FrontKolumnenManchmal fragt man sich …

Manchmal fragt man sich …

Gibt es eigentlich noch Korrektorate in den Redaktionen von Zeitungen? So fleissige Frauen und Männer, die jeden Text auf Tippfehler und Ungereimtheiten überprüfen? Ich weiss nicht. Vielleicht sind da bereits Roboter am Werk.

Fangen wir ganz aktuell an. Bei König Charles III in Grossbritannien. Der war ja, man weiss es, seiner ersten Frau nicht ganz treu. Aber was jetzt vermerkt wurde, geht bis in seine Jugendjahre zurück. Bereits als Junge im strengen Internat sei er Opfer von Buhlereien geworden. Als Junge! Und bereits Liebesverhältnisse! Alles ganz anders: Die andern Zöglingen sollen ihn ausgebuht, also «Buh» gerufen haben. Gelitten hat er unter Pöbeleien und nicht unter einer Buhlschaft, wie sie in «Jedermann», dem Theaterstück von Hugo von Hofmannsthal verführerisch auftritt.

Oder dieses Beispiel. Da ist ein kleiner Promi Vater geworden und die Presse bedauert: Abschied vom Tenniestar. Sollte das nicht Tennisstar heissen? Obwohl er keine Bälle schlägt? Oder ist er einfach ein vom Alter und dem Status – Vater! – in die Jahre gekommener Teeniestar? Für den Teenies meist nicht mehr so heftig schwärmen.

Ja, manchmal fragt man sich – ob die schreibende Zunft sich auch mal vorstellt, was sie da in die Tasten haut? Mais- und Sonnenblumenfelder türmen sich rechts und links auf. Wer hat schon mal Sonnenblumenfelder-Türme gesehen? Soll sich melden. Ich liebe Sonnenblumen. Oder: Erstklässler mit Rucksäcken, die grösser sind als sie selber. Man stelle sich das mal vor. Ob sie die hinter sich her schleppen? Oder hat der Schreibende doch etwas übertrieben? So gross sind Schultheks jetzt auch wieder nicht – und so klein die Erstklässler auch nicht.

Auch ein schönes Bild. Wenns denn so wäre: Das Preisschild des Projekts steigt weiter. Also wenn Preisschilder steigen, würden in der Luxusboutique alle an der Decke kleben. Und beim Billigdiscounter am Boden liegen. Obwohl es dort nur Objekte und keine Projekte zu kaufen gibt. Was der Journalist sagen wollte: Das Projekt kostet mehr als erwartet. So einfach ist das. Weshalb? «Der finanzielle Rahmen entspricht nicht der Grossflächigkeit des Grundstücks.» Aha. Andere würden schreiben, für diese Grösse brauche man einfach mehr Geld.

Nebst dem Siegermuni seien am Schwingfest auch Fresskörbe zu gewinnen gewesen, wird vermeldet. Ich stutze: Körbe voller Heu und Rüebli für das liebe Vieh? Oder doch eher Früchtekörbe mit rotbackigen Äpfeln und Trauben, ergänzt durch etliche Delikatessen. Keine Ahnung, wie man diesen Gabenkörben korrekt sagt – Fresskörbe sicher nicht. Ihr Inhalt ist ja für Menschen gedacht. Für kultivierte.

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