StartseiteMagazinKolumnenKommt das von den Pillen?

Kommt das von den Pillen?

Kürzlich hat mir meine Mutter am Telefon erzählt, dass ihre Unterlippe leicht zittert. Dazu muss ich sagen, dass meine Mutter viel Wert auf ihr Äusseres legt. Sie ist trotz ihrem Alter von bald 84 Jahren eine sehr attraktive Frau und tut viel dafür, dass sie fit und gepflegt bleibt. Logisch, dass mit dem Zittern der Unterlippe bei ihr die Alarmglocken läuteten. Sie überlegte sich, was die Ursache sein könnte. Und statt an einen Hirntumor oder an Parkinson zu denken, fragte sie sich, ob dies die Nebenwirkungen von einem Medikament sein könnten. Eigentlich nimmt sie ja keine Medikamente, ausser hin und wieder ein Schlafmittel. Sie las also den Beipackzettel des Schlafmittels und fand heraus, dass es Tremor auslösen kann. Zittern. Die Ursache war also gefunden und meine Mutter teilte dem Arzt bei der nächsten Konsultation mit, dass sie das Medikament nicht mehr einnimmt.

Im Bezug auf Medikamente entspricht meine Mutter nicht dem schweizerischen Durchschnitt. 2017 haben von den Menschen über 75 Jahre 84% ein Medikament eingenommen. Die Gefahr der Übermedikation ist gerade bei älteren Menschen hoch. Die Wissenschaft empfiehlt den Ärzten, die Verschreibung von Medikamenten sorgfältig zu prüfen. Erstens reagieren alte Menschen oftmals anders als jüngere und zweitens sind unterwünschte Interaktionen zwischen den Medikamenten ein häufiges Problem. Doch wenn ein Hausarzt in der Schweiz im Durchschnitt 1200 Patienten betreut und für die Konsultationen mit der Krankenkasse keine langen Gespräche abrechnen kann, hilft es, wenn Patientinnen und Patienten selber aufmerksam sind. Die schweizerische Patientenorganisation empfiehlt, bei Arztbesuchen eine Liste dabeizuhaben mit den Mitteln, die man einnimmt. Und sie empfiehlt auch, wenn immer möglich auf Alternativen wie Ernährung, Bewegung etc. zu setzen.

Medikamente im Alter sind ein wichtiges Thema. Mittlerweile gibt es dazu Informationsmaterial, das sich nicht nur an Fachleute, sondern auch an interessierte Laien richtet. Eine umfassende Broschüre veröffentlichte in diesem Sommer das deutsche Ministerium für Bildung und Forschung. Sie enthält allgemeine Informationen und detaillierte Listen, in denen untaugliche und nachweislich nützliche Medikamente für älter Patienten aufgeführt sind.

Meine Mutter versucht ihrer Schlaflosigkeit momentan mit pflanzlichen Mitteln beizukommen. Meinen Vorschlag für autogenes Training findet sie nett, aber nicht nötig.

Medikamente im Alter


Dr. Antonia Jann ist Gerontologin und Organisationsberaterin. Sie informiert sich regelmässig über neue Erkenntnisse aus dem Bereich der Altersforschung. Antonia Jann führt eine Coaching-Praxis in Zürich und hat sich spezialisiert auf Fragestellungen, die Menschen in der zweiten Lebenshälfte beschäftigen.  www.jann-coaching.ch

 

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1 Kommentar

  1. Meine Mutter hat mich immer in den Sandhaufen gesteckt, wenn Sie arbeiten gegangen ist . Sie musste ja arbeiten. Ich war sehr unglücklich. Das ist mir heute hochgekommen. Wie ein Trauma, habe das vorher nicht gewusst. Mein Bruder hat dann immer gesagt, wenn ich Bücher hervorgekommen habe, jetzt will Sie wieder mehr sein als wir, dann habe ich Sie nicht mehr hervorgenommen.
    Mit freundlichen Grüssen Susan Sunu

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