Kultur

Mit Pauken und Trompeten

Interview mit Werner Obrecht, Inhaber und Geschäftsleiter der Obrasso Classic Events GmbH.

Die Obrasso Konzert-Agentur organisiert vom 22. – 30.September 18 im KKL Luzern das 20. World Band Festival. Mit dem Chef der Agentur, Werner Obrecht, unterhielt sich Judith Stamm.

Judith Stamm: Sie bringen Familie, Musizieren, das Führen einer landesweit tätigen Konzertagentur unter einen Hut! Wie schaffen Sie das?

Werner Obrecht: Die Familie steht bei mir im Zentrum. Ich habe das grosse Glück, dass mein Bruder Manfred, meine Frau Ursula, meine Tochter Sabrina und mein Neffe Christoph im Unternehmen mitarbeiten. So fliessen diese zwei Welten ineinander. Im übrigen hat das Musizieren Tradition in meiner Familie. Mein Vater, Ernst Obrecht, war ein Pionier der Brassbandmusik.

Das KKL Luzern und Sie, wie haben Sie zusammen gefunden?

Das war eine glückliche Fügung. Meine Agentur hatte das Programm für ein Blasmusik-Festival entworfen, unabhängig von einem Veranstaltungsort.

Als der Konzertsaal des KKL vor zwanzig Jahren eröffnet werden sollte, unterbreitete ich dieses Programm dem Stadtrat von Luzern. Und siehe da, es passte. Das Festival dauerte damals fünf Tage und zog 9000 Besucher an. Ich denke, dass es unterdessen zum grössten Blasmusikfestival in Europa geworden ist.

Das war aber erst der Anfang der Zusammenarbeit. Inzwischen organisieren wir  jährlich etwa fünfzig Veranstaltungen in diesem fantastischen Konzertsaal mit seiner einmaligen Akustik. Es sind einerseits populäre Klassikevents aber auch gehobene Unterhaltung. Damit tragen wir zu einem guten Mix bei. Das KKL wollte ja von Anfang an ein Konzerthaus sein, dessen Darbietungen alle Schichten der Bevölkerung ansprechen.

 

Judith Stamm im Gespräch mit Werner Obrecht

Was ist das Erfolgsrezept des World Band Festival, das dieses Jahr zum 20. Mal stattfindet? 

Wir präsentieren auf höchstem internationalem Niveau das ganze Spektrum des bläserischen Musizierens aus jeder Sparte. Also von der Volksmusik über die Klassik bis zur Big Band.

Wir legen grossen Wert darauf, junge Solisten, junge Formationen, in das Programm einzubauen und sie so zu fördern.

So wird zum Beispiel in der aktuellen Ausgabe der 22-jährige Aaron Chiesa, Soloklarinettist und Preisträger, am 28. September abends in der „classical-gala“ mit der Philharmonie Baden-Baden einen Auftritt haben.

Die Jugendförderung prägt auch das Gratiskonzert vom Samstag, 22. September um 14.00 Uhr auf dem Europaplatz.

Ja, da werden neben der 1855 gegründeten und heute in der Topliga spielenden britischen Black Dyke Band auch die Brass Band Berner Oberland Junior auftreten.

Tradition ist, dass dieses Konzert live auf der SRF-Musikwelle übertragen wird.

Und am Wochenende 29./30. September werden in den drei Aufführungen „tattoo on stage“ die BML-Talents, das ist die Jugendformation der Bürgermusik Luzern, und die Jugendmusik Kreuzlingen zu sehen und zu hören sein.

Nebenbei gesagt: Als ich seinerzeit das „tattoo on stage“ als Idee propagierte, hiess es in Fachkreisen, das sei unmöglich, auf einer Bühne sei zu wenig Platz. Aber der Erfolg zeigte, dass es möglich ist!

Black Dyke Band

Neben dem World Band Festival bringen Sie auch volkstümliche und  klassische Konzerte ins KKL und in die grossen Konzerthäuser der deutschsprachigen Schweiz. Eben ist das Programm für die obrassoconcerts der Saison 18/19 erschienen.

