die Hosen gegangener Abstimmung, das Volk habe auch nicht immer recht – «leider», wie er vor laufenden Kameras anfügte.

Auf diesen Gedanken könnte man allerdings schon kommen, blickt man über den grossen Teich in die Vereinigten Staaten. Denn was die Leute sich bei der Wahl ihres neuen Oberhäuptlings erlaubten… Wer indessen meint, ein solcher Präsident wäre bei erstbester Gelegenheit wieder zu entfernen, täuscht sich: Eigentlich wäre dieses Volk auszuwechseln, aber selbst die Amis, bei denen doch (fast) alles möglich ist, haben kein besseres zur Hand.

Recht haben: Darüber zu sinnieren ist ein unendlich weites Feld. Hauptsache, ich habe mit diesem Text hier recht. Wenn vielleicht auch nur auf Grund von § 2.

Vorheriger ArtikelSpäte Liebe
Nächster ArtikelWerkzeuge für starken Datenschutz

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

spot_img

Beliebte Artikel