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Kreativität in Zeiten von Corona

Bei vielen Menschen zehrt Corona allmählich an den Nerven. Sie suchen nach Ventilen. Das geht auch Künstlern so. Besonders jenen der Street Art, die immer im öffentlichen Raum tätig sind. In einem Buch sind Werke zusammengetragen, die während der Coronazeit entstanden. Sie wecken auch beim Lesen Erinnerungen und Gefühle.

Das Jahr 2020 wird als jenes in Erinnerung bleiben, in dem die kollektive gesellschaftliche Stimmung so stark hin und her schwankte, wie selten zuvor. Niedergeschlagenheit über ein Virus, dem es bereits in zwei Wellen gelingt, Lebensformen zu verändern, Hoffnung über zurückgehende Infektionszahlen, die Rückkehr zu alten Gewohnheiten, Angst vor einer noch schlimmeren dritten Welle und Trauer über den Tod von Menschen, die noch gestern kerngesund schienen: es war ein Auf und Ab der Gefühle.

Wurde den darstellenden Künstlern über Nacht die Existenz beraubt, weil alle Aufführungen gestrichen wurden, versuchten bildende Künstler ihre Emotionen auf ihre Weise darzustellen. So auch die Street Art-Künstler. Von den einen Zeitgenossen als Verschandelung von Städten und Bahnwagen verachtet, werden sie von anderen als alternative Kunstform geschätzt und geehrt.

Street Art-Werke aus der ganzen Welt

Autor Xavier Tapies hat auf der ganzen Welt Werke der Street Art aufgespürt, die in diesem Frühling während des Lockdowns entstanden. Er hat Arbeiten aus allen Kontinenten eingesammelt, in denen der Verlauf der Pandemie bekanntlich ganz unterschiedlich ablief. Die Themen, die die Künstler dargestellt haben, sind jene, die auch uns beschäftigen: die lästigen Kontaktbeschränkungen aller Art, der heldenhafte Einsatz von Ärzten und Pflegenden, der zwangsneurotische Einkauf von WC-Papier, Hefe und anderem, die Freiheits- und Mobilitätseinschränkungen, die immer mehr belasten, die Furcht vor Menschenansammlungen. Die Künstler waren in den grossen Städten Europas und auf den anderen Kontinenten aktiv. Sie äusserten sich schrill oder poetisch, nachdenklich machten sie immer.

Der Autor hat viele der Werke dieser Künstler im Büchlein «Street Art in Zeiten von Corona» zusammengefasst. Ein Buch, das sich leicht durchblättert und bei dem einem zu jedem Bild ein eigenes Erlebnis oder eine gehörte Geschichte einfällt. So zieht beim Betrachten der Bilder die ungewohnte Zeit von März bis jetzt nochmals vor dem geistigen Auge vorbei. Eine Zeit, die jeder von uns anders erlebt hat, die die Street Art-Künstler im kollektiven Gedächtnis an den Wänden der Städte in Erinnerung behalten.

Xavier Tapies, Street Art in Zeiten von Corona, Verlag Midas Collection, ISBN 978-303876-178-5

 

 

 

 

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