StartseiteMagazinKulturEin vergnüglicher Höllenritt

Ein vergnüglicher Höllenritt

Die Operettenbühne Hombrechtikon gastiert mit «Orpheus in der Unterwelt» bis 7. Oktober im Gemeindesaal Hombrechtikon. Geboten wird ein herrlich gut gelaunter Operettenabend mit Schwung, Tempo und viel Wortwitz.

Jacques Offenbach verstand seine Operette «Orpheus in der Unterwelt» , 1858 in Paris uraufgeführt, als Persiflage auf das Lotterleben der französischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Operette sollte nicht altbacken und bieder sein, sie geht mit der Zeit. Doch der Versuch, das Original mit seinen vielen Parodien und Anspielungen, mit denen Offenbach das zweite Kaiserreich und auch Napoleon III. selbst aufspiesst, ins Heute zu verpflanzen, ist eine echte Herausforderung.

Regisseur Stefan Wieland wagt in Hombrechtikon die Aktualisierung. Er verlegt den Olymp in ein Fitnessstudio mit Sauna und die Hölle in einen Vergnügungspark, lässt die Akteure mit Handys kommunizieren, kalauert mit etlichen Anspielungen auf heutige Zustände. Ob dies der gewünschten Akzeptanz förderlich ist und der heutigen Gesellschaft den Spiegel vorhält, bleibe dahingestellt. Jedenfalls zeigt Wieland eine rasante Revue, die vor allem von den aberwitzigen Kostümen (Kostüme: Dorothea Nicolai) und der Spielfreude der Mitwirkenden lebt.

Ihre Liebe ist gescheitert

Orpheus und Eurydike betrügen sich gegenseitig, versichern sich gegenseitig ihrer tiefgreifenden Abneigung. Angesichts einer derart desolaten Paarbeziehung geniesst Eurydike geradezu den von ihrem zukünftigen Galan Pluto initiierten tödlichen Schlangenbiss und begibt sich unter dessen Führung mit Vergnügen hinab in den Hades. Orpheus hingegen würde nun am liebsten sofort der neuen Favoritin ein Forte fideln, woran er aber durch die Öffentliche Meinung (majestätisch gespielt von Julia Zeier) gehindert wird, die ihn seiner Reputation wegen ermahnt, die verloren gegangene Gattin schleunigst zurückzuerobern und diesbezüglich bei Jupiter vorzusprechen. Orpheus fügt sich ins Unvermeidliche.

Höllen-Cancan mit beinschwingenden Mädels in der Unterwelt.

Und so beginnt die Reise zu den ihrerseits schwer neurotischen Göttern, zunächst im Olymp, dann im Hades, wo der entführten Eurydike, bewacht von Hans Styx, bald nicht nur Pluto, der Fürst der Unterwelt, sondern auch der Göttervater Jupiter höchstpersönlich als Stubenfliege nachstellt. Grossartig ist Erich Bieri mit dem ihm eigenen Bassbariton als Jupiter, den er zwischen komisch-gravitätisch und tollpatschig-intrigant changieren lässt. Nicht minder köstlich ist Hartmut Kriszun als untertänigst nervtötender Hans Styx, wie er in seinem Couplet «Als ich noch Prinz war in Arka-ha-ha-ha-ha-dien» stammelt.

Höllenfest in der Unterwelt

Stimmlich eine Freude ist Andrea Hofstetter als Eurydike, die mit ihrem geschmeidigen Sopran und ihrem verführerischen Gehabe viel Sexappeal verströmt und die Götterwelt betört. Gesanglich und schauspielerisch ebenbürtig sind ihre Partner (Emanuel Heitz als Orpheus und Neal Banerjee als Pluto), die ihre Rollen teils komödiantisch angelegt haben. Erfreulich auch der Auftritt von Ensemblemitglied Dieter Werner als Morpheus, der im von Nektar und Ambrosia gelangweilten Olymp die ganze Götterfamilie mit Yoga in den Schlaf treibt, bis Pluto kommt und den Aufstand probt. Als gesanglich sattelfest erweist sich das ganze Chorensemble, das mit Schwung und Spass bei der Sache ist.

In der Bildmitte Emaunel Heitz als adrett gekleideter Orpheus und Anna Gitschthaler als Diana.

Im letzten Aufzug versammelt sich die ganze Götterfamilie zum Höllenfest in der Unterwelt, wo mit dem sogenannten Höllen-Cancan mit beinschwingenden Mädels eines der bekanntesten Stücke der Musikgeschichte wartet. Mit von der Partie ist eine fünfköpfige Ballettgruppe, die den Höllenritt mit Opéra-bouffe-mässigen Einlagen vorantreibt. Bleibt noch das Orchester unter der Leitung von Caspar Dechmann, das die mitreissende Musik von Offenbach leicht und fetzig umsetzt. Alles in allem, geboten wird ein temporeicher  Operettenabend, ein vergnüglicher Höllenritt mit viel ironischem Wortwitz.

Titelbild: Andrea Hofstetter als Eurydike und Erich Bieri als Jupiter mit Fliegengewand. Fotos: Thomas Entzeroth, Zürich

Weitere Spieldaten:  8., 9., 10., 15., 16., 17., 22., 23., 24., 29., 30. September, 1., 6., 7. Oktober

Link: operette-hombrechtikon.ch

 

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