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Gruss von der Leber

Die Leber ist das grösste Organ des Menschen und ein unauffälliges. Schmerzrezeptoren finden sich in der Leber weniger als zum Beispiel im Magen, im Herz oder im Darm. Anders gesagt, die Leber leidet still. Geschätzt mehr als ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung der Schweiz hat eine Fettleber – und merkt es nicht mal.

Wäre dieser Text nicht besser vor oder während der Festtage erschienen? Kaum. Denn feiern heisst ja auch gut essen, vielleicht etwas mehr Alkohol als gewöhnlich konsumieren und ganz allgemein, es sich gut gehen lassen. Und das sollte doch ohne schlechtes Gewissen möglich sein! Zumal für die Leber derselbe Grundsatz gilt wie für das Abnehmen: Problematisch ist nicht die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern die Zeitspanne von Neujahr bis Weihnachten.

So, das wäre geklärt. Aber jetzt ist es Zeit, der Leber eine Verschnaufpause zu gönnen, sich bewusst zu machen, dass dieses zentrale Organ für den Stoffwechsel Tag für Tag Schwerarbeit leistet, Schadstoffe aus der Nahrung, von Medikamenten und Umweltgiften abbaut oder in harmlose Stoffe umwandelt. So wird zum Beispiel giftiges Ammoniak zu ungiftigem Harnstoff. Und dass der Körper ohne funktionierende Leber nicht nur mit Gift- und Schadstoffen überschwemmt, sondern schlicht «verhungern» würde.

Die Leber hat fünf Segmente und ein kleines Anhängsel, die Galle.

Denn die im Magendarmtrakt aus der Nahrung aufgenommenen Nährstoffe werden via Blut in die Leber geleitet und dort in Energie verwandelt, die für die Körperfunktionen benötigt wird. Dank der Leber wird der Zuckerspiegel im Blut reguliert. Werden zu viele Kohlenhydrate zugeführt, wird der Überschuss als Glykogen gespeichert und bei Bedarf als Traubenzucker wieder abgebaut. Auch Fette, Vitamine und einzelne Mineralien werden gespeichert. Deshalb müssen wir nicht ständig für neuen «Betriebsstoff» sorgen, sondern können uns unbelastet bewegen, Sport treiben oder eine ganze Nacht lang schlafen. Die Leber selber benötigt für ihre Aufgaben, unter anderem zur Aufrechterhaltung der Gehirnfunktionen durch Lieferung von Zucker, recht viel Energie.

Ein bisschen perfid ist es schon: Nicht nur ungesunde Süssigkeiten, auch der «gesunde» Fruchtzucker kann zur Verfettung der Leber führen.

Wenn allerdings dieser «Notvorrat» zu reichlich ausfällt, also viel mehr als nötig gespeichert wird, lagert die Leber den Überschuss als Fettpartikel in ihrem Gewebe ein – es entsteht eine Fettleber, Ursache etlicher Zivilisationskrankheiten und das frühe Stadium einer ernsthaften Erkrankung, einer Zirrhose. Es muss also nicht immer Alkohol sein, der die Leber krank macht. Kohlenhydrate, also auch Zucker, werden in der Leber als Fett gespeichert. Besonders perfide ist dabei der Fruchtzucker, die Fructose, die in der Leber bevorzugt zu Fett umgebaut wird.

Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Nulltoleranz

Dass Alkohol der Leber schadet, das wissen wohl alle. Und dass eine Aktion wie momentan der «Dry January», der «trockene Januar», also der Verzicht auf Alkohol während des ganzen Monats, deshalb sinnvoll ist, muss nicht speziell betont werden. Denn Alkohol ist ein Zellgift, das nicht nur das Entgiftungsorgan Leber über die Massen beansprucht, sondern beim Abbau noch zusätzlich Schäden anrichtet, von freien Radikalen bis zu Stoffen, die das Erbgut schädigen. Deshalb empfiehlt die WHO, die Weltgesundheitsorganisation, seit letztem Jahr als Toleranzgrenze denn auch eine satte Null: Wer Alkohol trinkt, und seien das auch nur kleine Mengen, schadet seiner Gesundheit.

Man darf diese Warnung getrost etwas im Hinterkopf speichern, ohne dabei ganz auf alles zu verzichten, was beim Essen Spass macht. Ein Leben ohne Früchte, Zucker, mit wenigen, natürlich nur «guten» Kohlenhydraten und absolut abstinent, kann höchstens ein guter Vorsatz zum Jahreswechsel sein, ist für den Alltag aber kaum praktikabel. Aber etwas Sorge tragen sollte man der Leber doch. Heisst, viel Bewegung, Mahlzeiten strukturieren, also nicht den ganzen Tag etwas essen, den Konsum von Fruchtsäften, Fett, Alkohol und Produkten aus Weissmehl einschränken – und genügend schlafen.

Wenn wir schlafen, räumt unsere Leber auf: Zwischen zwei und vier Uhr wird sie aktiv. (alle Bilder pixabay)

Denn die Leber ist nachtaktiv und beginnt zwischen zwei und vier Uhr morgens damit, während des Tages aufgenommene Schadstoffe und solche aus dem Blut umzuwandeln und abzubauen. Dabei verbrennt sie eingelagerte Fettreserven. Am Abend sollte daher eher leicht gegessen und der Mitternachtssnack ganz unterlassen werden. Und Alkohol am späten Abend, diese Erfahrung haben wohl die meisten schon gemacht, stört den Schlaf. Dann, wenn die Leber ihre Arbeit aufnimmt.

