FrontKultur«Der Welt gegenüber. Landschaftsräume»

«Der Welt gegenüber. Landschaftsräume»

Wie treten wir zu unserer Aussenwelt in Bezug?  Die Ausstellung in der  Kunstplattform akku in Emmen LU thematisiert die existenzielle Frage mit Werken von fünf Kunstschaffenden.

Die Ausstellung «Der Welt gegenüber. Landschaftsräume» vereint fünf zeitgenössische Positionen, die sich durch einen besonderen Blick auf die Welt auszeichnen. Sie reagiert auf ihre Umgebung, auf die Landschaft, auf äussere und aus dem Inneren geschöpfte Räume und bieten uns mit ihren Bildwelten die Möglichkeit, der Welt für einen Moment gleichsam gegenüberzustehen.


Jeroen Geel, Durchblick, 2002, Öl auf Holz

Drei Hauptausstellungen wird es 2021, in diesem weiteren Übergangsjahr, in der akku Kunstplattform geben. Zusammen decken sie die drei Gattungen Landschaft, Stillleben und Porträt ab. Die Auftaktausstellung mit Gemälden, Zeichnungen und Fotografien widmet sich der Landschaft. Sie zeigt fünf zeitgenössische Positionen, mit einem je eigenen Blick auf die Welt.

Mit Jeroen Geel (geboren 1976), Monika Müller (geboren 1969) und Andri Stadler (geboren 1971) sind drei Kunstschaffende aus Luzern vertreten. Dieser regionale Horizont weitet sich mit der in Berlin und Solothurn lebenden Künstlerin Esther Ernst (geboren 1977) und dem in Burgdorf arbeitenden Maler und Zeichner Heinz Egger (geboren 1937).


Monika Müller, (die) Welt (als geordnetes Ganzes) IV ERDE 2020, Graphit auf Papier

Im Mittelpunkt stehen Landschaftsdarstellungen – Waldausschnitte, unbestimmte Räume ebenso wie durchwanderte Gebiete und kartografierte Eindrücke. Die Gemälde, Zeichnungen und Fotografien zeugen von der Suche nach Übergängen und dem Wunsch nach Verortung, machen die Kraft der vier Elemente sichtbar und zeigen den Versuch, die Welt begreifen zu wollen. Die Bilder sind dabei immer auch Übersetzung, Interpretation und Abstraktion «der Welt gegenüber».


Esther Ernst, Taubenloch, 2017, Bleistift, Buntstift, Tusche auf gefaltetem Papier

Die existenzielle Frage hat in den letzten Monaten zusätzliche Bedeutung gewonnen. Zuletzt stand der Ausstellungstitel fast als Metapher für die aktuelle Lage, stellte sich doch beim Blick aus dem Fenster manchmal tatsächlich das Gefühl ein, «der Welt gegenüber» zu sein. Auch ohne die durch die Pandemie bedingten Erfahrungen lässt sich darüber nachdenken. Die gezeigten Bildwelten ermöglichen uns, der Welt gleichsam gegenüberzustehen. Sie funktionieren als Fenster nach draussen.


Esther Ernst, Anlandungen, 2016-2017 ,9-teilige Serie

Die Künstlerin Monika Müller verweist mit ihrer Wandzeitung auf eine Form, der Welt gegenüberzustehen, nämlich beim täglichen Aufschlagen der Zeitung, wo wir in Bild und Text mit den regionalen und globalen Geschehnissen konfrontiert werden. Die für diese Ausstellung entwickelte Wandzeichnung gehört zur Serie (die) Welt (als geordnetes Ganzes), der sich Monika Müller seit vielen Jahren widmet. In diesem als Erinnerungsarchiv konzipierten Langzeitprojekt konzentriert sie sich auf Bilder aus der Presse, die sie nach thematischen Schwerpunkten auswählt und ordnet.

Im grossen Ausstellungsraum steht das Bild «Durchblick» von Jeroen Geel programmatisch für die Ausstellungsidee, der Welt gegenüberzustehen: Die beiden Hände (es sind die des Künstlers) dienen der Orientierung und werden dazu eingesetzt, den Bildausschnitt festzulegen und einen Bildraum zu schaffen. Sie werden selbst zum Motiv und treten gleichzeitig in Konkurrenz mit dem eigentlichen Bildthema, dem Luzerner Hausberg Pilatus, der, wie auf dem Bild zu sehen, ständigen Witterungskräften ausgesetzt ist.

Im Kabinett lässt sich die Welt von Esther Ernst entdecken. Seit vielen Jahren ist es in erster Linie das Papier, das ihr als Bühne dient, auf dem sie als Geschichtenerfinderin agiert und Beobachtungen in eigenwilliger Weise dokumentiert. Ihren Zeichnungen ist eine narrative Qualität eigen.

Die beiden Fotografien von Andri Stadler ziehen die Blicke an. Seit 2018 überquert er für sein fotografisches Projekt «Übergang-Passagi» mit seinem mobilen Atelier grössere und kleinere Pässe des Alpenhauptkamms. Die Berggänge interessieren ihn dabei nicht nur in geografischer und kultureller Hinsicht, es sind auch die alpinen Landschaften und die dort herrschenden Naturgewalten.

An der langen Wand sind  kleinformatigen Malereien und eine grossen Zeichnung von Heinz Egger ausgestellt. Seine Bilder sind verdichtete Erinnerungen, aus dem Inneren geschöpfte Räume, Fragmente von Landschaften, Gelesenem und Gesehenem und bewegen sich in einem Schwebezustand zwischen Licht, Dunkelheit und Dämmerung.


Aussergwöhnlich maskierter Besucher war von der Ausstellung begeistert

Auf den rot gefassten Wänden gibt Monika Müller Einblick in ihr Projekt (die) Welt (als geordnetes Ganzes), Zyklus IV. 2020 begann sie mit dem vierten Zyklus, der den vier Elementen Erde, Feuer, Wasser, Luft gewidmet ist. Wie bei den vorhergehenden Zyklen steht auch hier das  Weltgeschehen, stehen Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Natur im Zentrum.

Dies ist die letzte Ausstellung der Gastkuratorin Patricia Bieder. Danach wird sich Bieder wieder ganz auf ihre Arbeit am Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA) konzentrieren.

Ausstellung in der akku Kunstplattform in Emmenbrücke: «Der Welt gegenüber. Landschaftsräume. Heinz Egger, Esther Ernst, Jeroen Geel, Monika Müller, Andri Stadler». 6. März bis 25. April 2021. Geöffnet Fr/Sa 14–17 Uhr sowie So 10–16 Uhr. www.akku-emmen.ch

Fotos: Josef Ritler

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