StartseiteMagazinLebensartZu Besuch bei einer Glaskünstlerin

Zu Besuch bei einer Glaskünstlerin

Das Haus von Elisabeth Mayer-Hofer zu finden, ist nicht ganz leicht. Sie wohnt mit ihrem Mann im Ortskern von Diessbach bei Büren a.A., versteckt hinter der vorderen Häuserreihe, schön im Grünen, umgeben von viel Natur – und viel Licht.

«Bei meiner Arbeit mit Glas geht es immer ums Licht. Wenn die Sonne ihre Strahlen durch das Glas schickt, wird meine Arbeit lebendig. Die kleinen Glasstücke glitzern. Wenn die Sonne weiterwandert, glitzert es an anderen Stellen. Das fasziniert mich.» So erklärt mir Elisabeth Mayer ihre Glaskunst. Ihre Begeisterung spüre ich sofort. – Was mich an dieser erfahrenen Künstlerin fasziniert, ist ihre Ausstrahlung: innere Ruhe und inneres Feuer zugleich. Sie arbeitet schon über zwanzig Jahre mit Glas, sie weiss, was sie tut. Aber sie betont: «Ich arbeite immer mit meiner Intuition. Für neue Objekte mache ich keinen Plan. Nichts ist von vornherein festgeschrieben, ausser vielleicht die Form des Ganzen.»

Blick ins Atelier. An der hinteren Wand hängt ein Werk, das nicht aus Glas besteht, sondern aus Ginkgo-Blättern. (Foto mp)

Weg zu künstlerischer Beschäftigung

Sich auf die eigenen Stärken zu verlassen, der Intuition zu vertrauen, das muss sich in Elisabeth Mayer schon als Kind verankert haben. Sie erkrankte mit fünf Jahren an Tuberkulose, und die damalige Behandlungsweise bestand darin, dass sie acht Monate im Bett lag und insgesamt anderthalb Jahre im Spital und in Kurheimen verbringen musste. Als sie schliesslich gesund war und laufen sollte, war sie unsicher auf den Beinen. «Ich musste das Gehen neu lernen», erzählt sie mir, «seitdem waren Turnen und Sport nicht mein Ding.» Zudem stellte sich heraus, dass sie Linkshänderin ist. Während sie im Bett lag und nachher kleine Zeichnungen oder Handarbeiten machen durfte, war das nicht aufgefallen. In der Schule musste sie lernen, nur noch die rechte Hand zu benutzen, was ihr die Lust am Schreiben nahm. Als Erwachsene konnte sie endlich ihre Handarbeiten mit links ausführen. – Daraus wurde später eine Beschäftigung, die ihr Freude und Befriedigung verschaffte: In ihrem Haus hängen einige grosse, ausdrucksstarke Stickteppiche.

Wandteppich gestickt (Foto mp)

Vielseitige Ausbildungen

Nach der Schulzeit wurde Elisabeth Krankenschwester, so nannte man damals die Pflegefachfrau. Kranken oder Menschen mit Beschwerden beizustehen, das gehört zu ihrem Leben, später in der Psychiatriepraxis ihres Mannes und über viele Jahre für Die Dargebotene Hand (Tel. 143). Mit einem Schmunzeln spricht sie von der Einführung des Computers im dortigen Büro: Sie empfand die Elektronik als Erleichterung, war neugierig, den Umgang damit zu erlernen, während andere sich nicht interessierten.

Lernbegierig ist sie geblieben: Vor 20 Jahren absolvierte sie einen 3-jährigen Studiengang in Gerontologie mit dem Schwerpunkt Kunst und Kreativität als Lebensbegleitung. Da zeigt sich wiederum, wie sehr ihr die künstlerische Gestaltung am Herzen liegt. Sie bietet seitdem Kurse für Frauen an, in denen sie mit verschiedenen Materialien – vor allem aus der Natur – arbeitet.

Auch im Bereich, Menschen in schwierigen Situationen beizustehen, hat sie sich weitergebildet. Von 2019 -2022 besuchte sie Kurse in Spiritual Care an der Universität Bern.

