FrontKulturSRF KULTUR auf Abwegen

SRF KULTUR auf Abwegen

SRF KULTUR galt einst als Aushängeschild für höhere Ansprüche gegen den trivialen Mainstream. Nun wird die Sparschraube so rigoros angezogen, dass es für viele Gefässe ums Überleben geht. Muss das sein?

„Das Medienunternehmen SRG ist dem Service public verpflichtet. Es ist ein Non-Profit-Unternehmen im Dienst der Allgemeinheit und verfolgt keinen Gewinnzweck. Sie finanziert sich zu 78 Prozent über Gebührengelder und ist dadurch finanziell und politisch unabhängig. Der Jahresumsatz beträgt rund 1,5 Milliarden Franken. 78 Prozent der Einnahmen stammen aus den Empfangsgebühren und 22 Prozent aus kommerziellen Einnahmen sowie aus weiteren Erträgen wie beispielsweise dem Verkauf von Sendungen an andere Radio- und Fernsehveranstalter.“

So weit, so gut. Dass der SRG seit Jahren Werbeeinahmen wegbrechen und ihr ein steifer Konkurrenzwind entgegenbläst (wie übrigens auch fast allen Printmedien), ist nicht zu negieren. Doch Generaldirektor Gilles Marchand und Jean-Michel Cina, Verwaltungsratspräsident der SRG, schnürten trotz klarem Nein zur Billag-Initiative in voreiligem Gehorsam bereits 2018 ein Sparpaket von 100 Millionen, das nun ausgerechnet im Kulturprogramm empfindliche Bremsspuren hinterlassen wird. Dass auch das Versprechen abgegeben wurde, die Ausgaben für Schweizer Serien und Filme zu erhöhen, also dem Mainstream Konzessionen zu machen, hinterlässt einen schalen Geschmack, denn mehrheitsfähig war die Kultur noch nie.

Marchand und Cina im Früjahr 2020 zur aktuellen Lage: „Die Schweiz erlebt eine der schwersten Krisen ihrer Geschichte. Die SRG begegnet ihr, indem sie der Bevölkerung ihren besten Service public bietet – und das selbstredend unter schwierigen Bedingungen. In Anbetracht der aktuellen Krise hält die SRG mehr denn je an ihrer Strategie und an ihrer «Raison d’être» fest: Sie bietet Qualitätsjournalismus in allen vier Landessprachen. Sie investiert in das kulturelle Schaffen. Sie vereint das Publikum mit Unterhaltungs- und Begegnungsformaten, die in Einklang mit dem Service-public-Auftrag stehen.“ Die Botschaft hörte ich wohl. Allein war das mehr als ein Lippenbekenntnis zur Kulturpflege?

 Mit dem Rasenmäher durch die Kultur-Sparte

Was bedeutet das nun für die Kultursendungen? Das beliebte werktägliche „Kontext“-Feuilleton muss 20 Prozent einsparen und die Literaturredaktion verliert 150 Stellenprozente. SRF bietet nur noch knapp 9 Vollzeitstellen an, um die verschiedenen Angebote fürs Radio, die Onlineplattformen und fürs Fernsehen zu gewährleisten. Aderlass gibt es auch bei «DOK», der Sendeleiste «Sternstunde», im Musikjournalismus und beim Hörspiel. Leider müssen auch die Literatursendung «52 beste Bücher» sowie die Religionsgefässe «Zwischenhalt» und «Blickpunkt Religion» ihre Segel streichen – Proteste hin oder her.

 SRF-Kulturchefin Susanne Wille

Etwas seifig lässt SRF verlauten, dass in einer vertiefenden Marktstudie die Bedürfnisse des «literaturaffinen Publikums» abgeklärt werden sollen: «Nach Vorliegen der Ergebnisse startet der Kreativprozess für ein neues Literaturformat.“ Glauben macht selig. Es sind halt einmal mehr die Minderheitensparten, welche über die Klingen springen müssen. Weshalb für die junge Zielgruppe auf Plattformen wie Instagram neue Angebote geschaffen werden sollen, erscheint schleierhaft. Verzettelung statt Konzentration? Alle Altersgruppen mit der Giesskanne bei der Stange halten?

Früher war die SRG lange eine reine Männerbastion. Nun, da die Chefposten mit Nathalie Wappler (SRF-Direktorin), Susanne Wille (SRF-Kulturchefin) und Barbara Gysi (Leiterin Radio SRF2 Kultur) weiblich besetzt sind, hätte man sich gewünscht, sie würden sich dem männlichen Credo mit gestärktem Selbstbewusstsein widersetzen. Diese Hoffnung war wohl etwas naiv.

