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Alleinsein als Chance

Das Alleinsein wäre eine Chance, wenn da nicht die Einsamkeit lauerte. Verena Steiner macht in ihrem neuen Buch Mut, das Alleinsein als Chance zu nutzen, um den eigenen Horizont auszuweiten und als Mensch und Mitmensch zu wachsen.

In jeder Altersphase werden Momente erlebt, in denen man sich einsam fühlt. Aber Einsamkeitsgefühle können auch zu Krankheiten führen, wenn sie sich chronifizieren. In der Medienmitteilung der Pro Senectute vom 29. September 2024 leiden gemäss Altersmonitor 37% der über 85-Jährigen, 25% der 75- bis 84-Jährigen und 24% der 65- bis 74-Jährigen unter Einsamkeit.

Als die Autorin Verena Steiner im Sommer 2013 ihren Mann bei einem Bergunfall verlor, konnte sie nicht mehr schreiben. Kein Thema schien ihr interessant genug. Zweieinhalb Jahren später spürte sie, dass die tiefe Trauer nachgelassen hatte, doch es blieb eine innere Leere. Sie wollte etwas gegen diese Gefühle der Einsamkeit unternehmen und ihre Lebensfreude zurückgewinnen. In der Zentralbibliothek Zürich lieh sie sich ein Dutzend Bücher zu den Stichwörtern Einsamkeit, Alleinsein, Loneliness und Solitude aus. Sie begann eine umfassende Recherche, die sie immer weiter zu Themen wie Mut, Mitgefühl und Sinn im Leben führte. Ihre Erkenntnisse und Erfahrungen gibt sie seit Herbst 2018 an der Volkshochschule Zürich im Kurs Solo, stark und lebensfroh weiter. Nun liegt das Ganze in Buchform vor.

Sie geht im Buch auf drei Facetten der Einsamkeit ein:

1. Bei der Emotionalen Einsamkeit fehlt es an Liebe und Nähe, wie sie vor allem in der Partnerschaft, mit sehr nahen Menschen oder in einer guten Verbindung zu sich selbst erfahren werden können.

2. Soziale Einsamkeit zeigt sich im Mangel an freundschaftlichen Beziehungen und befriedigenden Sozialkontakten. Man ist sozial zu wenig eingebunden, entfremdet oder gar isoliert.

3. Bei der existenziellen Einsamkeit fehlen sinnvolle Perspektiven. Man fühlt sich leer, nicht gebraucht oder nutzlos. Es fehlt an Aufgaben oder an eigenen Projekten, für die man sich mit Herzblut engagiert.

Steiners Kernfrage in «Solo» lautet: «Wie kann ich mein Leben gestalten, was kann ich unternehmen, um mich auch solo entspannt, glücklich und rundum verbunden zu fühlen – mit mir selbst, mit meinem Tun, mit anderen Menschen und mit meiner ganzen Lebenswelt?»

Bearbeitet werden diese Fragen in sechs Teilen unter folgenden Titeln:

  • Sich eine neue Perspektive geben
  • Mutiger und stärker werden
  • Fürsorglicher mit sich selbst umgehen
  • Sich verbunden fühlen
  • Neuen Sinn gewinnen
  • Glück und Lebensfreude kultivieren

Zwischendurch werden die Lesenden immer wieder mal eingeladen innezuhalten und die eigene Situation mit ihren Herausforderungen und Chancen zu reflektieren. Die Leserinnen und Leser werden nicht nur motiviert, sich für sich selbst mögliche Handlungsweisen zu überlegen, sondern sie auch umzusetzen. So gesehen wird nicht zu viel versprochen, wenn im Buchumschlag steht: «Dieses Buch ist Anleitung und Motivation, sich mit dem Alleinsein anzufreunden.»

Die promovierte Biochemikerin Dr. Verena Steiner (geb. 1948) hat 1998 an der ETH Zürich den Lehrgang «Lernen mit Lust» aufgebaut und wurde bekannt u.a. mit ihren Bestsellern «Exploratives Lernen» und «Energiekompetenz». Für ihr Wirken wurde sie mehrfach ausgezeichnet und 2006 zur Ehrenrätin der ETH ernannt. Sie ist verwitwet und lebt in Zürich. (Foto © Rownak Bose)

Seniorweb stellte Verena Steiner drei Fragen:

Seniorweb: Verena Steiner, Sie schreiben in der Einleitung: Dieses Werk «ist aus meiner eigenen, weiblichen Perspektive als Alleinlebende verfasst.» Sind Sie der Meinung, dass es sinnvoll ist, bei einem kreativen Umgang mit dem Alleinsein zwischen männlicher und weiblicher Perspektive zu unterscheiden?

