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Das stille Örtchen

Was tun, wenn es pressiert und der Eingang zum stillen Örtchen sich partout nicht öffnen will. Die Toilettenanlagen im Zürcher Hauptbahnhof – und bestimmt nicht nur dort – sind nur noch digital zugänglich. Ein Erfahrungsbericht.

Jeder grössere Bahnhof in der Schweiz verfügt über Toilettenanlagen. Sie kosten zwischen einem bis zwei Franken, dafür sind sie sauber und sicher. Bevor ich jeweils am Zürcher Hauptbahnhof eine längere Reise antrete oder zu einem Termin gehe, suche ich gerne das stille Örtchen auf. Für einen Moment bin mit mir allein und ungestört, bevor der Trubel beginnt.

Bislang hielt ich im Voraus das Kleingeld bereit. Doch seit ein paar Wochen ist das vorbei. Man kommt nur noch per Debit- oder Kreditkarte, Twint oder Smartphone zum Ziel. Das ist ja keine Sache, denke ich, und sehe wie die jungen Leute flott hineingehen. Als ich an der Reihe bin, halte ich meine Karte zum Display, aber nichts passiert. Ich versuche es auf alle Arten, gebe sogar den Pin ein, aber keine Chance. Die Glastüre öffnet sich nicht. Unverrichteter Dinge drehe ich um in der Überzeugung, etwas falsch zu machen.

Beim nächsten Mal dasselbe, dabei beobachte ich, dass ich nicht allein bin. