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Hopp Schwiiz!

Der Schweizer Radsport hat viele Erfolgsgeschichten zu erzählen: Von der Strasse oder der Rennbahn, aus der Halle oder dem Dreck. Jetzt im Landesmuseum.

Auf Augenhöhe, aber nicht zum anfassen steht Ferdy Küblers Rennvelo zusammen mit anderen – einem von Fabian Cancellara, einem von Jolanda Neff oder auch einem von Querweltmeister Albert Zweifel – in der kleinen aber feinen Ausstellung Räder, Rennen, Ruhm. Radsport Schweiz des Landesmuseums.

«K-und-K-Duell» 1951 bei der Tour de Suisse. Gewinner war Ferdy Kübler.

Ältere Jahrgänge erinnern sich noch lebhaft, als Bub oder Mädchen mit dem eigenen Velo zu jener Hauptstrasse gefahren zu sein, wo kurz darauf die Tour de Suisse vorbeirauschte. Was haben wir Hopp Schwiiz! gerufen, vom ersten Begleitfahrzeug bis zum letzten Rennfahrer. Und den Film über die Rennleidenschaft geliebt: Bäckerei Zürrer mit dem veloverrückten Bäckerssohn Heini, alias Peter Brogle.

Frauenradrennen in Genf, 1950. Seit den 1950er-Jahren gibt es offizielle Frauenradrennen, die erste Tour de Suisse Women startet erst 2021. © Schweizerisches Nationalmuseum

Filme, darunter Wochenschau-Schnipsel, und Fotografien machen neben Velos und Objekten, die zum Radsport gehören, einen guten Teil der Ausstellung aus: Von Beat Breus Sieg auf der Alpe d’Huez 1982 und von den legendären Six Days im Hallenstadion, auch von spektakulären Sprints bei Querfeldein-Rennen oder ebenso spektakulären Nummern beim Kunstradfahren. All das weckt Erinnerungen und fordert zu längerem Verweilen heraus. Wer Glück hat, trifft auf das eine oder andere bekannte Gesicht aus früheren Sportreportagen, denn diese Ausstellung, kuratiert von Jacqueline Perifanakis, bietet auch einem Profi oder Amateur den vertieften Blick in die Geschichte des Radsports.

Warum die Quersaison in der nasskalten Jahreszeit, lange nach den sommerlichen Strassenrennen erst beginnt, erklärt Albert Zweifel, Held der Disziplin: «Weil viele Fahrer aus der Landwirtschaft kamen, musste es nach der Ernte sein.» Zweifel, heute über siebzig, hat in den 70er und 80er Jahren Sieg um Sieg eingefahren, fünfmal wurde er Weltmeister im Radquer und erinnert sich, wie er schwer verletzt oder mit Erfrierungen an den Zehen das Ziel passierte. Sechzehnmal war er bei der Tour de Suisse am Start, vierzehnmal klassiert, auch das ein Rekord. Der Rekord für Weltrekorde im Einzelzeitfahren gehört einem Rennfahrer der späteren Generation, Fabian Cancellara.

Zwei Weltmeister beim Fachsimpeln: Eliane Maggi, einst Kunstrad-Königin, heute Medienfrau und Albert Zweifel unerreichter Querfeldein-Meister in der Ausstellung. © Schweizerisches Nationalmuseum

Ein spezielles Weltmeister-Velo steht zur Begutachtung da: «Keine Bremsen, keine Glocke, keine Schaltung, Starrlauf», fasst Eliane Maggi zusammen, die darauf viele Stunden akrobatisches Kunstfahren ausübte. Sie ist zweifache Weltmeisterin im Kunstradfahren, einmal zugleich mit ihrem Bruder Markus im Jahr 1985. 1988 trat sie vom Spitzensport zurück, weil sie journalistisch schreiben wollte und viele weitere Interessen, darunter auch Bergsteigen, leben wollte.

Zur Hochzeit des Bruders, erzählt sie, habe sie nochmals heftig trainiert und sich an den Beinen riesige Hämatome zugelegt, weil das Gewebe nicht mehr so fest war, wie damals, als 35 Wochenstunden Training sie fit hielten. Aber die Überraschung habe für alle Mühe entschädigt.