Verena Steiner: Schon, denn die Herausforderungen sind nicht ganz dieselben. Jeder soll im Buch das herauspicken, was er oder sie gebrauchen kann. Im Teil über Mut zum Beispiel, geht es darum, aus dem Haus zu gehen und zu lernen, auch mal allein etwas zu unternehmen. Sei es, allein ins Opernhaus zu gehen, eine Bergwanderung zu machen oder allein zu verreisen. Diese Dinge sind für Männer in der Regel bedeutend einfacher. Dafür sind Selbstfürsorge, der Umgang mit Gefühlen oder die Pflege von Beziehungen für Männer wohl eher schwieriger. Meine Kurse und Referate werden zu 80 bis 90 Prozent von Frauen besucht. Eine erfahrene Psychiaterin sagte mir jedoch, die Männer würden dafür umso mehr das Buch kaufen. Und tatsächlich: Die Lesermails, die ich bis jetzt erhalten habe, stammen zur Hälfte von Männern. (lacht)

Seniorweb: Ihr Erstling «Exploratives Lernen» trägt den Untertitel «Ihr persönlicher Weg zum Erfolg». Verfolgt Ihr neuestes Werk «Solo Alleinsein als Chance» nicht ähnliche Ziele?

Die Absicht ist wiederum dieselbe, nämlich einen eigenen, persönlichen Weg zu finden, dabei neugierig zu sein und die Dinge auszuprobieren. Statt ums Explorieren und Experimentieren mit individuellen Lernstrategien geht es diesmal darum, in derselben Haltung mutiger und eigenständiger zu werden und gleichzeitig ein feineres Gespür für Verbundenheit zu entwickeln. Auch Stimmungen und Gefühle besser zu regulieren und überhaupt, etwas Gutes aus dem Alleinsein zu machen. Sich damit anzufreunden und emotionale Stärke zu entwickeln. Eine Stärke, die wir auch im Hinblick auf das hohe Alter gebrauchen können, wenn die meisten der nahestehenden Menschen weggestorben sind.

Seniorweb: In Ihren Volkshochschulkursen «Solo, stark und lebensfroh» haben Sie mit den Grundideen Ihres Werks «Solo» bereits gearbeitet.  Haben Sie Rückmeldungen erhalten, dass Ihre Impulse das Leben von Teilnehmenden positiv beeinflusst haben?

Bereits während den Kurswochen erhalte ich jeweils Feedbacks, und zahlreiche Leserinnen und Leser haben bereits auf mein Buch schriftlich reagiert. Der Grundtenor ist ähnlich: Das Buch regt an, den individuellen Weg bewusster und mit klareren Vorstellungen anzugehen, sich den Herausforderungen zu stellen und nicht gleich aufzugeben. Diese Woche schrieb ein 50-Jähriger: «Ihr Buch liest sich sehr gut, gibt Mut und Zuversicht und öffnet die Augen – vorausgesetzt man ist bereit dazu.» Dazu erwähnte er, was er als erstes anpacken möchte.

Das ist es, woran mir liegt: Ich möchte Menschen unterstützen, in ihrem Leben etwas zum Besseren hin zu bewirken, selbstwirksamer und innerlich stärker, resilienter zu werden. Diese Kraft zu spüren und dabei den Humor und die Lebensfreude nicht zu vergessen!

Verena Steiner, besten Dank für das Gespräch!

Zum Titelbild: Alleinsein kann eine Chance sein oder als Einsamkeit zu einer Last werden. (Foto freepik)

Buch: Verena Steiner: Solo. Alleinsein als Chance. Embrach 2025. ISBN: 978-3-907238-44-8

Website von Verena Steiner mit Hinweisen zu Lesungen, Referaten und Veranstaltungen zu «Solo. Alleinsein als Chance.»

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1 Kommentar

  1. Ein schönes Schlusswort der Autorin des vorgestellten Sachbuches, aber eben, nichts Neues. Seit Jahrzehnten schiessen die guten Ratschläge von Sachbuchautor:innen, die im Grunde ihr eigenes Erleben bearbeiten, wie Pilze aus dem Boden.

    Die lang anhaltende Einsamkeit des Einzelnen, besonders im Alter, ist meistens eine Folge davon, dass das Umfeld, also die Gesellschaft, die Alten nicht mehr genug wahrnimmt. Dass viele einfach «aussortiert» werden, sobald die Erwerbstätigkeit endet, ist für mich das wirklich Tragische. Wer einen Partner, eine Partnerin, Familie oder gute Freunde und/oder genug Geld hat, das einem auf andere Gedanken und damit Aufmerksamkeit und Abwechslung in den Alltag bringt, leidet wohl weniger an bewusster Einsamkeit. Man kann jedoch noch so ein Leben lang mitten im Leben gewirkt und gebraucht worden sein, mit über Siebzig spätestens ändert sich der Alltag und man muss sich mit den Gegebenheiten des letzten Lebensabschnitts und mit dem nahenden Tod auseinandersetzen.

    Aber müssen wir deshalb hyperaktiv nach neuen Aktivitäten streben? Ich denke oft an die alten Leute von früher, die nach einem arbeitsreichen Leben einfach nur auf einer Bank sitzen und den «Ruhestand» geniessen. Muss man sich deshalb einsam fühlen, weil man einfach nur ist?
    Mit dem humorvollen Cartoon Büchlein von Peter Butschkow mit dem Titel «Je älter man wird, desto komischer werden die anderen», wünsche ich jedem einen Lebensabend mit viel Humor und Müssiggang nach seinem Gusto.

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