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Die Verrückten?

Sind wir zunehmend von Verrückten umgeben, von Greta Thunberg, von Donald Trump, von Boris Johnson? Oder ist Greta Thunberg ein Engel Gottes, der uns in der Person der jungen Frau die Wut unseres Gottvaters im Himmel auf die geschundene Erde zu überbringen hat? Ist Donald Trump, ihr Widerpart, gar des Teufels Botschafter, der uns weismachen will, dass es den Klimawandel gar nicht gibt, dass das Pariser Abkommen eine Finte ist, das es zu unterlaufen gilt? Oder ist Boris Johnson ein selbsternannter Heilsbringer der Briten, weil er die Europäische Union sprengen will, damit er sein Empire, sein Grossbritannien wieder zur Weltmacht hieven kann? Und das eben ohne Europa.

Oder sind sie alle eben doch verrückt, weil sie nicht ins Schema passen? Weil Greta Thunberg nicht das sein will, was wir von einer 16jährigen jungen Frau erwarten, die nicht zu streiken, sondern strebsam die Schule zu besuchen hat. Weil Donald Trump nicht dem entspricht, was wir von einem Staatsmann erwarten, dass er über die demokratischen Errungenschaften wacht, statt sie auszuhöhlen versucht. Weil wir von einem britischen Premierminister nicht nur Rechthaberei und Gepolter erwarten, sondern dass er mit Weitblick die demokratischen Grundprinzipen umsetzt, wie die Gewaltentrennung zwischen Parlament, Regierung und Justiz, und die souveränen Rechte des Einzelnen hoch hält, statt sie mit Füssen zu treten.

Greta Thunberg hat seit gut einem Jahr die Welt verändert, ob uns das nun passt oder auch nicht. Und sie ist so souverän, dass sie im Umweltausschuss des US-Kongresses gar nicht zu argumentieren brauchte. Sie trug unter dem Arm den berühmten Bericht des Weltklimarates und meinte lakonisch, hier steht alles drin, was sie als Politikerinnen und Politiker zu leisten haben: Handeln sie endlich!

Vor dreissig Jahren fiel die Mauer zwischen der BRD und der DDR. Der Kalte Krieg zwischen Ost und West, zwischen den Nato-Staaten und den Staaten des Warschauer-Pakts schien endgültig der Vergangenheit anzugehören. Statt Schutzwalle schien plötzlich ein Miteinander Platz zu greifen, doch weit gefehlt.

Das Mauerbauen feiert zurzeit Urstände in Nord und Mittelamerika zwischen den USA und Mexiko, in Israel zwischen den Israelis und den Palästinensern, in Ungarn zu den Nachbarn im Osten. Statt Brücken zwischen den Staaten zu bauen, werden Schutzwälle errichtet. Statt den freien Handel zu begünstigen, werden Schutzzölle erhoben, hüben wie drüben, zwischen den USA und China, zwischen den USA und Europa.

Sind tatsächlich Verrückte am Werk? Drehen sie das Rad zurück statt vorwärts? Eines ist unumstösslich: Während Trump und Johnson mit Finten und Lügen agieren, um zu sichern, was sie meinen bewahren zu müssen, Einfluss und nationale Souveränität, will Greta Thunberg nur eines: die Welt bewahren. Und das ist nun wirklich weit mehr als uns Trump und Johnson mit ihrer männlichen Überheblichkeit tagtäglich vorführen.

3 Kommentare

  1. Lieber Toni, eine Frage hast Du vergessen: vielleicht sind wir selbst «die Verrückten». Weil wir immer noch Fliegen, Fleisch essen, in Plastik verpackte Waren kaufen…….
    Die Entscheide über unsere Gewohnheiten können wir ja hoffentlich noch ohne Thunberg, Trump, Johnson fällen. Oder etwa nicht?

  2. Vielleicht spinnen ja wir Alle? Wir tun so, als ob die Erde uns gehörte. Dabei sind wir – gemessen am Alter unseres Planeten – erst seit etwa fünf Minuten hier und bringen es fertig unsere Lebensgrundlagen zu zerstören.

    • Nachtrag zu meinem Geschreibsel vom 12. Oktober:
      Ich meine mich zu erinnern, dass ich im Naturhistorischen Museum der Uni Zürich – Karl-Schmid-Strasse – das Alter unseres Planeten in 24 Std. dargestellt gesehen zu haben. Da erscheint der homo sapiens etwa um 23.55 Uhr. Der Besuch dieses Museums ist sehr zu empfehlen. Bitte nachsehen, da ich nicht ganz sicher bin wegen der Adresse.

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