StartseiteMagazinGesellschaftWer zufrieden ist mit dem Staat, zahlt lieber Steuern

Wer zufrieden ist mit dem Staat, zahlt lieber Steuern

Die Mehrheit der Bevölkerung in der Schweiz ist mit dem demokratischen System zufrieden. Wer zufrieden ist mit staatlichen Leistungen, findet zudem eher die Höhe der Steuern angemessen oder sogar zu niedrig. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von comparis.ch. 

Interessant sind die Beurteilungen der staatlichen Leistungen im Kontext der Steuern. So sind 42 Prozent der Befragten zufrieden mit den Gegenleistungen vom Staat und finden die Höhe der erhobenen Steuern angemessen. Und ein Prozent meint sogar, es zahle zu wenig Steuern.

Wer eher oder sehr zufrieden ist mit verschiedenen staatlichen Strukturen und Dienstleistungen, findet tendenziell die erhobenen Steuern auch eher angemessen oder sogar zu niedrig. Das gilt jeweils für rund die Hälfte der Zufriedenen mit den Aspekten direkte Demokratie, Infrastruktur, Lebensqualität am Wohnort und Migrationspolitik.

Deutlich mehr Staatskritiker finden Steuern zu hoch

«Umgekehrt finden anteilig deutlich mehr Personen, sie zahlen zu viel Steuern, wenn sie mit dem Staat unzufrieden sind», sagt Comparis-Consumer-Finance-Experte Michael Kuhn. So finden bei allen abgefragten Dimensionen um die 70 Prozent der Staatskritiker, sie zahlen zu viel Steuern für das, was sie vom Staat als Gegenleistung erhalten.

«Man kann aus dieser Befragung nicht den Schluss ziehen, dass das Vertrauen in den Staat Steuerzahlungen fördert. Denn viele weitere Faktoren können die Bereitschaft zum Zahlen der Steuern fördern oder mindern. Dennoch dürfte ein Staat auch finanziell von zufriedenen Bürgerinnen und Bürgern profitieren», so Kuhn.

Lebensqualität mit höchster Zufriedenheitsrate

In der Schweiz ist die Zufriedenheit grundsätzlich hoch. Mit 86,8 Prozent verzeichnet das Attribut «Lebensqualität am eigenen Wohnort» die höchste Zufriedenheitsquote (eher/sehr zufrieden). Der Anteil der Zufriedenen ist dabei bei den auf dem Land Lebenden signifikant höher als bei Personen in Städten. Zudem sind die Befragten mit einem Brutto-Haushaltseinkommen von über 8’000 Franken monatlich signifikant zufriedener als solche mit einem mittleren Einkommen von 4’000 bis 8’000 Franken.

Besonders Gebildete und gut Verdienende schätzen Infrastruktur

An zweiter Stelle folgt die Infrastruktur im Land mit Strassen, Bahnnetz, Energieversorgung, Gesundheitssystem, Bildungswesen etc. Hier geben insgesamt 86,3 Prozent an, eher oder sehr zufrieden zu sein. Besonders gut Gebildete schätzen diesen Aspekt des Staates. Auch ist die Zufriedenheitsrate deutlich höher bei den Gutverdienenden im Vergleich zu den Niedriglöhnern mit einem Einkommen von bis zu 4’000 Franken im Monat.

«Zu einer breiteren Bildung gehört der Vergleich mit anderen Regierungsformen sowie der Vergleich staatlicher Infrastrukturen und der Zustände in anderen Ländern. Zudem verfügen Personen mit hoher Bildung oft über mehr finanzielle Mittel und sind entsprechend flexibler, was zum Beispiel Wohnort und Mobilität betrifft», so Comparis-Finanzexperte Kuhn.

Direkte Demokratie ist vor allem bei Männern beliebt

Das System der direkten Demokratie erreicht den dritten Platz mit 76 Prozent Zufriedenen. Männer sind dabei deutlich zufriedener als Frauen (81,9 Prozent gegenüber 70 Prozent). Auch hier ist die Unterstützung deutlich höher bei hoch Gebildeten und gut Verdienenden. Zudem sind Personen in der Romandie und in der Deutschschweiz zufriedener mit dem politischen System als Personen im Tessin (77,9 Prozent Romandie und 76,2 Prozent Deutschschweiz gegenüber 62,2 Prozent im Tessin).

Fast die Hälfte unzufrieden mit Migrationspolitik

Im Gegensatz zu den anderen befragten Dimensionen ist fast die Hälfte der Befragten mit der Migrationspolitik der Schweiz unzufrieden (47,5 Prozent gegenüber 45,9 Prozent eher/sehr zufrieden). Bei der Migrationspolitik ist eine Mehrheit der Männer (52,4 Prozent) zufrieden, jedoch nur eine Minderheit der Frauen (39,4 Prozent). Auch ist die Quote der Zufriedenen bei den unter 36-Jährigen mit 54,2 Prozent deutlich höher als bei den älteren Generationen (45,3 Prozent im mittleren Alter und 37,4 Prozent bei den über 56-Jährigen).

«Das Thema Migration polarisiert. Während ein Teil der Gesellschaft einen restriktiveren Kurs einschlagen will, plädiert ein anderer für eine bessere Integration. Die Unzufriedenheit widerspiegelt sich teils auch im Ergebnis der eidgenössischen Wahlen vom Oktober. Es wird spannend sein zu beobachten, ob das neu zusammengesetzte Parlament in der Migrationspolitik eine grössere gesellschaftliche Zustimmung als bisher erreichen kann», sagt Kuhn.

 

Spenden

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, Sie zum Denken angeregt, gar herausgefordert hat, sind wir um Ihre Unterstützung sehr dankbar. Unsere Mitarbeiter:innen sind alle ehrenamtlich tätig.
Mit Ihrem Beitrag ermöglichen Sie uns, die Website laufend zu optimieren, Sie auf dem neusten Stand zu halten. Seniorweb dankt Ihnen herzlich.
Sie können per Twint mit einer CH-Handynummer oder per Banküberweisung im In- und Ausland spenden: IBAN CH15 0483 5099 1604 4100 0

Beliebte Artikel

Mitgliedschaften für Leser:innen

  • 20% Ermässigung auf Kurse im Lernzentrum und Online-Kurse
  • Zugang zu Projekten über unsere Partner
  • Massgeschneiderte Partnerangebote
  • Buchung von Ferien im Baudenkmal, Rabatt von CHF 50 .-

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein