Da ist man Abonnent in einem Fitnesscenter, stählt Muskeln und Bänder, rollt Faszien weich und trainiert Ausdauer. Und was ist der Erfolg? Hüfte, Kreuz oder Knie schmerzen bereits beim Aufstehen, sich hinknien oder nur sich bücken wird mühsam und sogar die Finger brauchen am Morgen Anlaufzeit, bis sie sich wieder leicht bewegen lassen. Alles, was jahrzehntelang bestens funktioniert hat, wird plötzlich mühsam: Gelenkschmerzen!
Was waren wir doch früher sportlich! Kein Berg zu hoch, kein Rucksack zu schwer, kein Tennismatch zu lang. Gut, manchmal gab es Muskelkater, zog es etwas im Rücken, knackte eines der über 140 «echten» und der halb so vielen «unechten» Gelenke wie zum Beispiel Bandscheiben. Und jetzt das! Ist eine Alterserscheinung, da ist man sich im Freundeskreis einig. Die Statistik belegt diese Selbstdiagnose: Rund 40 Prozent der 60-Jährigen leiden bereits an degenerativen Gelenkserkrankungen und mit der zunehmenden Zahl an Altersjahren werden es immer mehr.
Gelenkschmerzen sind (auch) eine Altersfrage
Es gibt verschiedene Ursachen. Die gängige: Arthrose. Die zumindest auf den ersten Blick erfreuliche für alle eingefleischten Sportmuffel: Jogger, Läufer und Spitzensportler zum Beispiel in Ballsportarten, leiden häufiger an schmerzenden Kniegelenken als Bewegungsfaule. Ausser diese übten ein Berufsleben lang körperlich anstrengende Arbeiten aus. Dann schlagen die Gelenke im Alter auch Alarm. Übergewicht, Verletzungen an den Gelenken, hormonelle Einflüsse und falsche Ernährung gelten als weitere Auslöser.
Arthrose und damit verbunden Gelenkschmerzen können an verschiedenen Gelenken im Körper auftreten. Viele leiden an Rückenschmerzen.
Gicht ist ein weiterer Risikofaktor. Eine Ernährung, die reich an Purinen ist, begünstigt diese Erkrankung. Purine sind chemische Verbindungen, Bestandteil von Nukleinsäure und werden für den Aufbau neuer Zellen und den Energiestoffwechsel benötigt. Der Abbau von Purinen führt im Körper zur Bildung von Harnsäure, die dann ausgeschieden wird. Werden zu viel purinreiche Nahrungsmittel konsumiert – das sind Fleisch- und Wurstprodukte, Meerestiere, Innereien, Hefe und Zucker, aber auch Tomaten – kann es in den Gelenken und im Urin zur Bildung von Harnsäurekristallen kommen. In den Gelenken führt dies zu Gichtanfällen, im Urin zur Bildung von Nierensteinen. Auch bestimmte blutdrucksenkende Medikamente, Betablocker und ACE-Hemmer tragen zu einem erhöhten Purinspiegel bei.
Schmerzgeplagten kann geholfen werden
Gelenkerkrankungen deuten, akute Verletzungen ausgenommen, in aller Regel auf einen Gelenkverschleiss hin. Wobei ein altersbedingter Abbau von Gelenkknorpel fast nicht zu vermeiden ist. Zwar können degenerativen Schäden heute mit Blutplasma, oft in Kombination mit Hyaluronsäure, zumindest gemildert werden. Aktuell versuchen Forschende, aus Knorpelzellen aus der Nasenscheidewand Ersatzgewebe zu züchten und diese körpereigenen Stammzellen zum Beispiel in ein geschädigtes Kniegelenk zu implantieren. Ist noch ein bisschen Zukunftsmusik. Ansonsten stehen einem Arzt, einer Ärztin Medikamente und Therapien, notfalls auch Operationstechniken zur Verfügung, um die Entzündungen und Schmerzen zu lindern und die Schäden an den Gelenken zumindest etwas aufzuhalten.
Gemüse und Obst und ganz allgemein ballaststoffreiche Ernährung können Gelenkentzündungen positiv beeinflussen.
Auch selbst kann jede und jeder Betroffene etliches dazu beitragen, diese Folgen des natürlichen Alterns zu mildern und einen Weg zu finden in einen möglichst schmerzfreien Alltag. Beginnen wir beim Essen. Nicht, weil das Kiefergelenk besonders schmerzempfindlich wäre! Studien haben aber gezeigt, dass eine ballaststoffreiche Ernährung, also Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst und Vollkornprodukte Gelenkschmerzen und Entzündungen positiv beeinflussen können. Denn sie stärken das Mikrobiom im Darm – ja, auch hier spielt der Darm eine Rolle! – und haben eine entzündungshemmende Wirkung.
Bewegung macht starke Gelenke
Die beste Therapie auf dem Weg zur Schmerzlinderung aber ist, nebst Medikamenten, Bewegung. Zum einen wird dabei die Muskulatur gut durchblutet, die Beweglichkeit gefördert und Hormone wie Endorphin, Dopamin und Serotonin wirksam, die erst bei körperlicher Anstrengung ausgeschüttet werden. Aber Bewegung wirkt sich auch ganz direkt auf die Gelenkknorpel aus. Durch den Druck der Bewegung wird der Nährstoffaustausch in der Gelenkflüssigkeit gefördert und gleichzeitig schädliche Abbauprodukte aus dem Gelenk gepresst.
Den Schmerzen kann man davonlaufen – oder spazieren. Hauptsache bewegen. (alle Bilder pixabay)
Bewegung muss nicht, wie in jungen Jahren, schweisstreibend und ehrgeizig sein – Schonung ist angesagt. Wer mit leichten Lockerungsübungen beginnt und sich erst mal warmläuft, wird bald merken, wie gut allein schon ein Spaziergang tut. Nordic Walking mit Stöcken, Radfahren auf dem Hometrainer oder auf ebenen Strecken, Langlauf im Winter und leichte Gymnastik, zum Beispiel mit Yoga, Pilates und Tai-Chi, beanspruchen die Gelenke ebenfalls, ohne sie stark zu belasten. Auch Schwimmen ist zu empfehlen, wobei auf Brustschwimmen verzichtet werden sollte, weil das den Nacken belastet. Aber Aquatraining, das in Kursen angeboten wird, ist super! Und super anstrengend, ohne die Gelenke allzusehr zu belasten.
Wer nach dem Aufstehen am Morgen langsam einige weiche Kniebeugen macht, sich mit verschränkten Händen zu Decke streckt und dann Wirbel für Wirbel langsam abrollt, bis der Kopf fast auf Kniehöhe ist, im Stehen die Hüften leicht kreisen lässt und zum Schluss erst über die eine dann die andere Schulter guckt, der signalisiert seinem Körper auf die sanfte Tour: Hallo Gelenke, jetzt wird gearbeitet!

Absolut einleuchtend. Für Bewegungsnaturelle sollte das kein Problem sein. Für Menschen, welche sich zwingen müssen, ist das sicher viel schwieriger. Ein Blick in die Natur zeigt: Was nicht regelmässig gebraucht wird baut sich ab.