FrontKolumnenKaum gefangen, schon - Fischstäbchen…

Kaum gefangen, schon – Fischstäbchen…

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Sie kennen doch den Werbespot «Kaum gefangen, schon Dingsda…», mit dem für frische Fische – nein, nicht von Fischers Fritz, sondern von einer auf Tiefkühlprodukte spezialisierten Firma geworben wird? Also.

Da waren drei jüngere – nicht mehr ganz junge – Freundinnen. Die unternahmen gemeinsam so manches in ihrer Freizeit, und die hatten sie reichlich, also praktisch immer. Denn ihre älteren – ziemlich älteren – Männer schleppten das Geld an, und um ihre Haushalte kümmerte sich wer auch immer. Jedenfalls traf man sie häufig beim Tennis, und als das mit der Zeit langweilig wurde, auf dem Golfplatz. Aber auch das Bälle in die Landschaft prügeln wurde allmählich öde. «Es muss etwas geschehen», befanden sie einstimmig, als sie mit einem Cüpliglas in der Hand im Beizli des Golfplatzes beisammen sassen, «wir müssen etwas Neues, Exklusives tun!»

Aber was? Bergsteigen? Das schien nun doch etwas allzu anstrengend. Oder vielleicht als Jägerinnen durch die Wälder streifen? Dazu müsste man am Morgen zeitig aus den Federn, und wer die Drei kennt…«Wie wär’s mit Fischen?», schlug die eine plötzlich vor, und alle waren sie Feuer und Flamme. Flugs wurde das Fachgeschäft in der nahen Stadt aufgesucht, und alle deckten sich mit dem Notwendigen ein: von den Spezialhosen mit integrierten Stiefeln über den knöchellangen Regenmantel zum Regenhut, zu Gilet, Pullover, Handschuhen usw. Ja – und das hätten sie beinahe vergessen – da waren auch noch die Angelruten – die modernsten auf dem Markt, wahre Hightech-Maschinen mit entsprechenden Schnüren, Angeln, Ködern. Da konnte nichts schief laufen.

Ob sie es im nahe liegenden Bach zuerst mal versuchen würden, erkundigte sich der leicht skeptische Verkäufer vorsichtig. Von wegen! Nein, sie hatten bereits gebucht, nicht gerade in den Weiten Kanadas (da wären Bären und anderes Ungeziefer doch etwas zu unangenehm gewesen), aber in einer Gegend des Schwarzwalds, wo ihnen ein einsamer Forellensee als Geheimtipp empfohlen worden war. Auf zum Abenteuer in die Wildnis, mit selbst gefangenen Forellen über dem Lagerfeuer!

Nach einem Fussmarsch von fast einem Kilometer vom Parkplatz durchs Dickicht stiessen sie auf die gemietete Blockhüte. «Wie romantisch!», tönte es wie aus einem Mund angesichts des offensichtlich leicht verlotterten Gebäudes. Im Innern allerdings – oho! – war alles nach modernstem Standard eingerichtet. «Aber wir wollten doch so richtig primitiv leben, und jetzt diese ganze Technik!» Doch die solarbeheizte Dusche oder die raffiniert platzierte Beleuchtung waren natürlich schon nicht ohne.

Am nächsten Tag ging’s an den kleinen See, und nach einigen Anlaufschwierigkeiten lagen die Schwimmer der Ruten tatsächlich im Wasser. Sie lagen und lagen, es wurde Mittag und allmählich Abend, aber keines dieser schwimmenden Viecher wollte anbeissen. Immer müder, immer hungriger, immer hässiger traten sie den Rückmarsch in die «primitive Hütte» an.

Ein Blick in die Tiefkühltruhe (solarbetrieben) brachte die Rettung: Da lag tatsächlich eine Packung tiefgefrorener Fischstäbchen, zwar nicht «kaum gefangen», aber irgendwie essbar. Immerhin war eine unserer drei Frauen imstand, eine Pfanne mit etwas Öl auf die Herdplatte (solarbetrieben) zu stellen und den «Fang» zu braten, leicht verbrannt zwar, aber…

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