FrontKulturDas Appenzellische zeitgemäss darstellen

Das Appenzellische zeitgemäss darstellen

Gret Zellweger ist Künstlerin. Sie war auch schon Politikerin und Verbandspräsidentin. Und Jurymitglied und OLMA-Verwaltungsrätin. Zu ihrem 75. Geburtstag stellt sie 75 Blätter im Zeughaus Teufen aus. Der Appenzeller-Verlag hat dazu ein wunderschönes Buch herausgegeben.

Gret Zellweger ist eine vielseitige Künstlerin. Nach einer Lehre bei der Post in Appenzell und Berufstätigkeit auf der Schwägalp ist sie seit 1980 freischaffend. In der appenzellischen Gesellschaft tief verankert hat sich oft politisch und unternehmerisch engagiert.

Ihre Themen und Motive findet sie in appenzellischen Traditionen und der Landschaft. Sie arbeitet mit Holz, Blech, Papier und Leinwand. Diese Materialien formt und gestaltet sie zu zeitgemässen, ausdrucksstarken Werken. Im Nachwort des Buches, das der Appenzeller Verlag zusammen mit der Ausstellung in Teufen herausgegeben hat, schreibt der Kurator des Zeughaus Teufen über Gret Zellweger und ihre Arbeiten: «In ihren Kreationen verarbeitet sie Gesehenes, Alltägliches und Überliefertes, nutzt daraus Motive und lotet so die Welt aus ihrer Sicht aus. Und sie lässt uns teilhaben an ihrem Suchen und Versuchen. Es ist immer ein unverkennbares Gret-Werk.»

Zu ihrer Sicht über die Volkskunst zitiert der Landammann von Appenzell Ausserrhoden, Alfred Stricker, Gret Zellweger in seinem Vorwort: «Volkskunst soll lebendig bleiben und muss darum heute nicht kopiert, sondern anders umgesetzt werden als im letzten Jahrhundert.»

Gret Zellweger beim Einrichten der Ausstellung in Teufen. Foto: Zeughaus Teufen AR

Die 75 Blätter, die in der Ausstellung gezeigt und im Buch abgebildet sind, legen Zeugnis davon ab. Beim Durchblättern begegnen Leserinnen und Leser Menschen und Tieren, Festen und Bräuchen. Alle in einer einheitlichen Technik dargestellt, die gar das Buch zu einem Kunstwerk machen.

Seniorweb: Gret Zellweger, Du hast 75 Blätter geschaffen, für jedes Lebensjahr eines. Nach welchen Kriterien hast Du die Motive ausgewählt?

Gret Zellweger: Das sind Motive aus Kunst, Kultur, Sport und Natur. Alles, was ich in den letzten Jahren so verarbeitet habe, was für mich wichtig ist und für mich stimmt.

Hast Du mehrere Jahre lang immer wieder am Projekt gearbeitet oder es in einem Zug geschaffen?

Nicht mehrere Jahre, aber sicher über ein ganzes Jahr. Das eine Bild hat nach dem nächsten gerufen. Und daraus ist dann diese ganze Wand entstanden, an der die Bilder in der Ausstellung gezeigt werden.

Gret Zellweger in ihrem Arbeitszimmer. Foto: Timo Züst, Tüüfner Poscht

Du hast für die Blätter Monotypietechnik angewendet. Monotypie ist ein Druckverfahren, bei dem von jedem Sujet immer nur ein Exemplar gemacht wird. Die farbigen Sujets werden auf eine harte Platte aufgetragen und dann auf dünnes Papier kopiert. Ist es das erste Mal, dass Du mit dieser Technik arbeitest?

Die Technik stimmt so nicht ganz. In diesem Fall habe ich auf verschiedene schöne, grossenteils handgeschöpfte Büttenpapiere farbige Monotypiegründe gemacht. Davon gibt es jeweils nur ein Stück. Für diese Arbeit habe ich alle Papiere im gleichen Format bearbeitet. Auf einem Lithostein habe ich die Druckfarben ausgerollt und dann auf einen Holzblock übertragen und davon einen Handabzug gemacht. Anschliessend habe ich mit handgeschnittenen Papierschablonen die Sujets – negativ oder positiv – auf diese Monotypiegründe aufschabloniert.

Die Monotypietechnik habe ich schon öfters gemacht, wenn ich nach Handabzügen von Holzschnitten den Lithostein schon eingefärbt hatte, das ist dann eine etwas andere Art. Man sieht sie im Buch auf den Seiten 158 und 159.

Eignen sich die vielen Appenzeller Szenen und Motive, die vielen Menschen, Tiere und Volksbräuche besonders gut, um mit dieser Technik umgesetzt zu werden?

Andere Sujets würden sich ebenso gut eignen. Zum Beispiel: Handwerk, Brauchtum von Irgendwo oder auch ungegenständliche Motive wären spannend. Aber für mich liegen diese Appenzeller Motive am nächsten.

In der Einleitung zum Katalog schreibt der Landamman von Appenzell Ausserrhoden, Alfred Stricker, Du seiest «für Ausserrhoden, ja, für das ganze Appenzellerland eine wertvolle Botschafterin». Was trägst Du aus dem Appenzellerland in die Welt hinaus?

Ich versuche das urtümliche appenzellische Gedankengut, das hoffentlich noch lange erhalten bleibt, in einer zeitgemässen Darstellung zu verarbeiten. Eine Bearbeitung, die verstanden wird. Eine Sicht auch, die Freude bereiten soll und nicht nur Probleme darstellt.

Und wie haben Deine Reisen Deine Sicht aufs Appenzellerland verändert?

Positiv! In vielen, vor allem ländlichen Gegenden könnten Kunst und Kultur mit den dortigen Begebenheiten ebenfalls auf diese Weise umgesetzt werden. Das wird auch gemacht, etwas anders, aber auch gut. Das gäbe sehr interessante Erfahrungen.

Andere Länder, andere Sitten, vor allem in der Volkskunst sind Gemeinsamkeiten festzustellen. Das waren auch meine Erfahrungen bei meinem Aufenthalt als «Artiste in Residence» der Ausserrhoder Kulturstiftung in Polen 2018.

Was sind Deine nächsten Pläne?

ich möchte auf die Finissage meiner Ausstellung im Zeughaus Teufen mit einer speziellen Arbeit einen markanten Schlusspunkt setzen, daran arbeite ich.


Die Ausstellung «Gret Zellweger 75» kann voraussichtlich ab Ende Januar bis zum 11. April 2021 im Zeughaus Teufen/AR besichtigt werden. Alle Infos unter https://zeughausteufen.ch/wechselausstellung/gret-zellweger/  Das Buch ist im Appenzeller Verlag, Schwellbrunn, erschienen: https://www.verlagshaus-schwellbrunn.ch/shop/gret-zellweger-1425.html

 

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