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Gute Vorsätze und andere Fehlplanungen

Wenn nicht jetzt, wann dann? Ein neues Jahr ist die beste Gelegenheit, alte Fehler auszumerzen und neue Pläne zu schmieden. Das gilt auch, ja vielleicht vor allem, für den Garten.

Gute Vorsätze sind im Garten so verbreitet wie bei den Diätwilligen oder den Baldnichtmehrrauchern. Endlich mal die vielen Samentütchen sortieren und erst dann neue Pflücksalatsamen kaufen, wenn die sechs angebrochenen Packungen verstreut sind. Die Zweijährigen im Blumenbeet ganz früh säen und nicht erst im September. Damit sie noch im Herbst verpflanzt werden können und im folgenden Jahr wieder mal über üppige Fingerhutstauden und ein ganzes Ritterspornheer den Garten bereichern.

Mal wieder so richtig in einer Fülle von Rittersporn schwelgen! Ist für dieses Jahr leider zu spät. Gesät werden müsste im Vorjahr.

Einige Vorsätze, das weiss ich schon heute, werde ich mit allem gutem Willen nicht einhalten können. Zum Beispiel das rigorose Roden von Blumenkindern, dort, wo sie nicht hingehören. Wenn ich dann vor den Hornveilchen stehe, die überall wachsen, wo ich sie nicht gesetzt habe, wenn die Ringelblumen so strahlend orange aus den rosa Fairy-Röschen leuchten und sich eine Königskerze mitten auf dem Gartenweg breit macht – dann lasse ich sie halt stehen. Schliesslich gehört der Garten ja nicht mir allein, rechtfertige ich mich. Die Natur hat auch noch etwas zu sagen.

Illusionen

Auch der Verlockung, fast jede Neuheit, die in den Gartenkatalogen angepriesen wird, zu kaufen, werde ich auch dieses Jahr kaum widerstehen können. Obwohl ich weiss, dass oft viel versprochen wird, was sich in der Praxis als nicht mehr als ein schöner Traum entpuppt. Es sind nicht nur die Farbgarten-Kombinationen, die in meinem Garten nie so aussehen wie auf den Katalogseiten. Da sind auch die «robusten» Kamelien, die sich als höchst anspruchsvolle Diven entpuppen, die keinen Giessfehler, keine Temperaturschwankungen tolerieren und sofort alle Knospen fallen lassen. Blüten kann ich ganz vergessen. Es sind auch die riesigen Himbeeren, die das Pflücken so leicht machen. Wenn man sie denn pflücken möchte, denn schmecken tun sie nach gar nichts.

Es gibt auch Ärgernisse, die wiederholen sich mit schöner Regelmässigkeit. Zum Beispiel der Kampf gegen die kleinen, hellbraun-grauen Nacktschnecken. Keinem Gartenbegeisterten würde es in den Sinn kommen, in den ersten Januartagen draussen zu hacken oder zu säen. Nein, nicht mal, wenn sich die ersten Tage des Jahres wie Frühling gebärden. Aber die gefrässigen Schneckenzwerge, die kümmert kein Kalender. Eben haben sie die sich langsam öffnenden Knospen meiner Christrose aufs Schlimmste angeknabbert.

Die Christrosen sieht man noch, die winzigen Schnecken aber warten, bis es dunkel wird. Und bald sind auch die Blüten verschwunden.

Ich stehe ziemlich ratlos vor der Bescherung. Schneckenkörner möchte ich keine streuen – zumal sie ja fast grösser wären als die Schnecklein – und absammeln ist mir zu mühsam und im Moment auch zu kalt. So streue ich halt Kaffeesatz rund um meine etwas verspäteten Christrosen – Weihnachten ist ja schliesslich vorbei – und hoffe, die kleinen Biester lassen sich von dem braunen Pulver ebenso in die Flucht schlagen wie ihre grossen Artgenossen.

Gute Vorsätze auf Vorrat

Und fasse einen neuen Vorsatz: Ich werde mich dieses Jahr im Garten nicht stressen lassen. Weder vom Wetter, noch von den Schnecken, noch von Pflanzen, die zu gross, am falschen Standort oder gar nicht wachsen. Und ganz sicher nicht von meinem Anspruch, endlich mal den ultimativ vollkommenen Garten zu haben. Mit Blütenkombinationen, die aussehen wie alte Gemälde, mit poetischen Duftecken und anmutigen Kletterrosen und Clematis, die nicht wie meine Gartengenossen den ganzen Buchs und die danebenstehende Kornelkirsche überwuchern. Einiges wird sicher gelingen, anderes wird einfach zum guten Vorsatz erklärt – zum nächsten Neujahr.

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1 Kommentar

  1. Wie schön, auch im Neuen Jahr von Ihrem Garten zu hören, so kann ich weiter in Gedanken schwelgen, als ob ich einen eigenen hätte. Bei Ihren guten Vorsätzen kann ich Sie nur unterstützen. Manchmal ist weniger eben mehr.

    Heuer ist es das erste Mal, dass ich mir bewusst einen Vorsatz für das kommende Jahr vorgenommen habe. Das Motto heisst ABSCHIED. Bis vor kurzem fühlte ich mich, jenseits der Siebzig, nicht alt und der eigene Tod war eigentlich kein Thema. Doch in der Neujahrsnacht, ich weiss nicht warum und woher, überkam mich der Gedanke, 2023 meine Angelegenheiten regeln zu müssen, Ordnung zu schaffen. Und so nehme ich mir (fast) jeden kommenden Tag vor, etwas vom Alten loszulassen, sei es gedanklich, schriftlich oder materiell und natürlich ohne Stress. Irgendwie ein gutes Gefühl. Daher, seien Sie nicht zu streng mit sich, es kommt wie’s muss, und das ist gut so.

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