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Ich habe kein Hobby!

Kürzlich habe ich an einem Apéro Hans getroffen. Er hat mir erzählt, dass seine Zeit als Hausarzt immer weniger wird und die Zeit, die er im Keller bei seiner Modelleisenbahn verbringt immer mehr. Hans? Ein Modelleisenbähnler? Die Information über sein Hobby hat mich überrascht und unser Gespräch hat mir lange zu denken gegeben.

Woher kommen meine Vorstellungen über Modelleisenbähnler? Wieso erstaunt es mich, dass ein Arzt, der sich um globale Gesundheitspolitik gekümmert hat, zufrieden im Keller sitzt und ein kniffliges Problem mit der Weiche löst? Die Fragen gehen mir nicht aus dem Kopf und eine neue Frage kommt hinzu: Weshalb lässt mich das Thema nicht mehr los? Die letzte Frage konnte ich zuerst beantworten: Ich weiss, wie wichtig es beim Älterwerden ist, ein Hobby zu haben. Hans hat die Eisenbahn – ich habe kein Hobby. Und das ist nicht gut, gemäss einer breit angelegten Studie, die 2022 erschienen ist.

In der internationalen Langzeitstudie wurden über 90‘000 Menschen (65+) aus verschiedenen Ländern über ihre Freizeitbeschäftigungen befragt. Dabei zeigte sich, dass es den Leuten, die ein Hobby haben, deutlich besser geht. Sie haben weniger depressive Symptome, sie geben eine bessere Gesundheit an und sie haben eine höhere Lebenszufriedenheit. In Dänemark geben rund 96% der Seniorinnen und Senioren an, dass sie ein Hobby pflegen, in Spanien sind es nur 51%. Der Zusammenhang zwischen einer besseren Gesundheit und einem Hobby ist deutlich und die Untersuchung findet sogar Hinweise darauf, dass es nicht nur einen Zusammenhang gibt, sondern dass das Hobby die Ursache ist, um länger aktiv zu bleiben und sich deshalb gesünder zu fühlen.

Es lohnt sich also, ein Hobby zu haben. Und ich habe eben keines. Mich interessieren weder Modelleisenbahnen noch Bastelarbeiten. Ich bin keine Ornithologin und keine Sammlerin. Aber vielleicht sehe ich das mit dem Hobby auch zu eng: Vielleicht braucht es einfach etwas, wofür man am Morgen gerne aufsteht. Etwas, das auf mich wartet. Etwas, das ich gestern interessant fand und das morgen immer noch interessant sein wird. Und das gibt es natürlich: Ich arbeite gerne, lese gerne Bücher, habe Spass am Kochen und singe in einem Chor. Vielleicht sollte ich etwas von dem als Hobby bezeichnen und nicht nur zufällig, sondern systematisch betreiben.

Link zur Studie


Dr. Antonia Jann ist Gerontologin und Organisationsberaterin. Sie informiert sich regelmässig über neue Erkenntnisse aus dem Bereich der Altersforschung. Antonia Jann führt eine Coaching-Praxis in Zürich und hat sich spezialisiert auf Fragestellungen, die Menschen in der zweiten Lebenshälfte beschäftigen.  www.jann-coaching.ch

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