Zum Schluss noch die gute Nachricht: Die Leber ist hart im Nehmen, kann sich auch etwas regenerieren, sodass nicht bei jeder «Esssünde» eine Leberzirrhose droht. Die Leber ist auch das einzige Organ, dass partiell entfernt werden und wieder nachwachsen kann. Und sie liebt Kaffee, nebst all den Bitterstoffe enthaltenen Produkten wie zum Beispiel Chicorée, Rosenkohl, Bärlauch oder Salbei. Sie leidet also nicht nur still, sie ist auch gutmütig. Grund genug, ihr mit dem «Dry January» eine Erholungsphase zu gönnen.

 

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3 Kommentare

  1. Alles schön und gut und medizinisch gesehen sicher korrekt. Aber zum Menschsein gehört auch der Genuss und die Freude am Leben.
    Als Halbitalienerin kann ich mir ein gutes Mittagessen ohne einen guten Bio-Wein, der ohne Schnörkel und Zusätze regional angebaut, mit Liebe gehegt und gepflegt wird, nicht vorstellen. Seit bald 30 Jahren bin ich Kundin des Bio-Weinpioniers Delinat, der sich auf die Fahne geschrieben hat, regional tätige, dem Bioweinanbau und der Biodiversität verpflichtete Weinbauern vorallem in Europa zu unterstützen und ihre Produkte zu fairen Preisen zu vertreiben.

    Es ist doch immer das Mass, das es ausmacht, ob uns etwas gut tut oder eben nicht. Das Glück eines Moments kann auch in einem guten Glas Wein liegen oder wie bei mir, auch in einem wundervoll duftenden Irish Single malt Whiskey. Die Schweizer:innen könnten von anderen Völkern und ihrer Lebensweise noch viel lernen und im Durchschnitt sind diese eher zufriedener und gesünder als wir, da sie den Fokus auf den positiven und lebensfreundlichen Dingen haben.
    PS) Süsses kann mich nicht verführen, ich bin eher der salzige Typ. Egal oder?

  2. Ganz zuerst: Vielen Dank für den “Gruss von der Leber”. Die leicht lesbare, bebilderte und eindrückliche Erklärung der reichlichen Aufgaben unserer Leber regt tatsächlich zum Nachdenken an. Ich nehme an, den meisten Lesenden des Seniorenweb wird bestätigt, dass sie auf gutem Wege sind. Hat doch das zunehmende Alter zur Einsicht und Mässigung geführt, so dass die wenigsten ein schlechtes Gewissen befürchten müssen. Zugegeben, mit achtzig fällt der Verzicht leicht, wenn nachts der Calvados nochmal nach oben drängt. Sie haben ja so recht, Frau Reichlin.

    Trotzdem: In vielen Häusern der gehobenen französischen Gastronomie ist an Wochenenden eine Reservation Wochen im Voraus sehr empfohlen. On est complet. Sonntags zum déjeuner sitzt la France à table. Ab dem Gruss aus der Küche bis zum finalen Kaffee mit Praline bleibt nichts unbegleitet. Wenn wir zu Beginn ein Gläschen Chardonnay schlürfen, ordern unsere Tischnachbarn grundsätzlich Flaschen. Unser Hauptgang wird von einem zweiten Glas Roten oder Weissen begleitet, aber dann ist Schluss; schliesslich ist man nicht zu Fuss gekommen. Wie alle andern auch. Dieses französische Sonntagsritual dient dem Zusammenhalt in der Familie, im Freundeskreis. Begleitet vom Chardonnay, Pinot und Crémant beschwingten Reden enden meistens nach etwa vier Stunden mit einem kleinen Rundgang durchs Städtchen. Die Leute sich glücklich und zufrieden; sie sind sich einig: einmal mehr, schön und gut war’s.

    Wie kommt es, dass in einem Land, in dem man dreieinhalbmal mehr von diesem Zellgift trinkt, die Einwohnenden dieselben Lebenserwartungen haben wie die Schweizerinnen und Schweizer. Fettleber kein Thema. Ein Fest ohne foie gras ist kein Festtag. Dry January, bah, c’est américain!

    • Sie wissen doch, die Schweizer:innen sind scheinheilig, nicht nur in der Politik, besonders auch wenns um den Genuss geht. Man ist im Sportverein, man macht Joga, man geht regelmässig joggen oder krackselt mit aber Tausenden am Wochenende auf irgend einen Berg und verstopft die Autobahn. Nach jeder Hundsverlochete besauft sich das Volk schliesslich im Bierzelt bis zum Abwinken oder wers feiner mag in teuren Restaurants, wo man die Speisen mit der Lupe suchen muss. Das alles finde ich unintressant und geniesse lieber einen guten Bio-Wein oder einen Single Malt Whiskey aus dem Holzfass im kleinen Kreis, begleitet von einem guten Gespräch und meistens mit Wunschmusik, oder auch mal ganz für mich allein. C’est ça, la vie, Fettleber hin oder her.

      PS) Wenn man weiss, wie die Gänse für eine foie gras gemästet werden, vergeht mir der Appetit auf diese französiche Delikatesse. Das Tierwohl sollte nach meiner Auffassung von einem guten Leben, immer vorgehen.
      https://www.peta-schweiz.ch/themen/foie-gras/

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