FrontKulturDer umtriebige Verleger gepflegter Bücher

Der umtriebige Verleger gepflegter Bücher

Wer hätte das gedacht: Zwar schleicht sich die Digitalisierung in alle unsere Lebensbereiche ein, aber Bücher boomen. Wurden in Deutschland im Jahr 1951 gerade 14’000 Bücher verlegt, waren es im Rekordjahr 2011 über 96’000 Titel – und im letzten Jahr immerhin noch fast 80’000 Erst- und Neuauflagen. Wer sind etwas Ruhe gönnen will, liest ein Buch; wer ein schönes Geschenk sucht, kauft ein Buch. Der Markt ist vielfältig. Zuspruch finden nicht nur Romane, sondern auch Sachbücher.

Midas ist ein Schweizer Verlag, der 1991 gegründet wurde und seither ein vielfältiges Programm von Sachbüchern, Foto- und Kunstbüchern und neuerdings auch Kinderbüchern verlegt. Nimmermüder Kopf dahinter ist Gregory Zäch, der an die Zukunft des gepflegten Buches glaubt und dafür viel Zeit und Geld investiert. Und sich und seinen Buchverlag auch auf Facebook stets präsent hält. Seniorweb sprach mit ihm.

Gregory Zäch, vor 30 Jahren sind wir uns als Journalisten begegnet. Du bist dann Buchverleger geworden. Woher der Wandel?

Gregory Zäch: Das ist eigentlich gar kein grosser Wandel, denn mein Job als Verleger gleicht in vielen Punkten dem eines Journalisten. In beiden Fällen muss ich in der Lage sein, Trends und Strömungen in der Gesellschaft frühzeitig zu erkennen und mir einen Reim darauf zu machen. Sowohl als Journalist wie auch als (Sachbuch-)Verleger ist es meine Aufgabe, komplexe Sachverhalte zu verstehen, nachzurecherchieren und in eine gut lesbare und verständliche Form zu bringen. Das gilt für ein Buch natürlich noch viel mehr als für einen Artikel, da ein Buch aus meiner Sicht etwas „für die Ewigkeit“ ist und dementsprechend mit grösster Sorgfalt gemacht werden sollte.

Papier wird totgesagt und noch nie wurden so viele Bücher verlegt wie jetzt. Wie erklärst Du Dir das?

Das Buch wurde schon so oft totgesagt, dass ich über solche Sätze nur noch schmunzeln kann. Natürlich gibt es sehr viele Bereiche, die ins Digitale abgewandert sind. So wie heute wohl niemand mehr ein gedrucktes Telefonbuch verwendet, gibt es auch Nachschlagewerke, die man lieber gleich online konsultiert, als nachzuschlagen – und das ist auch gut so. Ich sage nur Wikipedia statt Brockhaus.

Midas-Verleger Gregory Zäch an der Frankfurter Buchmesse.

Ich glaube, das Bedürfnis nach gedruckten Büchern wird nie ganz verschwinden, aber was sich verändert, ist natürlich das Leseverhalten. Auf der einen Seite wird das «informative Lesen» (News, Daten, Frage & Antwort, Lernen etc.) meines Erachtens komplett ins digitale abwandern, während auf der anderen Seite das „Genusslesen“ oder, wie es Hirnforscher nennen, das nicht zweckbestimmte oder „mäandernde Lesen“, eher wieder einen Zuwachs erfahren. Das liegt aus meiner Sicht vor allem daran, dass wir heute – gezwungenermassen – so viele Arbeiten am Computer erledigen, dass es eine willkommene Abwechslung und „Entschleunigung“ darstellt, mal wieder in Ruhe in einem Buch zu blättern.

Wenn ich auf der Website Dein Buchprogramm anschaue und dazu auf Facebook noch sehe, wie viel Du unterwegs bist, nehme ich an, ein grosses Team arbeitet für Dich. Stimmt das?

