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Beim Barte des Propheten

Warum tragen immer mehr Männer einen Bart? Heute ist es salonfähig, einen Bart zu haben. Warum nur tun sich das die Männer an und was sagen die Frauen?

Es ist nicht zu übersehen. Politiker, Sportler und Familienväter tragen einen Bart. Sie sind überall zu sehen. Im Fernsehen, auf der Strasse, auf der Bühne und im Restaurant. Blicken wir etwas zurück.


President Abraham Lincoln (1809-1865) mit Bart

Barttragen ist seit Jahren bei Jung und Alt beliebt. Jedoch ist es nicht einfach nur ein Bart. Leidenschaft und Liebe zur Bartpflege spielt einen wesentlichen Faktor. Und die Vorstellung, dass Männer mit Bart den Frauen gefallen.

Eine Studie des australischen Psychologen Barnaby J. Dixson, die 2016 im „Journal of Evolutionary Biology“ publiziert wurde, ergab, das bärtige Männer auf Frauen besonders attraktiv wirken und gerade als Langzeitpartner eher in Frage kommen, als ihre haarlosen Konkurrenten.


An der Studie nahmen 8520 Frauen teil. Man zeigte Ihnen die Gesichter von Männern, wobei Fotos derselben Kandidaten via Photoshop bearbeitet wurden. Die Männer wurden einmal glattrasiert, mit Stoppeln, mit ein wenig Bart und mit Vollbart abgebildet. Anschließend sollten die Probandinnen die Attraktivität der Kandidaten beurteilen.

Ergebnis: Männer mit Bart (Vollbart und wenig Bart) gingen als Sieger hervor. Sie wirkten auf die Teilnehmerinnen maskuliner und dominanter und kamen für die Frauen somit eher als potentielle Partner in Betracht.

Eine Studie der University of Queensland aus dem Jahre 2015 kam zudem zu dem Schluss, dass bärtige Männer auf Frauen sexuell anziehender wirken. Die Forscher gehen davon aus, dass Frauen  bei Männern mit starkem Bartwuchs unterschwellig ein hohes Maß des Sexualhormon Dihydrotestosteron vermuten und diese somit für potenter halten.

Das Barttragen ist Teil der Persönlichkeit und verleiht auch dem Äußeren das gewisse Etwas – das ist eine unwiderlegbare Tatsache. Vollbart-Träger wirken männlich. Bartwuchs macht aus dem Kind einen Mann. Dass darüber hinaus aber auch noch gesundheitliche Vorteile ins Spiel kommen, ist vielen Bartträgern gar nicht so bewusst.

Die Hauptvorzüge: Wärme- und Kälteschutz

Barthaar schützt unsere Haut vor direktem Sonnenlicht und bildet folglich einen natürlichen Schutz vor UV-Strahlen. Sonnenbrand hat an den mit Barthaaren bedeckten Stellen im  Gesicht also schlechte Chancen.

Aber auch bei Kälte ist ein Bart ein treuer Begleiter. Während der UV-Schutz beim  Bart selbstverständlich auch bei kalten Temperaturen aktiv bleibt, kommt ein weiterer Vorzug ins Spiel: der Wärmeschutz. Je voller der Bart desto größer ist die natürliche Schutzbarriere gegen die Kälte des Winters.

Praktisch so ein Bart! Damit das aber auch so bleibt, sollte man darauf achten, dass man ihn regelmässig und gründlich reinigt.

«Es bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, sich zu rasieren», sagte Christoph Asbach, Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, im Januar 2021 zur Nachrichtenagentur dpa. Der Rat klingt logisch – zumal es ausser dekorativen Zwecken offenbar keinen guten Grund dafür gibt, Bart zu tragen.

Eine evolutionsbiologische Erklärung für den Bart ist weniger naheliegend. Charles Darwin ging seinerzeit davon aus, dass etwa die Mähne männlicher Löwen zum Schutz bei Kämpfen dienen könnte – dem menschlichen Bart schrieb er allerdings eine ganz andere Aufgabe zu: «Es scheint, als sei der Bart für unsere affenähnlichen Vorfahren ein Ornament gewesen, mit dem die Männchen versuchten, die Weibchen zu bezaubern oder zu erregen», schrieb der Evolutionsbiologe 1871 in «Die Abstammung des Menschen».

Die lokal unterschiedlichen Ausprägungen des Haarwuchses – in China und Indien trat Bartwuchs nur vereinzelt und recht schwach auf, während die japanischen Ureinwohner Ainu ausgesprochen stark behaart waren – erklärte sich Darwin durch sexuelle Auslese: Frauen an verschiedenen Orten der Erde mussten Bärte unterschiedlich attraktiv finden. Welcher Bart für dich tatsächlich der beste ist, solltest du selbst entscheiden. Was die Einen als ungepflegten, kratzigen Gesichtsteppich empfinden, sehen Andere als ein Symbol von Maskulinität und Stärke.

