Kultur

Paradiesische Kunstwerke im Naturgarten

Neuen Bezug zur Wirklichkeit erlebbar machen: Bis 8. September zeigt der Kulturort Weiertal an der Peripherie von Winterthur zum Thema «Paradise, lost» Plastiken und Skulpturen von 25 Kunstschaffenden.

Alle zwei Jahre findet die jurierte Skulpturen Biennale Weiertal statt. In diesem Jahr steht die Biennale unter dem Titel «Paradise, lost». Zusammengestellt hat die Ausstellung Kurator und Publizist Christoph Doswald, seit 2009 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Zürich und seit 2012 im Vorstand von visarte schweiz. Eingeladen wurden 25 Künstlerinnen und Künstler aus dem Umkreis von Winterthur, die mit neuen Objekten, Installationen, Video-, Audio- und Neonarbeiten vertreten sind. Erstmals sind auch mehrere Werke ausserhalb des Kulturgartens platziert.

Aufblasbares Wasserballett auf dem grossen Teich: „Floating Maniacs“ von Olaf Breuning. 

Die neue Ausstellung fragt danach, «was passiert, wenn sich Kunst ausserhalb definierter Grenzen und Kontexte exponiert». Gesamtgesellschaftliche Fragen wie der Umgang mit Globalisierung, Fremden, Grenzziehungen und Sicherheitsdenken sollen angesprochen werden. Tatsächlich erschliesst sich die Komplexität der Ausstellung oft nur durch eine intensive und kritische Beschäftigung mit den ausgestellten Werken. Zu sehen ist vielfältiges plastisches Kunstschaffen, so raumgreifende Skulpturen, verspielte Objekte, enthoben aller Zweckmässigkeit, kritische und abstrakte Werke, die entschlüsselt werden wollen. Nachfolgend sind einige Werke herausgegriffen, die die vielschichtige und teils widersprüchliche Auseinandersetzung mit dem gewählten Thema illustrieren.

Aufblasbare Einhörner auf dem grossen Teich

«Floating Maniacs» titelt Olaf Breuning seine verspielte Installation im grossen Weiher. Auf der Wasseroberfläche schwimmen aufblasbare Einhörner mit Menschenpuppen drauf, die je nach Windeinfall ein Wasserballett aufführen. Der Künstler versteht sein Werk als Zeitdokument, als weitere aufregende Stimulation, in der nichts mehr so viel bedeutet, die Informationsflut uns erdrückt und wir der weiteren Herausforderungen harren. Hybride Fabelwesen zeigt Maja Hürst mit ihrer Installation «Wolpertikas», die, schön platziert am kleinen Teich, eine verspielt-synthetische Ästhetik verströmen. Katja Schenker präsentiert im Eingangsbereich eine Skulptur aus Asphalt, quasi ein Sommer-Schneemann mit dem Namen «Efi», der an die Vergänglichkeit erinnern soll.

Apokalyptisches Warnbild: „The End is near“ von Beni Bischof.

Von weitem sichtbar ist die Bretterwand mit der apokalyptischen Aufschrift «The End is near» von Beni Bischof. In dadaistischer Manier wird die Endzeitfantasie angeregt. Ein vielschichtiges künstlerisches Oeuvre zeigt Martin Senn mit «Salamander», ein märchenhaft-hybrides Fahrzeug auf einer Holzbrücke über den Bachlauf, halb Velo, halb Wohnmobil, mit Surfbrett, das zum Sinnieren einlädt. Aus Beton gefertigt steht im Obstgarten die Figur «Sleeping Sculpture» von Christopher T. Hunziker, eine nackte, schlafende Menschenfigur, die trotz ihrer Grösse eine poetisch-schwebende Wirkung entfaltet.

Märchenhaft hyprides Fahrzeug: „Salamander“ von Martin Senn.

Aus 324 Glasbausteinen gefertigt, steht im Garteneingang die Skulptur «Let You See Me Like You See» von Esther Mathis, ein riesig optisches Prisma, das je nach Tageszeit und Lichteinfall facettenreiche Wahrnehmungen ermöglicht. «Give me one more day» nennt Christian Andersen seine Installation, ein abstraktes Fragment eines Pavillons mit einem prismatisch filternden Guckloch, das eine Paradiesahnung vermitteln soll. Einen Blick in vergangene Zivilisationen vermittelt Peter Kamm mit seiner Sandsteinskulptur «Staubrinnen-Flosse», die an einen, von den Gezeiten geformten archäologischen Fund erinnert.

Fragment eines modernen Pavillons mit Guckloch: „Give me one more day“ von Christian Andersen.

Das Weitertal ist ein spezieller Kulturort, den man gerne aufsucht. Maja und Richard von Meiss haben inmitten grüner Felder und umrahmt von dichtem Wald einen lauschigen Kunstgarten mit Weihern, Bachläufen, Obstbaumhain, Datscha, Bistro und Verweilplätzen geschaffen, in dem seit 2009 jeweils in den Sommermonaten plastisches Kunstschaffen gezeigt wird. Die letzten fünf Skulpturen-Biennalen haben jeweils gegen 7000 Personen besucht. Zur Ausstellung „Paradis, lost“ ist eine umfangreiche und lesenswerte Publikation erschienen, in der alle ausgestellten Werke beschrieben und abgebildet sind.

Oben: Fabelwesen am kleinen Teich: „Wolpertikas“ von Maja Hürst. Unten: Erinnerung an vergangene Zivilisationen: „Staubrinnen-Flosse“ von Peter Kamm.

Titelbild: Träumender Riese aus Beton: „Sleeping Sculpture“ von Christopher T. Hunziker. Alle Fotos: Linus Baur

Die Biennale «Paradise, lost» dauert bis 8. September und ist Mittwoch bis Samstag von 14 – 18 Uhr und Sonntag von 11 – 17 Uhr geöffnet. Jeweils sonntags um 13 Uhr finden mit beteiligten Künstlern moderierte Rundgänge durch die Ausstellung statt.

Mehr unter www.skulpturen-biennale.ch