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David Hockney. Moving Focus

Das Kunstmuseum Luzern feiert den Superstar David Hockney mit seinem ersten grossen Schweizer Auftritt. Der stets neugierige Lebenskünstler lehrt uns das Schauen neu.

David Hockney gehört zu den prominentesten Künstlern der Gegenwart. Mit «Moving Focus» widmet das Kunstmuseum Luzern dem 84-jährigen eine umfassende Retrospektive. Die Kunstmuseumsdirektorin und Kuratorin  Fanni Fetzer bezeichnet David Hockney als «einflussreichsten britischen Künstler der Gegenwart.»


The Arrival of Spring in Woldgate, East Yorkshire in 2011. Öl auf Lerinwand, 32-teilig

Eines der Highlights ist das monumentale, naturalistisch gemalte Landschaftsbild «Bigger Trees near Water». Es besteht aus 50 Leinwänden und ist 12 Meter lang. Im Kunstmuseum musste dafür extra eine Museumswand eingerissen werden, um das monumentale Werk zu zeigen. Und so entstand das Bild: Während Wochen fährt der Künstler zwischen dem Atelier und dem Waldstück hin und her und bearbeitet jeweils sechs bis zehn Leinwände gleichzeitig.


Fanni Fetzer erklärt das grosse Bild: Bigger Trees near Warter or/ou Peinture sur le Nouvel  Age Post-Photographique, 2007

Um den Überblick zu behalten, fügt David Hockney die Bilder am Computer zusammen, ebenfalls eine mehrteilige Landschaftsansicht zeigt einen zauberhaften Wald, der das Publikum mit bunten Blättern und Rankengewächsen empfängt.


My Parents, 1977, Öl auf Leinwand, Tate: Erworben 1981

Die beschwingte Darstellung erinnert an Comics und nimmt Hockneys spätere iPad-Zeichnungen vorweg, die als Videoanimation präsentiert werden. Zu sehen sind auch Hockneys ikonische Poolbilder, seine Porträts von Freund:innen und Familie, darunter das berühmte Elternporträt , sowie zwei frühe Serien mit Radierungen: (Der Werdegang eines Wüstlings), inspiriert von William Hogarth und  deren Veröffentlichung mit der Entkriminalisierung der Homosexualität in Grossbritannien zusammenfällt.


California Copied from 1965 Painting in 1987, Acryl auf Leinwand. Los Angeles Country Museum of Art, Schenkung des Künstlers

David Hockneys Fokus steht selten still: Er probiert stets neue Stile aus und fordert unsere Sehgewohnheiten heraus. Ein Zitat von ihm: «Sie müssen nur hinschauen, die Welt, in der wir leben, ist atemberaubend schön». Schon als Kunststudent hatte er sich einen Zettel ans Bett gehängt auf dem stand: «Steh auf und arbeite hart.» Das war sein Mantra.


Man in Shower in Beverly Hills, 1964, Acryl auf Leinwand. Tate: Erworben 1980

In Anlehnung an Picassos Kubismus verwandelt sich der Laubengang des Hotels Acatlán in Mexico in eine verschachtelte Ansicht, in der gleichzeitig verschiedene Fluchtpunkte anvisiert werden.


George Lawson and Wayne Sleep, 1972-1975

Seit über fünfzig Jahren arbeitet die Tate in London mit David Hockey zusammen. Die Direktorin Dr. Maria Balshaw schreibt im Vorwort des Ausstellungskatalogs:

«Anfangs der 1960er-Jahre platzte David Hockey in die britische Kunstszene als Teil einer jungen, radikalen Künstlergeneration, die eine neuartige, figurative Bildsprache entwickelte. Aufgewachsen in einer Zeit der Entbehrungen und im Bestreben, ein «moderner» Künstler zu werden, entwickelte Hockey einen einzigartigen, ganz persönlichen Stil – in innovativen Bildern, die Zitate aus der Kunstgeschichte, Literatur und zeitgenössischen Kultur in sich vereinen, setzte er sich intensiv mit seiner Identität und seinem Umfeld auseinander.»


Caribbean Tea Time 1987

Berühmt geworden ist David Hockney schliesslich in Los Angeles mit unbeschwerten Poolbildern und im darauffolgenden Jahrzehnt mit lebensgrossen Doppelporträts.

Die Retrospektive ist die erste umfassende Ausstellung des Künstlers in der Schweiz und vereint über 120 Arbeiten: Malereien, Zeichnungen, Druckgrafiken und digitale Arbeiten von 1954 bis heute. Von seinen Anfängen als Kunststudent in London bis hin zu seinen neuesten i-Pad-Zeichnungen zeigt sie Hockneys Freude am künstlerischen Experiment und seine lebenslange Faszination für die Perspektive.


Woman with a Sewing Machine, 1954

Mit «David Hockney. Moving Focus» setzt das Kunstmuseum Luzern seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Tate fort. Zu sehen sind zudem bedeutende Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen in Europa und Nordamerika.
Die Ausstellung, die bis 30. Oktober dauert, wurde von Fanni Fetzer und Helen Little kuratiert.
Titelbild: David Hockney
Fotos: Josef Ritler

 

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