Ja, ich bin tatsächlich sehr viel unterwegs und vor allem an sehr vielen Buch-Messen: Leizpzig, London, Bologna, Frankfurt, Wien und andere. Das liegt zum einen daran, dass ich Messen auch heute noch für eine relativ effiziente Art halte, sich über einen Markt zu informieren, zum anderen aber auch daran, dass meine Präsenz und der persönliche Kontakt zu Autoren, Vertriebspartnern und befreundeten Verlagen auch ein Zeichen der Wertschätzung darstellt. Wie kaum ein anderes Geschäft ist die Verlags- und Buchbranche ein „people business“, das heisst viele gute Geschäfte entstehen, weil man mit Menschen zusammenkommt, die etwas zu sagen haben und mit denen man auch wirklich gerne arbeiten möchte. Mit Büchern Geld zu verdienen ist sicher schön und wichtig, aber für Autoren und Verleger sicher nicht die Hauptmotivation.

Das Midas-Team ist sehr klein und besteht aus nur 4 Leuten, aber wir arbeiten mit 12 freien Verlagsvertretern und über 20 Freelancern zusammen. Auch die einzelnen Bücher werden meistens als Projektteams zusammengestellt, was uns eine sehr hohe Flexibilität und schnelle Reaktionszeiten ermöglicht. Wir sind zwar nicht gross, aber sehr beweglich! 😉

Dein Buchverlag ist auf Fachbücher spezialisiert. Welche Themen werden heute besonders nachgefragt?

Da muss ich dich korrigieren. Der Midas hat in den 90er-Jahren zwar mit Fachbüchern im Bereich Computer und Management gestartet, ist aber heute viel breiter aufgestellt. Dies liegt vor allem daran, dass (wie oben erwähnt) das informative Lesen oder eben das Lesen von Fachbüchern und Fachinformationen zu einem grossen Teil ins Digitale abgewandert ist. Zwar bieten auch wir viele E-Books, Apps und andere digitale Lösungen an, aber diese machen keine 10% unseres Gesamtumsatzes aus.

Der Midas Verlag hat sich deshalb recht breit aufgestellt und ist zurzeit in diesen drei Bereichen tätig: Im Midas Sachbuch pflege ich den Bereich, mit dem wir ursprünglich gestartet haben. Hier veröffentlichen wir Fach- und Sachbücher, aber auch Ratgeber zu aktuellen Themen. In der Midas Collection machen wir aufwendig gestaltete und haptisch schön gemachte Bücher zu Themen wie Mode, Kunst, Fotografie und Design. Also Bücher für Geniesser! Und Midas Kinderbuch ist unser jüngstes Kind, das wir erst letztes Jahr (also 2018) mit einigen sehr erfolgreichen Bilderbüchern wie «Der Lesewolf» oder «Der grüne Riese».

Du warst auch dieses Jahr auf der Frankfurter Buchmesse präsent. Welche Titel aus Deinem Programm standen auf Deinem Stand in der ersten Reihe?

Das waren meine Toptitel: Aus dem Midas Sachbuch-Programm: «Es gibt keinen Planet B» von Mike Berners-Lee – ein umfassendes und sehr spannend lesbares Handbuch über die grossen Herausforderungen unserer Zeit (Klimawandel, Welternährung, Wirtschaft, Vertrauen etc.); und «Der beste Rat» von Frank Arnold. In diesem Buch verraten 50 bekannte Unternehmer aus der Schweiz ihre besten Ratschläge. Sehr interessant! Aus der Midas Collection: «Stil ist keine Frage des Alters», die witzige Biografie der unvergleichlichen Iris Apfel; und «Advanced Stil», Ari Seth Cohen porträtiert ältere und stilbewusste Damen, die das Leben lieben. Und schliesslich aus dem Midas Kinderbuch-Programm: «Helden-Atlas», 101 Frauen und Männer, die die Welt verändert haben. Ein Buch mit guten Vorbildern für Kinder; «Vincents Sternennacht», eine faszinierende Kunstgeschichte für Kinder mit über 50 Künstlern aus aller Welt.

Weitere Informationen auf www.midasverlag.com

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