Bilder: Pixabay

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9 Kommentare

  1. Die unterschiedliche Ausprägung des Haarwuchses, wie z.B. der schüttere bis inexistente Haarwuchs als Kopfbedeckung, führt häufig in meinem Bekanntenkreis zum gewollten Haarwuchs als Bart, um auf diese Weise die Männlichkeit zu bestätigen. Glücklicherweise habe ich meine volle Haarpracht auf dem Kopf noch im biblischen Alter von 79 bewahren können :-).

  2. Ja, ja, der Bart und das Schnäuzchen,
    ist des Mannes ganzer Stolz,
    doch zu leicht verbirgt sich dahinter,
    ein Fundament aus schlechtem Holz.
    Bei meinem spontanen Vierzeiler denke ich vor allem an die dunklen Gestalten der Taliban, die man bei diesem Thema auch erwähnen müsste, und die auf die meisten Frauen abstossend und alles andere als sexy wirken.

    Gemäss Wikipedia trugen im Altertum die Pharaonen des Alten Ägypten (auch, wenn sie Frauen waren) einen Zeremonialbart als Zeichen ihrer virilen Omnipotenz. Dieser war jedoch eine künstliche Attrappe und die Männer waren darunter glatt rasiert.
    Die sehr unterschiedlichen Bärte hatten und haben noch heute oft kulturelle Bedeutungen. Sie sind u.a. Standessymbol und zeigen die Glaubenszugehörigkeit. Heute ist Bart tragen einfach trendy, er gehört zum modischen Auftritt des Mannes und soll seine Individualität unterstreichen. Ob er damit männlicher wirkt, sei dahingestellt. Optisch ist nichts gegen einen schönen und gepflegten Bart einzuwenden, aber bei ungepflegten graust’s mich eher, besonders wenn man noch erahnen kann, was es zum Zmittag gegeben hat.

  3. Meinen ersten Schnurrbart liess ich nach der Geburt unseres Sohnes wachsen. Beides ein Akt der defini-tiven Mannwerdung. In späteren Jahren ging die Haarpracht Hand in Hand mit der Mode, der aktuellen Lebenshaltung und der Politik. Meine wechselnden Bärte, von Franz-Josef bis semi-académique sind beim Farbwechsel dem Messer zum Opfer gefallen und den «Schnauz» einst wild, stutzt manchmal sogar Madame auf ein gepflegtes Mass. Aktuell: weder Stalin noch Brassens. Da fehlt eben schon einiges an Haaren. Die in Ohren und Nase wuchernden sind ein schlechter Ersatz und ein Ärgernis zugleich. Heute versucht Lollo meinen Wünschen nach einem „coupe socialiste“ entgegenzukommen: Dort nehmen, wo es noch hat.
    Bis vor Covid wurde in meiner zweiten Heimat grundsätzlich jede weibliche Person zwischen 0 und 100 geküsst. Selbst das zweimonatige Mädchen wurde einem hochgereicht. Klar ist der kleine bisous mit dem Dorfschönen wesentlich attraktiver als mit dem 70-jährigen, dessen buschiger Schnauz auch nach der eben gerauchte Gitanes riecht. Aber, niemand stört sich deswegen und wer sich drückt, nimmt sich aus der Dorfgemeinschaft. Mit Covid ist die Küsserei mehrheitlich aus der Mode gekommen. Einzig die Witwe Nicole will mich nach wie vor an ihre nicht unerhebliche Brust drücken. Aber jetzt bin ich etwas vom Thema abgekommen.
    Vor 14 Tagen habe ich meinen dichten, gepflegten Bart wieder «abgehauen». Ich liess mir sagen, grau mache alt und wer will das schon sein. Aber der Schnauz bleibt! Auch für einen 1943er steht wiederum der Frühling vor der Tür.
    Nun zu Werner Hübscher: Männer mit Glatze gelten als besonders potent; nun da rasierte Köpfe in ge-wissen Szenen trendig sind, betonen Gesichtshaare zusätzlich die männliche Seite. Diversity ist gefragt. Dann noch ein Spruch eines frühzeitig haarlosen Kollegen: En rächte Maa mit Frau und Chind hät d’Haar am Buuch nöd uf em Grind. Und auch zu Regula Mosimann: Der spontane Vierzeiler ist schon richtig. Meine Marktfrau Brigitte meint zu den Bärtigen, ce sont tous des talibans! Trotzdem Frau Mosimann, ist die Erinnerung an die erste Liebe nicht vollends verblasst. Gott sei Dank habe ich mich gut rasiert heute Morgen.

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