FrontGesundheitUngebremster Kostenanstieg

Ungebremster Kostenanstieg

Die KOF der ETH sagt ein ungebremstes Wachstum der Gesundheitskosten voraus. 2018 werden es zum ersten Mal über 10’000 Franken pro Person und Jahr sein.

Die Gesundheitskostenspirale dreht sich weiter nach oben: Für das laufende Jahr sagt die KOF in der von Comparis finanzierten Herbstprognose ein Kostenwachstum der Gesundheitsausgaben von 4,1 Prozent voraus. Für das Jahr 2018 wird mit einem Anstieg von 3,9 Prozent gerechnet. Im Jahr 2019 dürfte sich die Konjunkturlage weiter verbessern, was wiederum zu einem Plus von 4 Prozent führen dürfte. Gleichermassen wird für jenes Jahr auch eine langsame Mässigung der Ausgaben im ambulanten Bereich erwartet, wobei sich aufgrund der demografischen Entwicklung eine Kostensteigerung im Bereich Langzeitpflege ergeben wird. Pro Kopf ergeben sich daraus Gesundheitsausgaben in der Höhe von 9’590 Franken (2016), 9’884 Franken (2017) und 10’176 Franken (2018).

Die Gesundheitsausgaben steigen nach wie vor stärker als das nominelle Bruttoinlandprodukt (BIP). Die Gesundheitsausgabenquote – das Verhältnis der Gesundheitsausgaben gemessen am BIP – wird bis 2019 auf 13 Prozent ansteigen. Im Jahr 2015 betrugen die Gesundheitskosten total 77,7 Milliarden Franken, 2019 werden es laut KOF 90,8 Milliarden Franken sein. Das ist eine Steigerung von 16,9 Prozent.

Ungebremster Kostenanstieg in der Grundversicherung

Die Gesamtkosten im Gesundheitsbereich legen laut KOF-Schätzung im Jahr 2018 um 3,9 Prozent zu. Die Kosten zulasten der Grundversicherung steigen stärker, die Prämien folglich ebenfalls. Laut Comparis-Berechnungen beträgt die durchschnittliche Erhöhung 4,9 Prozent. «Seit Inkraftsetzung des KVG wurde der Kostenanstieg nicht gebremst, auch die Strategie «Gesundheit 2020» hat nichts dazu beigetragen. Es ist zu befürchten, dass auch die Massnahmenvorschläge der Expertengruppe Diener dem Kostenanstieg nicht wesentlich Einhalt gebieten können – sondern nur die Bürokratie weiter fördern», sagt Felix Schneuwly, Krankenkassen-Experte bei comparis.ch.

Der Finanzierungsanteil der Sozialversicherungen steigt zwischen 1995 und 2019 um fast 10 Prozentpunkte von 26,8 auf 36,6 Prozent. Im gleichen Zeitraum steigt der staatliche finanzierte Anteil lediglich um 3.5 Prozentpunkte von 14,3 auf 17,8 Prozent. Weil der Hauptanteil des Kostenwachstums durch die Krankenkassenprämien finanziert wird, müssen rasch alle medizinischen Leistungen gemäss KVG einheitlich finanziert werden (25 Prozent Kantone, 75 Prozent Kassen). «Momentan bezahlen die Kantone 55 Prozent der stationären und null Prozent der ambulanten Leistungen. Weil die Kosten für ambulante Leistungen überdurchschnittlich ansteigen, ist es wichtig, dass die Kantone diese mitfinanzieren, wie dies schon bei den stationären Leistungen der Fall ist. Was viele Kantone tun oder beabsichtigen, ist ein Angriff auf den Mittelstand», sagt Schneuwly und fügt hinzu: «Einige Kantone zwingen Ärzte und Spitäler, mehr ambulant und weniger stationär zu operieren. Der Bund möchte das schweizweit durchsetzen. Das treibt die Krankenkassenprämien in die Höhe. Gleichzeitig wollen sich die meisten Kantone nicht an den ambulanten Kosten beteiligen und kürzen auch noch die Prämienverbilligungen.»

Mehr Spielraum für Krankenkassen

«Die Krankenkassen sollten vom BAG mehr Spielraum bekommen, die Rabatte auf den Grundversicherungsprämien der alternativen Versicherungsmodelle (Telmed, Hausarzt, HMO) zu erhöhen», fordert Schneuwly. So würden Versicherte, die sich für Effizienz und Qualität entscheiden, belohnt werden, was momentan noch nicht in genügendem Ausmass der Fall sei. «Im Gegenzug sollten aber die Prämien der Versicherten, die wegen Bagatellen direkt in den Spitalnotfall gehen oder Spezialärzte konsultieren, wesentlich erhöht werden», erläutert Schneuwly. Mittel- und langfristig muss laut Schneuwly die Vergütung teurer Medizin von der Menge zum Behandlungserfolg verlagert werden.

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