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Ausprobieren statt nachdenken

Ich komme nochmals auf die Sache mit dem Hobby zurück. Letztes Mal hatte ich über eine Untersuchung berichtet, die zeigt, dass es älteren Menschen besser geht, wenn sie ein Hobby haben und ich selbst seit meiner Jugend nicht recht weiss, was mein Hobby ist.

Ein Hobby gibt dem Leben einen Sinn, einen Fokus, einen Purpose. Wenn man keinen Fokus hat oder den Fokus verliert, wird es sofort viel schwieriger. Ich habe also versucht herauszufinden, was hinter dem «Hobby» steht, und bin auf den Begriff der «Passion» gestossen. Eine Passion ist etwas, das man gerne macht, das einen erfüllt. Für manche Menschen ist ihr Beruf auch gleichzeitig ihre Passion. Andere leben ihre Passion in der Freizeit beim Fotografieren oder beim Musizieren. Eine Studie der Universität Yale zeigt, dass man seine Passionen aktiv suchen muss. Man kann also nicht einfach warten und überlegen, was einem gut tun würde, sondern man sollte Dinge auszuprobieren und kleine Experimente machen, um herauszufinden, was sich als bedeutsam herausstellt. Und noch etwas Wichtiges: Es genügt nicht, den Spass und das Vergnügen zu suchen. Das gute Gefühl der Erfüllung stellt sich erst dann ein, wenn man etwas macht, das für einen selbst bedeutsam ist.

Das ist für mich klar: Meine Arbeit ist bedeutsam und meine Familie ist mir wichtig. Alles, was ich in diesem Zusammenhang mache, hat einen Sinn und gibt mir einen Fokus.

Für meine Mutter ist im Moment ihre körperliche Fitness bedeutsam, deshalb investiert sie viel Zeit ins Training und in sorgfältiges Kochen. Und auch das Zusammensein mit anderen Menschen ist für sie wichtig, deshalb pflegt sie ihre sozialen Kontakte sorgfältig.

Die Frage mit dem Hobby ist somit gelöst: Solange ich etwas habe, das für mich bedeutsam ist, dann ist es gut. Dieser Zustand hält aber nicht für immer an. Irgendwann werde ich etwas nicht mehr machen können, was mir lieb und teuer war. Dann ist es Zeit für neue Experimente, um wieder von neuem herauszufinden, was für mich bedeutsam sein könnte.

Weitere Informationen unter https://www.lifedesignlab.ch/


Dr. Antonia Jann ist Gerontologin und Organisationsberaterin. Sie informiert sich regelmässig über neue Erkenntnisse aus dem Bereich der Altersforschung. Antonia Jann führt eine Coaching-Praxis in Zürich und hat sich spezialisiert auf Fragestellungen, die Menschen in der zweiten Lebenshälfte beschäftigen.  www.jann-coaching.ch

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