FrontKulturDas Juwel am See ist zurück

Das Juwel am See ist zurück

Nach vier Jahren mustergültiger Sanierung und einem Kostendach von 240 Millionen konnte ein Medienrundgang einen in Staunen versetzen. Zürich aufersteht mit dem weltberühmten, originalgetreu restaurierten Tonhallesaal und einem Kongresszentrum in Hightech-Qualität zu neuer Blüte.

Da gab es auch unvorhersehbare und vertrackte Momente zu überstehen: Überraschungen wegen instabilem Baugrund, Planungsdefizite, Verzögerungen durch mannigfache Umstände, eine bedrohliche Kostenspirale und dann auch noch die Pandemie. Doch nach der erneuten Verschiebung vom Frühjahr in den Frühherbst 2021 ist es nun soweit: Kongresshaus und Tonhalle Zürich laden am 4. und 5. September zu stündlichen Rundgängen, und am 15. und 16. September fiebert das Tonhalle-Orchester zur Saisoneröffnung dem magischen Klang des Prachtsaals entgegen.

Blick in den entstaubten und dem Original angenäherten grossen Tonhallesaal / Foto © Georg Aerni

„Bereit für die Stadt, bereit für die Welt.“ So begrüsst uns die Geschäftsleitung der Tonhalle-Gesellschaft unter ihrer Intendantin Ilona Schmiel mit berechtigtem Stolz. Während es bis zum 2. Juli mit Perlen und Rosinen von der Tonhalle Maag definitiv Abschied zu nehmen gilt (die Schliessung ist allerdings kein Ruhmesblatt für die Finanzmetropole Zürich), hat das Kongresshaus bereits Fahrt aufgenommen und kündigt für den August eine erste Grossveranstaltung an. Der Gebäudekomplex Kongresshaus-Tonhalle bezeichnet sich als eine „Ikone der Schweizer Architektur und ist entsprechend von nationaler Bedeutung“. Der Architekt Roger Diener befasst sich schon fast zwei Jahrzehnte mit dem Kongresshaus Zürich und fasst zusammen: „Das Kongresshaus Zürich war bei seiner Eröffnung im Jahr 1939 ein wunderbar beseeltes Bauwerk. Diese Festlichkeit ging noch viele Jahre später von ihm aus – und war unserer Arbeitsgemeinschaft massgebendes Anliegen bei der Gesamterneuerung. Neu und Alt sind dabei nicht erkaltet, sondern wirken wieder stimmungsvoll heiter. Die reichen Motive, die Haefeli, Moser und Steiger 1939 für das Kongresshaus entwickelten, sind in anderer Form auch in den neuen Sälen wiederzufinden. Das Haus ist wieder ein Ganzes – und die Verbindung von alten und neuen Teilen von Kontinuität geprägt.“ Eine neuzeitliche Event-Technologie und Klimaneutralität schliessen sich nicht aus. Und das Zuhause des Tonhalle-Orchesters wurde vom Zuckerguss, von gleissendem Goldkitsch und das Gesamtbild störender Figurinen vergangener Überholungen achtsam befreit.

Die Kantonale Denkmalpflege hat mit ihrem Projekt «Restauro» neue Massstäbe gesetzt / Foto © Urs Sigenthaler

Verantwortung vor dem Erbe, Sorgfalt und Weitsicht haben die Denkmalpflege und das Architekten-Team zu einem Schulterschluss veranlasst, der Dank und Respekt verdient.  Die historische Rückbesinnung geht aber einher mit modernster Technik, die den Begegnungsort auch klimaneutral bedient. Und der Grosse Tonhallesaal „offenbart eine exzellent restaurierte Ästhetik und einen wunderbaren, warmen und differenzierten Klang“, so Ilona Schmiel, nachdem sich das Orchester mit ersten Beschallungen bereits davon überzeugen konnte.

Der Kongresshaussaal: schonend saniert, mit Hightech gerüstet für Bedürfnisse aller Art

Das Schlusswort gehört Corinne Mauch, Stadtpräsidentin von Zürich: „Tonhalle und Kongresshaus sind für Zürich von grosser kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung. Und ich bin überzeugt, dass das offenere und grosszügigere ‚neue alte‘ Gebäudeensemble noch deutlich verstärkt zu einem wichtigen Begegnungsort in unserer Stadt werden kann.“

Wer seinen Blick von der neu geschaffenen Terrasse, die vom Foyer aus direkt zugänglich ist, über See und Alpen schweifen lässt, der darf ruhig etwas ins Schwärmen geraten: Zürich ist ein echter Wurf gelungen.

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