 Wann macht der Kulturplatz wieder der Kultur Platz?

Auch das Wochenmagazin „Kulturplatz“ muss sparen und „Form und Konzept weiterentwickeln.“ Das scheint auch bitter nötig, denn die Esoterik-Schiene, auf der die Moderatorin Eva Wannenmacher in letzter Zeit wandelt, hat einiges Stirnrunzeln ausgelöst. In der Zürcher Sternwarte ist sie mit der Astrologin Alexandra Kruse sterndeutend ins „Wassermannzeitalter“ und damit vom „Erdreich ins Luftreich“ eingetaucht. Da Wannenmacher als Coach auch privat spirituelle Dienstleistungen auf Online-Foren anbietet, vermengen sich öffentliche und private Interessen auf delikate Weise. Kritisch äusserte sich dazu auch der Kulturplatz-Leiter Rajan Autze. Das Gespräch habe die angestrebte inhaltliche Auseinandersetzung mit Astrologie nicht erfüllt. 

Noch weniger goutierbar erwies sich ihr kürzlicher Kulturplatz über „weibliche Ermächtigung“ mit der freizügigen Künstlerin Talaya Schmid, welche zum gemeinsamen Masturbieren einlud.  Ja, Sie lesen richtig. Die Moderatorin warb im Trailer wie folgt für die Sendung:«Talaya, wir werden nachher zusammen masturbieren, dann können wir uns ja auch Du sagen.» 120’000 Zuschauerinnen und Zuschauer waren mit dabei, ein Viertel mehr als sonst. Da ist die Rechnung ja aufgegangen. Die Einschaltquote war schon immer das Mass aller Dinge. Auf Wannenmachers Website konnte dazu gelesen werden: «Ich unterstütze dich darin, alte Bilder loszulassen und damit ganz in deine weibliche Kraft zu kommen. Ich weiss um geeignete Hilfsmittel. Wecke die Göttin in dir!» Vielleicht sollte man den Rotstift vorerst hier etwas rigoroser ansetzen.

7 Kommentare

  1. Hallo, andere Sender in unserer Umgebung stocken Ihr Kulturprogramm auf und haben Erfolg damit. Alles ins Netz zu verschieben ist einfach kuzsichtig. Wie man weiss wird SRG im grpssen und ganzen von Kulturinstressierten Leuten gesehen und gehört. Die Jugend bis zu 49 Jahren hats sich vor Jahren schon andere Kanäle geucht und diese auch gefunden. Sber genauso wie jetzt die «Insassen» in den Altersheimen betreff Impfung behandelt werden und auch die anderen Riskikogruppen so benimmt sich die SRG. Ich freue mich sehr das mehr Frauen im Kader sitzen, das hätte schon lange passieren sollen, aber das diese sich wirklich so benehmen wir Ihre früheren «Machokollegen» finde ich bedenklich. Als Medienscffender kann ich mich gut ersinnern wie es zu gegangen ist als man die so genannte «Discothek» im TV Studio einfach weggeworfen hat (Tausende Tonträger und Bänder wurden einfach weggeschmissen und erklärt, das alles könnten die Redaktoren selbst stemmen mit der richtigen Musikunterlage zu Ihren Beiträgen) Also die Reduzierung des Personals ist nicht neu.
    Es ist eine Schande für das Kulturland Schweiz das Sendungen von den ich weiss wie die Sternstunde regelmässig gehört und gesehen werden. Seit Jahren gibt es keine Theaterübetragungen, obzwar die Schweizer Bühnen regelmässig zum Theatertreffen in Berlin eingeladen werden (Diese Produktionen müssen einem doch nicht gefallen) aber Sie gehören auch ins Programm der SRG) Jetzt in Streaming Zeiten merkt man ja wieviele Leute diese Übertragungen wegen des Mangels an offenen Bühnen und KInos «Gestreamt werden».
    Wenn man dies in Radio und Fernsehen weiterverfolgen würde hätte man zusätztlich viel mehr Zuschauer. Private oder Kulturinstitute haben das begriffen, der SRG nicht.
    Neuausrichten ok, aber im Sinne der Menschen und nicht nur des Geldes, ich glaube nicht das der Staats zu grunde gehen würde, wenn man ein stimmiges Nebeneinander und Qualität an erste Stelle setzen würde und nicht Proftgedanken. Bei allem hin und her un Umstellungen und Neuordnung wird dessen angesicht sicher klar werden das Kultur Geld kostet und in den seltenen Fällen übermässigen finanziellen Profit erbringen würde. ASber die Sklaven des Mammon inn den Chefetagen haben das noch nicht erkannt.