Diessbach. – Ihr erstes Glasbild, das einzige nach einer Vorlage, einer Zeichnung ihres Vaters (Foto mp)

Vom Sticken zur Glaskunst

Dass sie zur Arbeit mit Glas kam, hat mit ihrer Freundin Rosemarie Finger zu tun. Diese war die engste Vertraute des Berner Künstlers Werner Schwarz (1918 – 1994). Als 2003 posthum für diesen vielseitigen Künstler eine Ausstellung im Glasmuseum Romont FR ausgerichtet wurde, begleitete Elisabeth Mayer ihre Freundin, und ihre Faszination für die Arbeit mit Glas war geweckt. Die Farben und das Licht, beides kommt im Glasbild zum Leuchten, das entsprach ihr. Inzwischen hat sie selbst an verschiedenen Orten ihre Arbeiten ausstellen können, zur Zeit im Alterssitz Buechibärg Lüterswil.

Werkzeuge für die Glasarbeit.

Wie geht Elisabeth Mayer vor, wenn sie eine Glasarbeit beginnt – «glase» sagt sie auf Berndeutsch. Als Grundlage benutzt sie ein Plexiglasplatte. Wie erwähnt: Nichts ist geplant. Sie benutzt Materialien, die eigentlich nicht zusammengehören: teures farbiges Glas, wie es für Kirchenfenster benutzt wird. Dieses Glas stammt aus einer der wenigen Glasereien aus der nordbayrischen Oberpfalz. Für ein entstehendes Mosaik benutzt sie zuerst einen Glasschneider, dann eine spezielle Zange – Werkzeuge, die Glaskünstler stets zur Hand haben.

Natur und Glas haben nebeneinander Platz. (Foto mp)

Damit die Glasstücke auf dem Plexiglas halten, benutzt sie einen durchsichtigen 2-Komponenten-Silikonleim. Um die kleinen Mengen, die sie jeweils benötigt, abzuwägen, schenkte ihr Mann ihr eine Diabetikerwaage. Die Zwischenräume, die automatisch zwischen den Glasstücken entstehen, füllt sie mit Zement. – «Ich benutze Materialien, die gar nicht zusammengehören,» sagt sie, «und doch entsteht daraus ein harmonisches Ganzes.» Dann fügt sie noch an: «Ohne meinen Mann, Fritz Mayer-Hofer, hätte ich diese Arbeit nie wirklich in Angriff nehmen können. Er unterstützt mich bei jedem Schritt. – Und ich hätte ja mit dieser Tätigkeit nie meinen Lebensunterhalt verdienen können.»

Im Garten (Foto mp)

Den Sinn hinter ihrem Tun entdecken

Ganz wichtig ist Elisabeth Mayer der Sinn ihres Tuns. – Sie wirkt heiter und locker in unserem Gespräch, zugleich erkenne ich, dass ihr der Sinn im Leben viel bedeutet. Die Lektüre von Victor Frankl habe ihr dabei viel geholfen.

In der Arbeit mit Glas oder mit Materialien aus der Natur gehe es ihr nicht einfach ums Vergnügen, etwas Schönes, Farbiges zu fabrizieren. Jeder Schritt in der Glasarbeit habe seine Bedeutung. Sie erklärt es mir folgendermassen: «Das Licht, das uns geschenkt wird, in einem Glitzern zwischen den Gläsern, das warme Licht in einer Laterne, die Freude in einem unerwarteten Moment – das Licht ist es, was meinem Tun Sinn gibt, mich beglückt, mir Mut und Hoffnung gibt für die nächsten Schritte, im Alltag, für das nächste Objekt, – auch wenn ich vielleicht Dinge entdecke, von denen ich denke, sie hätten anders sein sollen.»

Webseite von Elisabeth Mayer-Hofer

Titelbild: © 2013-2025 Elisabeth Mayer-Hofer, natur-und-glaskunst.ch

 

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