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Die Lebensgeister wecken

Die Natur erwacht – und Viele möchten am liebsten einfach nur schlafen. Macht die Frühlingssonne müde oder sind es Spätfolgen der Winterkälte? Machen Frühlingsgefühle mitsamt den Schmetterlingen im Bauch so schlapp oder sind es ganz einfach die Vögel, die einen schon frühmorgens aus dem Schlaf zwitschern?

Nicht krank, nur müde

Glaubt man Ärzten und Schlafforschern, ist die Frühlingsmüdigkeit keine Krankheit und muss oder kann deshalb auch nicht kuriert werden. Sie verschwindet von selber wieder – spätestens wenn die ersten Einladungen zu geselligen Grillabenden ins Haus flattern.

Schneeglöckchen leiden offenscihtlich unter keinem Hormonchaos.

Und weil, was nicht richtig krank macht, auch nicht von wissenschaftlichem Interesse ist, gibt es medizinisch wenig Substanzielles zu dem Leiden. Wer am Morgen mit Zug oder Tram zur Arbeit fährt, wird aber unschwer feststellen, dass Frühjahrsmüdigkeit weit verbreitet oder sogar ansteckend sein muss. Jeder Dritte soll von dieser «Schlafkrankheit» befallen sein, sagt die Statistik und amerikanische Wissenschaftler haben auch eine Bösewicht dafür ausgemacht: einen niedrigen Serotoninspiegel.

Botenstoff, der Glück transportiert

Nun ist das mit den Hormonen so eine Sache. Sie können zum grossen Teil nicht einfach wie Vitamine von aussen zugeführt werden – obwohl das mit der Vitaminsubstitution auch nicht so schnell geht, wie es einen die Werbung weismachen will. Hormone sind biochemische Botenstoffe, die von speziellen Drüsenzellen gebildet werden und nur unter bestimmten Bedingungen freigesetzt werden.

Serotonin ist so ein Botenstoff. Mehr als 80 Prozent der Serotoninrezeptoren befinden sich im Darm, weshalb heute davon ausgegangen wird, dass Depressionen ihren Ursprung (auch) im Darm haben können. Denn Serotonin ist das «Glückshormon» oder anders gesagt, wird nicht genügend Serotonin gebildet, wird der Mensch müde, ängstlich, passiv, antriebslos – oder eben frühjahrsmüde.

Hormonchaos im Frühling

Im Winter ist die Serotoninproduktion im Körper am geringsten, dafür wird in den lichtarmen Monaten vermehrt das schlaffördernde Hormon Melatonin ausgeschütttet. Im Frühling, mit den länger werden Tagen, kommt es zu einer hormonellen Umstellung und dieser Prozess fordert den ganzen Organismus. Das weiss der Volksmund schon längst: «Die Hormone geraten in Wallung» wird kolportiert, wenn im Frühling eine neue Liebe aufblüht.

Die Liebe kann dafür sorgen, dass Menschen aufblühen. Wie ein Krokus.

Wie kann man diesen hormonellen Umbau im Körper unterstützen? Ganz sicher, indem man die Serotoninproduktion mit Spaziergängen oder sportlichen Aktivitäten im Sonnenlicht, mit viel frischem Obst, Gemüse und Kräutern und mit viel Bewegung im Freien ankurbelt. Dunkle Schokolade soll übrigens auch helfen – hoffentlich hat der Osterhase daran gedacht. Dazu sollte man sich wenn möglich dem natürlich Tagesrhythmus anpassen. Also schlafen gehen, wenn es dunkel wird und im Morgenlicht wieder aufstehen.

Krankheiten ausschliessen

Wer Ende April noch immer müde ist und sich kaum aufraffen mag, etwas zu unternehmen, der sollte einen Arzt konsultieren. Denn dann sollte die Frühjahrsmüdigkeit verschwunden sein und der Vorfreude auf den Sommer Platz gemacht haben. Eine längerdauernde Müdigkeit kann einen anderen Grund haben. Das kann eine Anämie (Blutarmut), eine bisher nicht diagnostizierte Schlafapnoe, eine Schilddrüsenunterfunktion, ein Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS) oder eine Depression sein und gehört dringend in ärztliche Behandlung.

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