FrontKulturKunst kann alles sein

Kunst kann alles sein

Sie oszilliert zwischen Grafik, Fotografie, Performances, Installationen, Film und Musik, engagiert sich für den Frieden und die Frauen – Yoko One, die japanisch- amerikanische Kunstschaffende, lässt sich nicht in ein Format pressen. Im Kunsthaus Zürich ist eine Annäherung gelungen.

Yoko Ono – ist das nicht die im Bett mit John Lennon?, fragen sich Ältere. Jüngeren kennen sie als kleine Frau mit grossem schwarzem Hut und ebensolchen Brillengläsern. Dabei war die Ehe mit dem Musiker nur eine Station im reichen Leben und Schaffen der vielseitigen Künstlerin. Und die Annahme, sie sei nur dank dem Beatleskontakt zu d e r Yoko Ono geworden, ist völlig falsch. Vielmehr war es wohl eher sie, die Lennons Profil schärfte, vor allem politisch.

Blick in die Ausstellung «Yoko Ono. This room moves at the same speed as the clouds».

Schon sehr früh suchte die mit ihrer Familie 1952 in die USA eingewanderte junge Japanerin einen Weg, ihre Ideen und Anliegen in performative Formate umzusetzen. Sie machte sich in New York einen Namen als Mitglied der international vernetzten Fluxus- Bewegung, die sich der Aktions- und Konzeptkunst verschrieb und, wie der Dadaismus, sich vom etablierten Kunstverständnis abgrenzte.

Die Performance «Cut Piece» brachte 1964 für Yoko Ono den Durchbruch in New York. Die Bilder, wie der Künstlerin von fremden Personen die Kleider Stück um Stück vom Körper geschnitten werden, bergen eine seltsame Poesie.

Ihr Durchbruch kam mit «Cut Piece», einer 1964 erstmals gezeigten Performance, bei der sie sich die Kleidung stückweise vom Leibe schneiden liess. Der Film dieser, auch als feministisches Manifest verstandenen Kunstaktion, eröffnet in Zürich bildlich gesehen die Ausstellung. Es ist kein voyeuristisches Zeitzeugnis, sondern eine fast poetische Abfolge von Manipulationen am unbeweglichen Körper der jungen Künstlerin. Sie selber bleibt unbeteiligt, ihr schönes Gesicht ausdruckslos.

Mit rund 60 Arbeiten auf Papier, Skulpturen, Installationen, Performances, mit Filmen und Musik hat die Kunsthaus-Kuratorin Mirjam Varadinis in Zusammenarbeit mit Yoko Ono und deren langjährigen Kurator Jon Hendricks unter dem Titel «This room moves at the same speed as the clouds» eine Ausstellung konzipiert, die die Vielseitigkeit und den Geist von Yoko Onos Schaffen würdigt. Es ist die erste Einzelausstellung im Chipperfield-Bau des Kunsthauses und das erste Mal, dass die Werkschau der Künstlerin in einem grossen Schweizer Museum gezeigt wird.

Erinnerungen an die Zeit, als Yoko Ono und John Lennon das skandalträchtigste Liebespaar waren.

Natürlich darf in der Ausstellung eine Foto- und Videowand mit den Erinnerungen an ihre Ehe, die sie nach zwölf Jahren zur «Witwe Yoko Ono» machte, nicht fehlen und die Mahnung «Give peace a chance» ist ja aktueller denn je.

Herzstück der Ausstellung ist die Originalausgabe der «Instructions», der in einem kleinen Buch zusammengefassten Anweisungen, wie mittels einfacher Manipulationen jeder Mensch den Künstler in sich wecken kann. «Grapefruit» heisst das Bändchen. Grapefruit, weil sich Yoko Ono dieser Frucht, einem Hybrid zwischen Orange und Zitrone, verwandt fühlt, oszillierend zwischen Asien und Amerika, Ost und West, zwischen Bildender Kunst, Performance und Musik.

Teaserbild: «Sky Piece to Jesus Christ». (Alle Bilder zur Verfügung gestellt von Kunsthaus Zürich)

Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich findet bis zum 29. Mai statt. Es wird ein breites Rahmenprogramm geboten. www.kunsthaus.ch

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