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Überbordende Bilder von Shara Hughes

Das Kunstmuseum Luzern zeigt überbordende Bilder der Malerin Shara Hughes bis am 20. November 2022.

Shara Hughes (*1981, Atlanta) versteht sich nicht als Landschaftsmalerin, auch wenn sie Landschaften malt. Allerdings zeigen ihre überbordenden Gemälde nicht den Blick aus einem Fenster. Vielmehr spielen ihre Steilküsten, Flussläufe, Sonnenuntergänge und üppigen Gärten mit erinnerten Landschaften, wie wir sie alle in uns tragen.


Die Kuratorin Fanni Fetzer vor dem Bild Shara Hughes, Tuck, 2021

Ihre Gemälde entstehen langsam und bleiben sehr lange offen: Die Künstlerin  beginnt ohne Skizze auf der leeren Leinwand. Der erste Farbauftrag kann die Grundformen festlegen, oft übermalt sie jedoch diese ersten Kompositionen wieder komplett.


Öl, Farbe und Acryl auf Leinwand, 244×183 cm

Sie entwickelt ihre Bilder mit Ölfarbe, Pinsel, Acryl, Spachtel und Spray und zelebriert dabei die Malerei an sich. Im Gesamten immer figurativ, wechseln auf der Leinwand einzelne abstrakte, gestische Bereiche mit konstruktiven oder solchen, die an Aquarelle erinnern. Sarah Hughes verfolgt eine radikale Einfachheit; ihre Landschaften sind aus den Grundelementen Vordergrund, Tiefe, Horizont, Linie, Kreis, Sonne, Pflanze aufgebaut.


Öl, Farbe und Acryl auf Leinwand, 244×183 cm

Auf hochformatigen Leinwänden eröffnet sich der Blick auf Blumenwiesen mit mächtigen Blüten, auf übersteigerte Szenerien und Sonnenuntergänge in betörend schönen Farben. Diese Fantasielandschaften befriedigen einerseits unser Bedürfnis nach Schönheit, wecken aber andererseits auch ein leichtes Unbehagen. Die dargestellte Natur wirkt unbändig und in ihrer überbordenden Fülle zuweilen auch bedrohlich.


Öl und Acryl auf Leinwand, 152,5×132 cm

So sind Shara Hughes’ Landschaften auch Stimmungsbilder, die Gefühle, Emotionen oder Erinnerungen vermitteln. Beim Malen gibt sie die Kontrolle über den Pinsel ab und lässt ihrer Hand freien Lauf. Je weniger sie das Motiv zu kontrollieren versucht, desto freier und gelungener wird ihrer Meinung nach das Bild.

Time Lapsed («verstrichene Zeit») ist die erste institutionelle Ausstellung von Shara Hughes in der Schweiz, kuratiert von Fanni Fetzer.  Der Titel ist der gleichnamigen, mehrteilige Serie auf Papier entlehnt. Die Künstlerin nutzt oft Wortspiele: Neben der vergangenen Zeit verweist Time Lapsed auch auf time-lapse («Zeitraffer»).


Besucherin vor dem Bild Shara Hughes, Sterns From the Center, 2021

Die fluiden Formen von Shara Hughes machen die verstrichene Zeit buchstäblich sichtbar. Sie deuten Vergänglichkeit an und erzeugen darüber hinaus auch ein Gefühl von Melancholie. Die Bilder sind ebenso ein Zeitraffer. Denn das fertige Bild ist stets eine Kombination verschiedener Landschaften, die während des Malprozesses organisch wachsen, sich verändern und fortwährend Neues hervorbringen.

Mit ihrer Technik knüpft Shara Hughes an Formen des Action Painting an, das Mitte des 20. Jahrhunderts in Nordamerika aufkam. Der Prozess des Farbauftrags, der Ausdruck des abstrakten, subjektiven Inneren rückte damals in den Vordergrund. Shara Hughes lässt jedoch die Abstraktion hinter sich und übersetzt diese Technik in das Genre der Landschaftsmalerei.

Fotos: Josef Ritler

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