Der Atem gehört zum Leben. Er ist der «Brennstoff» allen Lebens. Das ist eine Binsenweisheit, die uns allen bekannt ist. Gibt es «gutes» und «schlechtes» Atmen»? In wie weit beeinflusst der Atem unsere Gesundheit?
Atmen kann unser Körper von ganz allein. Mit dem ersten Atemzug, oft mit Schreien verbunden, zeigt das Baby, dass es lebt. Mit dem letzten Atemzug ist wie bei allen Lebewesen unser Leben beendet. Atmen müssen wir nicht lernen, anders als später Laufen, selbständiges Essen oder Sprechen. Im Laufe des Lebens können wir jedoch erfahren, dass es sich lohnt, auf den Atem zu achten und bewusst zu atmen.
Alle Lebensvorgänge im Körper bzw. in jeder einzelnen Zelle beruhen auf Verbrennungsvorgängen. Dazu wird Sauerstoff benötigt. Dieser muss überallhin transportiert werden. Schon der ruhende Körper braucht Sauerstoff, der aktive noch viel mehr.
Unzählige Redewendungen beziehen sich auf «Luft holen» oder «atmen».
«Bergauf komme ich schnell aus der Puste»
In der Lunge wird der Sauerstoff aus der Einatmungsluft an die roten Blutkörperchen vorübergehend gebunden und durch den Kreislauf überall in die Gewebe geschafft und dort verbraucht. Die durch die Verbrennung entstandene Kohlensäure wird nun anstelle des Sauerstoffs an die roten Blutkörperchen gebunden, wieder zur Lunge zurückgebracht und in der Atemluft gegen neuen Sauerstoff ausgetauscht. – Dies eine einfache Erklärung. Wie genau die roten Blutkörperchen in der Lunge den Sauerstoff aufnehmen, beziehungsweise das Kohlendioxid abgeben, können Biochemikerinnen oder Physiologen exakt erklären. Hier genügt es, sich bewusst zu machen, dass die Lunge das Austauschorgan für den Atem ist.
«Da verschlägt es einem den Atem»
Daraus folgt, dass wir gut für unsere Lunge sorgen sollten, wir brauchen sie bis ans Lebensende. Rauchen beispielsweise schadet der Lunge, sie kann mit der Zeit den Austausch Kohlenstoff / Sauerstoff weniger gut vollziehen. Das gilt selbstverständlich auch für andere Krankheiten der Lunge. Schon eine Erkältung kann sich in die Lunge ausbreiten und das Atmen beeinträchtigen, hoffentlich nur für kurze Zeit. Wer regelmässig achtsam atmet, kann eventuell solche Infektionen schneller überwinden. Wer Sport treibt, übt sich ebenfalls regelmässig darin, tief Luft zu holen. Übrigens kann ein gesunder Mensch mit jedem Atemzug bis zu vier Liter Luft aufnehmen.
«Einen langen Atem haben»
Stress beschleunigt die Atmung. Unser Nervensystem – besonders der Parasympathikus – aktiviert bei übermässiger Anstrengung Widerstand, als ob wir kämpfen oder fliehen müssten. Durch bewusstes, ruhiges Atmen findet der Körper wieder zu Ruhe und Entspannung. Es ist nämlich dieser Parasympathikus, der für die Entspannung des vegetativen Nervensystems sorgt.
«Eine Atempause einlegen»
Eine langsame Atmung bis tief in den Bauch aktiviert den Parasympathikus. Mit etwas Übung können wir die Ausatmung gegenüber der Einatmung verlängern und so die Beruhigung verstärken und den Stress reduzieren. Dadurch verbessert sich auch die Sauerstoffversorgung der Zellen.
Eine besondere Übung, die hilft, sich von quälenden Gedanken zu befreien, wird im Stehen ausgeführt. Foto: Niek Verlaan / Pixabay.com
Regelmässiges Üben zahlt sich aus. Sogar die Herzfrequenzvariabilität kann von einer tieferen Atemfrequenz profitieren. Diese zeigt, wie flexibel unser Herz schlagen kann. Je höher die Variabilität, desto anpassungsfähiger sind wir an Stresssituationen und desto schneller erholen wir uns davon. Auch bei Bluthochdruck oder zur Regulierung der Immunkraft ist langsames, tiefes Atmen zu empfehlen.
«Ausser Atem» («A bout de souffle» – Erinnern Sie sich an den französischen Film von Jean-Luc Godard 1960)
Atemübungen sind nicht nur Bewegungen von Brustkorb und Lunge, sondern auch Bewegungen des Zwerchfells und der inneren Organe. Indem wir beim Einatmen die Bauchdecke dehnen und beim Ausatmen den Bauch einziehen, wird der gesamte Bauchraum bewegt. – Wer das eine Weile geübt hat, wird überrascht feststellen, wie gut sich auch der Kopf mit seinen Sorgen und Emotionen klärt, wenn wir langsam tief ein- und ausatmen.
Eine Hängematte ist zur Entspannung ideal, aber nicht für tiefes Atmen, denn der Rücken ist leicht gekrümmt und drückt den Bauch etwas zusammen. Foto: pixabay.com
Atemübungen im Stehen führen oft nicht zur Entspannung, sondern eher zu Verkrampfung. Am hilfreichsten ist die Entspannungsatmung in vollkommener Ruhelage, im Sitzen oder im Liegen. Übertreibungen sind dabei in keinem Fall nützlich. Wichtig ist es, durch die Nase zu atmen und auf den Rhythmus zu achten: Beginnen Sie mit der Einatmung (langsam), machen Sie eine Atempause (Luft anhalten), bevor Sie ebenfalls so langsam wie möglich ausatmen. Grundsätzlich sollte das Ausatmen länger sein als das Einatmen, die Atempause so lange, wie es Ihnen angenehm ist. – Wie gesagt, Übertreibungen dienen der Entspannung nicht. – Schwimmen verbindet rhythmische Bewegungen mit tiefem Atmen. Es zwingt geradezu zu regelmässigem, tiefem Atmen.
«Es herrschte atemlose Stille»
Vor ca. 150 Jahren entdeckten die Naturfreundinnen und die Lebensreformer die Vorzüge des achtsamen Atmens. Bald kamen Yogalehrer aus Indien, brachten ihr altes Wissen aus den Schriften der Veden mit und lehrten ihre Schülerinnen und Schüler, wie mit dem Atem die Lebenskraft (Prana) gestärkt wird. Inzwischen sind die Vorzüge des achtsamen Atmens weitherum bekannt. Einige Krankenkassen, die Prävention fördern, bieten heute Kurse zu Atemtechnik an.
Titelbild: Die Pusteblume. Foto: Christelle Prieur / Pixabay.com
Aus den zahllosen Informationen über den Atem und den Nutzen von Atemübungen:
Atemschulung
Atemübungen gegen Stress
Yoga