Massenreigen, 1930. Der 1916 gegründete Arbeiter-Touring-Bund fördert den Gruppensport. © Schweizerisches Sozialarchiv

Populär war der Radrennsport seit das Fahrrad im 19. Jahrhundert ein schnelles Fortbewegungsmittel für die ganze Bevölkerung geworden war. Vielleicht gar halfen die frühen Strassen- und Bahnrennen dem Sportgerät mit demTempo-Bonus, massentauglich zu werden. Bis heute haben Mechaniker und Ingenieure daran getüftelt und weiterentwickelt, aber der Urtypus des Velos – zwei Räder, ein Rahmen, Lenker und Pedalen – ist derselbe wie je. Auch diese Geschichte ist in der Ausstellung anhand von kleineren und grösseren Objekten sowie Dokumentationen erfahrbar.

Unvergessen nicht nur bei den Alten ist das «K-und-K-Duell», wie Alexander Rechsteiner in seinem Blogbeitrag, die ewige Konkurrenz von Kübler und Koblet bündig bezeichnet. Beide spornten sich zu Höchstleistungen an: Nach dem Sieg der Tour de Suisse und des Giro d’Italia von Hugo Koblet gewann Ferdy «national» Kübler 1950 die Tour de France, und Koblet, der «pédaleur de charme», schaffte ein Jahr später den Ausgleich bei diesem wohl bis heute härtesten Velorennen.

Während Kübler, sehr begabt und sehr fleissig, der Ausstieg aus der Rennwelt mit einem erfolgreichen Einstieg ins Wirtschaftsleben gelang, fand sich der geniale und lebenshungrige Hugo Koblet nicht zurecht und setzte hochverschuldet seinem Leben ein Ende. Er war ein Opfer jener falschen Freunde geworden, denen es ums Geld machen gegangen war. Kommerz, Werbung, Doping sind sehr früh enge Begleiter der Speedrennen geworden und geblieben.

Sechstagerennen, 1968. Bei diesem Rennen soll während sechs Tagen eine möglichst weite Strecke auf der Bahn zurückgelegt werden, dabei lösen sich die Fahrer im Zweier-Mannschaftsfahren ab. © ETH-Bibliothek Zürich / Foto: Comet Photo AG (Zürich)

Attraktiver als Spitzenboxkämpfe waren seinerzeit die Sechstagerennen. Vor allem in Zürich war das Hallenstadion der Begegnungsort, wo man nach der Spätschicht trotz der rigiden Sperrstunden-Regeln noch durchfeiern konnte. Vor allem für die aus dem Seefeld nach Leutschenbach verbannten Mitarbeiter des Schweizer Fernsehens lag dieses Kurzzeit-Nachtlokal vor der Haustüre. Dass da auch Radrennen im Gang waren, störte manche Partygänger nicht.

Das Velo wurde nicht nur ein Vehikel für Einzelsiege auf dem Hintergrund von Konkurrenz und Kommerz, sondern es entwickelte sich auch der Gruppensport auf dem Zweirad, gefördert von Arbeitervereinen. Es entstanden Ballette mit dem Velo; eine in der Schweiz beliebte Hallensportart war Radball, erfunden in New York vom Schweizer Nicholas Edward Kaufmann, und das Kunstradfahren brachte regelrechte Artisten hervor , während das Radquerfeldein, abgelöst durch das für die Beteiligten lukrativere Mountain Bike, an Bedeutung verlor.

Autogramm fürs Museum: Albert Zweifel und Eliane Maggi signieren ihre Konterfeis. © Schweizerisches Nationalmuseum

Aufs Velo setzt sich Zweifel, nach dreissig Jahren in Mallorca seit 2014 wieder zuhause im Zürcher Oberland, auch heute noch regelmässig. Weil er – wie alle damals – sein Rad bei einer Panne während der Rennen eigenhändig flickte, fand er nach dem Rücktritt vom aktiven Rennsport ein Auskommen auf der Balearen-Insel, wo Radsport-Kollege Max Hürzeler die seinerzeit von den beiden aufgebaute Unternehmung für Veloferien noch immer besitzt.

Eine kleine Hall of Fame mit den Berühmtesten des Schweizer Radsports rundet das geschichtsträchtige Velodrom im Landesmuseum ab.

Titelbild: Blick in die Ausstellung © Schweizerisches Nationalmuseum
Bis 16. Oktober
Hier gibt es alle Informationen für den Besuch der Ausstellung «Räder, Rennen, Ruhm. Radsport Schweiz»

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