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Mutter Erde macht dreckige Hände

«Wasch dir sofort die Hände, aber gründlich, mit Seife!» Diesen Befehl haben alle schon mal gehört. Nein, nicht in der jetzigen Krisenzeit, in der Kindheit. Dann, wenn man irgendwo einen richtig schönen Erdhügel entdeckt hat. Wo gemanscht und gepflotscht werden konnte – was die Mutter regelmässig ins Hyperventilieren brachte.

Dreck ist in unserer Mundart sowohl Schmutz wie auch gute, fruchtbare Erde. Wer jetzt im Frühling im Garten arbeitet, bekommt meist dreckige Schuhe. Das heisst, an den Sohlen kleben Erdklumpen. Kein Schmutz! Sicher nicht! In diese Erde pflanzen wir nachher die ersten Salatsetzlinge, sähen die Cosmeen und Sonnenblumen aus.

Erde ist die Grundlage des Lebens auf unserem Planeten. Deshalb heisst sie ja auch so.(b.r.)

Dreck, Erde, Erdreich, Humus, Gartenboden bedeuten alle dasselbe: Die äusserste, hauchdünne Schicht unseres Planeten, die sogar dessen Namen teilt: Erde. Was die Bedeutung dieser nur rund 30 Zentimeter dicken «Haut» der Erdkruste unterstreicht: Ohne diese Erde sähe unser Planet ganz anders aus: Karg, öde und unfruchtbar.

Ein unendlich kostbares Gut

Seitdem Menschen sesshaft sind und Nahrung nicht nur jagen sondern auch kultivieren, kommt der Erde eine besondere Bedeutung zu. Naturvölker und viele Religionen verehren sie als urtümliche, Leben spendende Kraft. «Mutter Erde» besang schon Homer in seinen Hymnen. Es ist unsere Zeit, die aus dieser «Mutter» eine Produktionsmaschine machen will, die beliebig stark ausgebeutet werden kann. Kunstdünger sei Dank. Mit allen heute schon  bekannten Folgeschäden: ausgelaugte Böden, Erosion, Versteppung.

Wer einen Garten anlegen will, muss sich fast zwangsläufig mit dem Erdreich befassen. Es gibt verschiedene Bodenarten und jede hat mehr oder weniger Vor- und Nachteile. Sandboden zum Beispiel, wie er an Fluss- oder Seeufern vorkommen kann, reagiert rasch sowohl auf Hitze wie auch auf Kälte, hält aber weder Wasser noch Nährstoffe lange zurück. Wer eine richtig schöne Humusschicht aufbauen will, braucht jahrelange Geduld und etliches Fachwissen – und viel Kompost und Mulchmaterial. Spargeln, Kartoffeln, Wurzelgemüse und auch schwarze Johannisbeeren wachsen auf diesen leichten Böden besonders gut.

Tonböden halten die Feuchtigkeit zurück und werden, sind sie mal ausgetrocknet, so hart, dass eine Bodenbearbeitung fast nicht mehr möglich ist. (pixabay)

Das pure Gegenteil ist der Tonboden. Er ist schwer zu bearbeiten, die Erde bleibt an jeder Schaufel kleben. Tonböden sind geizig: Sie halten Wasser und Nährstoffe zurück und weisen jede Pflanzenwurzel schnöde ab: Kein Durchkommen! Tonböden erwärmen sich im Frühling nur langsam und neigen zu Staunässe. Trocknen sie aus, in einem heissen Sommer zum Beispiel, mutieren sie zu einer «Betondecke», die nur noch mit dem Pickel aufgebrochen werden kann. Wer einen natürlichen Gartenteich anlegen will, das heisst, ohne Abdichtung mit Plastikfolie, dem allerdings kommt diese Bodenart sehr entgegen.

Alle andern Gartenbegeisterten müsssen versuchen, mit Sand, Kompost und einer lange Jahre wiederholten Lockerung des Erdreichs die Bodenaktivität zu verbessern. Gelingt das, wird von einem Lehmboden gesprochen. Lehm ist, einfach gesagt, mit Sand durchsetzter Ton und ist, bei sorgfältiger Bodenbearbeitung und ständiger Bodenbedeckung und Gründüngung, ein sehr annehmbarer Gartenboden.

Lehmhäuser sind Komfortbauten

Lehm lässt sich gut formen und ist eines der ältesten Baumaterialien der Welt. Es gibt bis heute Häuser in Lehmbauweise – auch in der Schweiz. Dank der guten Eigenschaften dieses Baumaterials kann auf Isolation verzichtet werden und das Raumklima ist unübertroffen. Die Lehmbausteine  – dafür wird Lehm mit Stroh vermischt und dann gestampft – werden nicht gebrannt, nur getrocknet und trotzdem halten die Bauten, durch Dächer geschützt, viele Generationen lang.

Moorböden, wie sie zum Beispiel im Berner Seeeland (das Grosse Moos), in der Linthebene und im St.Galler Rheintal vorkommen, sind anspruchsvoll. Sie nehmen wie ein Schwamm sehr viel Feuchtigkeit auf. Trocknen sie aber aus, nimmt diese Speicherfähigkeit rapide ab. Wir älteren Gartenbesitzer kennen diesen Effekt aus der Zeit, als Torfballen noch gang und gäbe waren.

Pilze, Bakterien und chemische Prozesse

Das Erdreich in seinem Garten kann man sich nicht aussuchen. Es ist, wenn nicht mit Kunstdünger und Pestiziden verseucht, ein gewachsener, lebendiger Organismus mit einer Vielzahl an Bodenlebewesen. Die Voraussetzung für einen lebendigen, aktiven und fruchtbaren Boden ist dessen Humusgehalt. Es ist diese biologische Aktivität, die die Pflanzen wachsen lässt.

Phacelia ist eine Pflanze, die als Gründüngung gesät wird – auch im (biologischen) Erwerbsanbau. Zum Beispiel nach der Kartoffelernte. Sie lockert nicht nur den Boden, sie ist auch – ihr deutscher Name «Bienenweide» verrät es – eine wichtige ökologische Nutzpflanze. (pixabay)

Wer seinem Gartenboden Gutes tun will, sorgt in erster Linie für eine durchgehende Bodenbedeckung als Schutz vor Regen, Hagel, Kälte und Hitze. Das können Schilfhäcksel oder Holzschnitzel aus dem Gartencenter sein, Laub und Rasenschnitt aus dem eigenen Garten. Alles mit leichter Hand aufgetragen, sodass noch Luft und Licht an die Erde kommt.

Gründüngungen, also Pflanzen, die meist nach der Vegetationsphase den Boden verbessern, sind eine Methode, den Boden zu regenerieren, Kompost ausbringen eine andere. Umstechen ist bei dieser Art der Bodenpflege nicht mehr nötig, ein leichtes Hacken im Frühling genügt.

Wer jetzt an frostfreien Tagen Spinat in Reihen über die Gartenbeete sät, tut sich und der Humusbildung einen Gefallen. Die jungen Spinatblätter landen in der Küche und der Überschuss wird, sobald die Pflanzen schossen und zu blühen beginnen, einfach leicht untergehackt. Als nahrhafte Bodendecke, die dank des Saponingehalts der Pflanzen auch pilzabwehrende und antibakterielle Eigenschaften hat, verhilft sie nachfolgenden Pflanzungen zu einem gesunden Start. Und uns ab und zu sehr wahrscheinlich zu dreckigen Gartenhänden. Aber Hände waschen ist aktuell ja eh das Gebot der Stunde.

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