FrontKulturMit Tempo 30 in den Frühling

Mit Tempo 30 in den Frühling

Der Garten im Februar. Spätestens wenn die Sportferien vorbei sind, haben viele genug vom Winter. Wenn es nur endlich Frühling würde. Keine Angst, er kommt.

Wir sitzen, wenigstens hier auf fast 700 Meter Höhe, immer noch oder schon wieder im Schnee und haben Mütze und Handschuhe in Griffweite.

Aber wir wollen jetzt nicht klagen. Oder wenigstens nur ganz leise: Schön wäre es schon, wenn es bald Frühling würde. Aber das Wetter und mit ihm die Pflanzen richten sich weder nach  Stossseufzern noch nach festen Kalenderdaten.

Frühling nach der Natur

Da hilft einzig die Phänologie weiter, die Wissenschaft, die sich mit den periodisch wiederkehrenden jahreszeitlichen Abläufen befasst. Der Begriff bedeutet «Lehre von den Erscheinungen» und wurde vom schwedischen Botaniker Carl von Linné im 18. Jahrhundert erstmals wissenschaftlich angewendet. Phänologie orientiert sich an der Natur und damit indirekt auch am Wetter.

Schneeglöckchen sind im phänologischen Kalender sogenannte Zeigerpflanzen: Blühen sie auf, beginnt der Frühling.

Der phänologische Frühling ist regional unterschiedlich, beginnt im Südwesten der Iberischen Halbinsel mit dem Aufblühen der europaweit verbindlich festgelegten «Zeigerpflanzen» Schneeglöckchen, Haselnuss und Winterling und wandert dann weiter nach Norden, bis er Wochen später im Nordosten Skandinaviens ankommt.

Rund 30 Kilometer pro Tag und ebenso viele Meter in die Höhe wandert der Frühling, so ein Erfahrungswert der Phänologen. So kann, vom ersten Erscheinen eines Schneeglöckchens oder einer Haselblüte in Portugal, recht genau ausgerechnet werden, wann bei uns der Frühling Einzug hält.

Weitere Frühlingsboten

Aber eigentlich geht es auch einfacher: Frühling ist dann, wenn der Kaffee am Mittag wieder auf der Terrasse getrunken werden kann, wenn die Gartenstühle aus dem Keller geholt und schon mal abgestaubt werden und Handschuhe und Mützen versorgt werden können. Und vielleicht auch, wenn Frühlingsgefühle aufkeimen? Wobei die eigentlich keinen Kalender brauchen, schon gar nicht einer, der mit Tempo 30 daherkommt.


Die Ziermandel blüht am einjährigen Holz, deshalb müssen verblühte Triebe abgeschnitten werden. Wer sie etwas früher schneidet, holt sich den Frühling ins Haus.

Etwas allerdings hilft auch im tiefsten Februar gegen den Winterblues: Die Gartenschere. Mit der werden grosse Sträusse geschnitten, aus den Trieben der frühlingsblühenden Sträucher. Das schadet keineswegs. Die Ziermandel zum Beispiel, Prunus triloba, blüht an den neuen Trieben, sollte also jedes Jahr stark zurückgeschnitten werden.

Bei der Forsythie sind es die zweijährigen Zweige, erkennbar an den vielen Seitentrieben, die nach der Blüte ausgelichtet werden müssen. Das Gleiche gilt für die Weigelie, den Duftjasmin oder die Heckenkirsche. Wichtig ist einfach, dass alle Zweige bodeneben gekappt werden. Damit nimmt man einen Teil der ohnehin nach der Blüte notwendigen Schnittarbeit einfach vorweg.

Ja, er könnte kommen, der Frühling. (Alle Bilder B.R.)

Wer die Zweige ins warme Wasser stellt und ihnen vielleicht noch einen Tag in einem nur wenig temperierten Raum gönnt, bevor sie ins warme Wohnzimmer geholt werden, kann bald mit einem Frühlingsflor rechnen, auch wenns draussen noch schneit. So kann jedem Kalender, auch dem phänologischen, ein Schnippchen geschlagen werden.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

spot_img

Beliebte Artikel