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Wenn die jungen Bürger feiern

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Jetzt ist wieder Hochsaison, und ich nerve mich wie jedes Jahr. Nein, ich meine nicht die wie Pilze aus dem Boden schiessenden schlechten Kopien des Münchner Oktoberfestes, die nach zuerst grösseren Gemeinden nun auch die hintersten Käffer erreichen und primär aus Saufen und sonstigem Holdrio bestehen – mit grossem Zulauf. Da hätte man vor ein paar Jahren den zumeist jungen Leuten sagen müssen, sie hätten in kurzen Lederhosen und ausgeschnittenen Dirndl samt herausquellendem Busen auf den Bänken irgendeiner Festhütte zu grölen und zu stampfen. Nicht vorzustellen, die Reaktion!

Allerdings ist die Rede hier vielmehr von den einst traditionellen Jungbürgerfeiern und dem Gejammer der Gemeindeväter und –mütter landauf und landab, die neuen Volljährigen interessierten sich einen Deut um dieses hehre Zusammentreffen mit der örtlichen Obrigkeit, auf dass ihnen feierlich mitgeteilt werde, sie dürften in Zukunft an der Gemeindeversammlung teilnehmen.

In einer Nachbargemeinde wurde dieser Tage in sehr leidendem Ton bekannt gegeben, die Jungbürgerfeier müsse leider abgesagt werden. «Dabei hat der Gemeinderat ein neues Konzept ins Leben gerufen: Mit moderierten Grossgruppenspielen und einer Führung durchs Gemeindehaus versucht man, das Interesse an der Gemeinde bei den jungen Erwachsenen zu wecken.» Und dann dies: Von den 226 eingeladenen jungen Leuten meldeten sich gerade mal 20 an. In der Tat: keine begeisternde Quote. Immerhin werden alle ein vom Gemeindepräsidenten und –schreiber «persönlich» unterzeichnetes Gratulationsschreiben erhalten. Ich wette: Die Empfänger werden das «mega geil» finden…

Grossgruppenspiele! Führung durch die Verwaltung! Vorstellung der verschiedenen Ressorts durch die zuständigen Würdenträger! Das ist ja noch mehr «Gähn!» als vor Jahren der Ausflug ins Appenzellerland, das gemeinsame Treiben auf der Go-Kart-Bahn oder die Schifffahrt mit Schüblig und Kartoffelsalat.

Denn der Unterschied zu unserer Volljährigkeit (mit 20 Jahren und vielleicht doch etwas mehr Reife): Mit 16 lässt man den Jüngling bei der Freundin übernachten (oder umgekehrt), der Autofahrunterricht wird nächstens in der Sekundarschule obligatorisch (vielleicht an Stelle des Turnens?), und mit 17 wird die erste Lehre abgebrochen.

Eine Jungbürgerfeier, vermutlich an einem Abend? Da würde doch ein Ausgang flöten gehen, eine Party oder sonst ein Besäufnis. Denn mit dem i-Phone in der Hand beziehungsweise im Kopf und einem Flugticket in der Tasche bleibt in unserer 24-Stunden-Spass-Gesellschaft kaum Raum, wirklich erwachsen zu werden. Darum tun jene Gemeinden, die den Schritt noch nicht längst getan haben, gut daran, den alten Zopf Jungbürgerfeier endlich abzuschneiden und nicht weiter zu jammern – grundsätzlich zwar schade, aber unvermeidbar.

Denn wie dargelegt: Die jungen Bürger feiern (ohne obrigkeitliche Verordnung) durchaus gern und oft und ausgiebig und ausdauernd. Wenn’s sein muss und sonst gerade nichts los ist, notfalls auch in Lederhosen und Dirndl.

1 Kommentar

  1. Sehr erfreulich, lieber Adalbert, dass wieder eine Deiner treffenden «Randnotizen» den Weg ins Seniorweb gefunden hat. Vielleicht müssten wir doch mal ein Bier miteinander trinken. Du bräuchtest keine Lederhosen anzuziehen!

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