Kultur

Preis für Valie Export zum Frauenstreik

Ausgerechnet am Tag des Schweizer Frauenstreiks 2019, am 14. Juni, gibt die Roswitha Haftmann-Stiftung bekannt, dass der Preis 2019 an VALIE EXPORT, an eine Künstlerin, die in ihren Filmen, Aktionen und Performances immer auch Feministin war, verliehen wird.

Der Stiftungsrat der Roswitha Haftmann-Stiftung hat beschlossen, dass der mit 150’000 Schweizer Franken dotierte Roswitha Haftmann-Preis 2019 der österreichischen Künstlerin VALIE EXPORT (*1940) verliehen wird. Die Filmemacherin, Medien- und Performancekünstlerin, die seit 1967 ihren Künstlernamen in Versalien als Konzept und Logo führt, wird für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Sie gehört nach Ansicht des Stiftungsrats zu den wichtigsten internationalen Pionierinnen dieser Kunstgattungen. Ihre Körper-Aktion Tapp und Tastkino löste einen Skandal aus, der, gemäss der Jury, zum Gründungsmythos des sogenannten Aktionismus gehört und bis heute nachwirkt. Allerdings will Valie Export nicht mit den Wiener Aktionisten gleichgesetzt werden.

VALIE EXPORT: Syntagma, 1983. Avantgarde-Film Courtesy the artist, © 2019 ProLitteris, Zurich

Erstmals realisierte sie das Tapp- und Tastkino im Rahmen des 1. Europäischen Treffens der Unabhängigen Filmemacher in München. Bei dieser Performance auf öffentlichen Plätzen trug Export eine lockige Perücke, war geschminkt und trug über ihren nackten Brüsten einen Kasten mit zwei Öffnungen. Der restliche Oberkörper war mit einer Strickjacke bedeckt. Peter Weibel warb durch ein Megafon und lud die Schaulustigen zum Besuch ein. Diese hatten 33 Sekunden lang Zeit, mit beiden Händen durch die Öffnungen die nackten Brüste der Künstlerin zu berühren.

Valie Export sagte später zu dieser Aktion: „Das Tapp- und Tastkino – das war Straßenaktion, es war Feminismus, es war Expanded Cinema, es war Film.“ Sie sah diese Aktion als „erweitertes Kino, das Filmzuschauer mit dem konfrontiert, was im abgedunkelten Saal als normal angesehen wird: der voyeuristische Blick auf Frauenkörper.“

Valie Export: Die Doppelgängerin, 2010. Belvedere-Park, Wien. Foto: Filip Maljković

Valie Export nahm 1977 an der documenta 6 und 2007 an der documenta 12 in Kassel teil und repräsentierte 1980 Österreich zusammen mit Maria Lassnig (ebenfalls Haftmann-Preisträgerin) an der Biennale in Venedig. Sie hatte Professuren an den Kunsthochschulen in Wisconsin-Milwaukee, Berlin und Köln inne und war und ist bis heute in zahlreichen internationalen Ausstellungen vertreten. Sie lebt und arbeitet in Wien. Während der Art Basel ist zurzeit in der Art Unlimited-Halle der Avantgardefilm Syntagma von 1983 zu sehen.
VALIE EXPORT ist die neunzehnte Künstlerin, der Europas höchstdotierter Kunstpreis zuteil wird. Der Haftmann-Preis wird ihr am 27. September 2019 im Kunsthaus Zürich verliehen.