Ihr Programmheft ist auch für „analoge“ Menschen ein Augenschmaus. Und Tickets können mit der angehängten Karte bequem per Post oder per Telefon bestellt werden.

Da sprechen Sie ein Anliegen an, das mir sehr wichtig ist! Natürlich sind wir auch im Internet präsent. Aber ich will Rücksicht nehmen auf jenen Teil unseres Publikums, welches die traditionellen Wege vorzieht. Es soll sich niemand an den Rand gedrängt fühlen, weil er oder sie nicht über Internet verfügt. Das ist für mich auch eine Frage des Respekts. Uns kann man auch heute noch auf allen Kanälen erreichen!

Brass-Band Junior

In Ihrem Repertoire finden sich nicht nur die grossen Häuser und klingende Namen. Bis 2017 haben Sie während zehn Jahren das Moonlight Festival in Zofingen organisiert. Warum haben Sie aufgehört?

Da kamen verschiedene Faktoren zusammen. Wir organisierten ja das „einzige Open Air mit Trockenwettergarantie“. Das hiess, dass wir immer die gesamte Infrastruktur doppelt aufbauten. 1000 Sitzplätze mit Technik und Barbetrieb draussen auf dem Kirchplatz und dasselbe nochmals in der Mehrzweckhalle des Bildungszentrums. Das hat unsere Crew jeweils eigenhändig gemacht. Jeder hat angepackt.

Unser Eventmanager Kilian Rosenberg kann auch Hubstapler fahren und eine Hebebühne bedienen. Bis alles stand, waren wir eben mit dreckigen Jeans unterwegs.

Bei zweifelhaftem Wetter telefonierte ich dann vor Konzertbeginn immer mehrere Male mit Meteo Schweiz.  Jede „dunkle Wolke, die sich Zofingen näherte und sich allenfalls im Verlaufe des Abends entleeren könnte“, brachte mir Entscheidungsstress. Daneben stieg der administrative Aufwand für Konzepte und Bewilligungen in verschiedenen Bereichen, als da sind Verkehr, Sicherheit, Feuerwehr.

Der Managing Director Werner Obrecht vor dem Luzerner KKL

Das erste Festival fand 2007 statt. Seither sind die Unkosten um mehr als 10`000 Franken gestiegen. Sponsorenverträge liefen aus und konnten nicht verlängert werden. Dafür habe ich volles Verständnis, auch Sponsoren wollen wieder einmal etwas Neues unterstützen. Aber wir konnten sie nicht zufriedenstellend ersetzen.

Es zeigte sich wieder einmal: wir betreiben finanziell ein „Hochrisikogeschäft“!

Im Frühjahr 2018 brachen wir auf zu neuen Ufern und konnten die „Internationale Musikwoche Grenchen“ wieder neu lancieren. Diese alte Tradition, sie reicht bis ins Jahr 1955 zurück, war während einiger Jahre geradezu in einen Dornröschenschlaf versunken. Es gab ein glanzvolles Eröffnungskonzert. Orchester und Künstler wurden mit einer Standing Ovation gefeiert.

Besucherinnen und Besucher Ihrer Konzerte suchen in der Musik Erholung und Entspannung. Wo suchen Sie den Ausgleich?

Auch ich gehe gern in Konzerte. Mache zusammen mit meiner Frau erholsame Ferien, in denen wir viel lesen. Ich muss ja nicht mehr wie früher einen ganzen Koffer voll Bücher mitschleppen, heute reicht ein E-Reader!

Als Fan des SCB schaue ich mir, wenn immer möglich, dessen Spiele an. Und dann bin ich in unserem Garten bei allen Tätigkeiten anzutreffen, für die es keinen Profi braucht!

Herr Obrecht, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Fotos: PD und Josef Ritler

World Band Festival Luzern vom 22. bis  30. September 18 im KKL Luzern www.worldbandfestival.ch

Tel. Kartenverkauf: 041/361 62 62

Schriftlich: World Band Festival Luzern, Postfach 2637, 6002 Luzern