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Willkommen liebe Frühlinge

Morgen ist Frühlingsanfang. Also einer der Frühlingsanfänge. Am 1. März war auch Frühlingsanfang. Der meteorologische. Und weil zwei noch nicht genug sind, gibt es auch noch den phänologischen Frühlingsanfang. Also drei davon. Den Vorfrühling, den Erstfrühling und dann den Vollfrühling. Nur der «zweite Frühling» ist etwas ganz anderes.

Meteorologen sind Buchhalter und lieben die feste Ordnung. Jeder der vier Jahreszeiten werden drei Monate zugeordnet. So lassen sich die Wetterparameter vergleichen. Sagen sie. In unseren Breitengraden ist also ab 1. März Frühling, ganz egal, ob dann die Schneeglöckchen blühen oder ob es gefühlt erst richtig Winter wird. Weil Weihnachten im Grünen stattfand, zum Beispiel. Diese fixe Einteilung wurde von der Weltorganisation für Meteorologie vorgenommen.

Der starre Drei-Monats- Rhythmus lässt sich statistisch einfach auswerten: Temperatur, Niederschlagsmenge, Sonnenscheindauer können in Tabellen erfasst und verglichen werden. Was, überspitzt gemeint, dazu führt, dass jeder Frühling entweder zu nass, zu trocken, zu kühl, zu heiss ist oder sonstwie aus dem Rahmen fällt. Oder haben Sie schon mal gehört, dass Meteo vermeldete: Dieser Frühling entspricht haargenau unserem Schema? Kaum, weil es gar keinen «Referenzfrühling» gibt, in dem alle Parameter aufgelistet sind. Höchstens Tendenzen.

Die Sonne macht auch einen Frühling

Der kalendarische oder astronomische Frühling beginnt dann, wenn der Zenit der Sonne über dem Äquator senkrecht steht. Dann sind Tag und Nacht gleich lang. Tagundnachtgleiche heisst das. Sie findet zwischen dem 19. und 21. März statt. Morgen beginnt auf der Nordhalbkugel, exakt um 22.24 mitteleuropäische Zeit, der Frühling. Unabhängig vom Wetter. Das heisst, ab heute können empfindliche Pflanzen wieder ins Freie, kann gesät und gepflanzt und natürlich allfälliger Winterschutz bei den Pflanzen entfernt werden. Leider nicht!

Frühling ist, wenn … . Da gibt es etliche Definitionen.

Da muss ein genauerer Kalender her, der phänologische. Denn der orientiert sich jedes Jahr neu und bildet sehr genau die klimatischen Verhältnisse ab. Auch wenn er, das muss eingeschoben werden, auch nicht vor Spätfrösten, Trockenheit oder Starkregen warnen kann. Phänologie, die Verbindung von Botanik und Meteorologie auf wissenschaftlicher Basis, orientiert sich an natürlichen Messanlagen, an Pflanzen.

So zeigen Schneeglöckchen und Haselkätzchen das Ende des Winters, also den Vorfrühling an. Beginnen die Forsythien und einige Obstbäume zu blühen und sich an Buche und Birke das erste Grün zu zeigen, dann ist der Erstfrühling da und erst mit den blühenden Apfelbäumen und dem duftenden Flieder ist es so richtig Frühling. Vollfrühling.

Auch im Schnee künden Schneeglöckche vom Frühling. Ausser sie blühen bereits im Januar. Dann sind es einfach Ausrutscher.

Weil diese «Zeigerpflanzen» natürlich nicht in ganz Europa synchron zu blühen beginnen, ergeben sie ein ziemlich realistisches Abbild der Jahreszeiten. Das sich allerdings je nach Region und von zu Jahr zu Jahr ändert. In der Phänologie werden zudem, das Beispiel Frühling zeigt es schon, neun Jahreszeiten unterschieden. Je drei in jeder Vegetationsperiode. Einzig der Winter kommt im phänologischen Kalender nicht vor, weil es da keine verlässlichen Zeigerpflanzen gibt. Schneeglöckchen im Dezember werden also ignoriert.

Der Frühling kommt schnell

Man könnte sagen, der Frühling beginnt in Europa in Spanien und «arbeitet» sich dann mit etwa 20 bis 30 Kilometern pro Tag von Südwesten nach Nordosten vor. So werden die Erdbeeren in Finnland anfangs August reif.

Für Bauern und Gartenbesitzer ist der phänologische Kalender, auch als dieser Begriff noch unbekannt war, seit jeher eine verlässliche Komponente in der Planung. Die ersten Salatsetzlinge kommen dann in den Boden, wenn die Forsythie blüht, mit den kälteempfindlichen Bohnen wartet man bis zur Holunderblüte.

Petersilie, an Karfreitag gesät, keimt willig aus. Ist Aberglabe, funktioniert aber. (Alle Bilder pixabay)

Oder bis nach den Eisheiligen, was wiederum eine Art von Pflanzkalender ist. Denn auch das bäuerliche Kirchenjahr mit seinen «Lostagen», oft nach christlichen Heiligen benannt, versucht, das Wettergeschehen möglichst im Voraus zu interpretieren. Und dann gibt es noch altes, überliefertes Gartenwissen: In der Karwoche vor Ostern wird weder gesät noch gepflanzt. Da wächst gar nichts. Meine Grossmutter hingegen war überzeigt, dass an Karfreitag ausgesäte Petersilie die besten Startchancen habe. Und wissen Sie was? Ich mache, im Andenken an meine geliebte Grossmutter, das auch und kann jedes Jahr ganz zuverlässig sattgrünes, gesundes Petersilienkraut ernten.

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1 Kommentar

  1. Oh ja, der Frühling ist in den Startlöchern und zum Teil ist er auch schon da, z.B. mit dem leuchtend gelben Forsythien Busch vor meinem Fenster. Der Schnittlauch im Topf wächst rasant, hingegen bei der Petersilie im Nachbartopf tut sich noch nichts.
    Nebst dem neuen Grün freue ich mich natürlich über die Vögel, die wieder den Morgen einsingen. Gefühlt hat es jedes Jahr weniger Singvögel, hingegen sind die lauten Krähen zahlreich wie nie. Ihr aufdringliches Rufen mag ich nicht besonders, auch wenn ihr schwarzes Federkleid in der Sonne herrlich glitzert. Ich vermute, sie verjagen die Finken, Spatzen und Stare oder plündern ihre Nester.

    Da See, Wald und Felder nicht weit sind, zeigen sich auch dieses Jahr Reiher, Möven und Mäusebussarde, die ich von meinem Balkon aus beobachte, wie sie nach Beute Ausschau halten. Ein gutes Zeichen, dass noch genügend Mäuse und Kleinlebewesen vorhanden sind. Nachbars Katze hatte auch Jagdglück und stolzierte mit einer leblosen Maus im Maul durch die Gegend, nachdem sie mit ihr ausgiebig „Katz und Maus“ gespielt hatte.

    Ich freue mich auf die kommenden Farben, die herrlichen Düfte und erwachenden Bäume, die der Frühling jedes Jahr (noch) möglich macht. Es tut einfach der Seele gut und versöhnt uns etwas mit den schwarzen Gedanken, die uns zurzeit zu schaffen machen. Und ich freue mich natürlich auch auf Ihren nächsten Gartenbericht 🙂

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