    • Wie es einem «angeblichen» Medienschaffenden gelingt, in einem Text mit 29 Zeilen, nahezu in jeder Zeile einen Schreibfehler unterzubringen ist mir ein Rätsel. Da helfen wohl mehr Kultursendungen auch nichts.

  2. SRF bekommt jährlich Hunderte von Millionen Franken damit Radio- und Fernsehsendungen produziert werden. Die Verantwortlichen entscheiden danach, wofür das Geld ausgegeben wird. Einer der teuersten Brocken ist der Sport, mit Übertragungsrechten und enorm vielen Sendungen die hierfür gemacht werden. Wenn es wichtig ist, dass das Fussballspiel Vaduz gegen Servette Genf übertragen wird, dann muss an anderen Orten das Geld gestrichen werden. Und da wir Konsumenten das auch gut finden, dass wir rund um die Uhr Tennis und somit RF sehen können, werden eben echte Kultursendungen gestrichen. Jammern bringt da nichts!

  3. SRF digital – was soll das ?
    SRF 2 ist KULTUR und zwar akustisch. Leider hat die neue Chefin von SRF (wahrscheinlich) die Nase vorn und möchte fortschrittlich sein, aber bitte nicht mit dem gestopften Koffer voll Sendungen, die man «später» nachhören kann. Aber das will ich nicht. Ich will im Programm Sendungen «einplanen» und zum
    angegebenen Zeitpunkt auch hören können. Dass CORONA einiges verunmöglicht, ist klar.

    Ich wünsche mir auch Sprecher/Sprecherinnen, die ein gut verständliches Deutsch sprechen und zwar
    in einer Geschwindigkeit, der «alte» Ohren auch folgen können. Schulen Sie die Sprecher/innen über-
    Haupt ? Als Lektor in der Kirche weiss ich, wovon ich rede.

    Zwei Vorschläge, die zu verbessern, einen rechten Aufwand bedeuten. Aber sie sind nötig, nicht erst
    in Zukunft, sondern SOFORT.

    Ich freue mich, wenn Sie auf Hörer-Ideen reagieren (mündlich oder schriftlich).

    Beste Grüsse
    Andreas Courvoisier, Baden

  4. SRF digital – was soll das ?
    SRF 2 ist KULTUR und zwar akustisch. Leider hat die neue Chefin von SRF (wahrscheinlich) die Nase vorn und möchte fortschrittlich sein, aber bitte nicht mit dem gestopften Koffer voll Sendungen, die man «später» nachhören kann. Aber das will ich nicht. Ich will im Programm Sendungen «einplanen» und zum
    angegebenen Zeitpunkt auch hören können. Dass CORONA einiges verunmöglicht, ist klar.

    Ich wünsche mir auch Sprecher/Sprecherinnen, die ein gut verständliches Deutsch sprechen und zwar
    in einer Geschwindigkeit, der «alte» Ohren auch folgen können. Schulen Sie die Sprecher/innen über-
    Haupt ? Als Lektor in der Kirche weiss ich, wovon ich rede.

    Zwei Vorschläge, die zu verbessern, einen rechten Aufwand bedeuten. Aber sie sind nötig, nicht erst
    in Zukunft, sondern SOFORT.

    Ich freue mich, wenn Sie auf Hörer-Ideen reagieren (mündlich oder schriftlich).
    Ich habe noch nie diesen Blog benutzt. Wenn andere ähnliche Kommentare schreiben, umso besser !

  5. Einmal mehr hat Herr Auchter den Nagel auf den Kopf getroffen mit seinen Gedanken zur Kultur und zum SRF. Kultur unterscheidet uns Menschen von anderen Lebewesen. Sie ist sinnstiftend und gerade in dieser Zeit unabdingbar. Die einseitige Einfraushow von Frau Wannenmacher ist aber nicht mehr zu überbieten und deshalb ist es nicht schade, wenn allenfalls die Sendung weggespart wird.
    Für die Kultur im Allgemeinen ist es aber ein Jammer.

  6. A. Courvoisiers Kommentar kann ich nur zustimmen, sowohl was das Abschieben von Sendungen ins «Nachhören» betrifft wie auch Sprechtempo und -deutlichkeit.
    Wegen der Alterspyramide wächst der Anteil von Mitmenschen, die ein Hörgerät benötigen (würden). Trotz Gerät versteht man nicht jede Silbe und ist fürs Interpolieren auf gewohnten Sprachrhythmus und gewohnte Intonation angewiesen. Darum sind speziell SprecherInnen, die nicht von einem süddeutsch-/schweizerischen Dialekt her kommen, gebeten, einwandfreies, bis zur letzten Nebentonsilbe artikuliertes Bühnendeutsch zu sprechen. Danke!

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