FrontKolumnenAch bitte, wo ist das Zündschloss?

Ach bitte, wo ist das Zündschloss?

Die gute Nachricht: Lenkrad, Gaspedal und Bremse sind bei allen Autos am gleichen Ort. Die schlechten Nachrichten: Alles andere ist mal da, mal dort, mal unten, mal oben.

Einsteigen. Ich benutze hin und wieder den Auto-Verleih Mobility. Das erleichtert das Leben. Keine Erleichterung sind die vielen Modelle, die man lenken muss.

Zünden. Benützen wir eines dieser roten Autos von Renault, Citroën, VW, Opel und Co. Früher gabs mal einen Zündschlüssel. Den steckte man rein, drehte und brummmm. Jetzt gibt es Chipskarten. Die hält man irgendwohin, drückt einen Knopf, betätigt sonstnochwas und … nichts geschieht. Weil man vergessen hat, gleichzeitig auf die Bremse zu treten. Irgendwann klappts dann schon. Doch wo ist der Lichtschalter, der Blinker, wie funktioniert die Klimaanlage? Dreht man am Rädchen mit der Schneeflocke oder an jenem mit den Wellenlinien?

Navi. Jetzt wirds Zeit für die Radionachrichten. Doch statt der Station erwische ich den Sendersuchlauf. Und kann ihn nicht mehr stoppen. Einst war das Navi ein unscheinbares schwarzes Kästchen. Nun kommt der Bildschirm des Auto-Computers als Car-Cinema daher.

Tanken. Ich muss tanken. Vor ein paar Wochen gabs diese peinliche Szene. Ich stand an der Säule, hinter mir drei wartende Wagenlenker. Ich, der Mobility-Fahrer, versuchte verzweifelt das Tankloch aufzukriegen. Früher schloss man mit einem Schlüsselchen den Tankdeckel auf.

Schimpfen. Heute muss man um den schweineteuren Diesel reinzukriegen einen Drücker drücken, an einem Schalter schalten, am einem Riegel riegeln. Irgendwo, vorzugsweise weit unten. Hinter mir ahnte ich in der wartenden Wagenkolonne genervte Automobilisten. „Schon wieder so ein alter Auto-Grufti.“ Dieser fuhr ohne Diesel, aber mit gerötetem Gesicht, weg von der Tankstelle.

Lichtfestival. Einst gabs auf dem Armaturenbrett ein Lichtlein fürs Licht, zwei Lämpchen für die Blinker, ein Warnerchen für den Ölstand, ein Birli für die Handbremse. Und heute? Ein Feuerwerklein in rot, orange und weiss. Hübsch und geheimnisvoll.

Das Armaturenbrett eines Döschwos. D ist der Anlasser, S der Starter. C’est tout. Heute sorgt ein Birli-Festival für schlechte Stimmung. Bild Citroën, ADAC, pst

Verzweifeln. Ach ja, nachgeschoben: Bei der Heimelektronik haben sich die Hersteller auf ein paar Betriebssysteme geeinigt. Steige ich hingegen in ein Auto ein, fahre ich mit jeder Marke durch ein fremdes digitales Land. Eigentlich erstaunlich, dass in allen Wagen Lenkrad, Brems- und Gaspedal gleich angeordnet sind

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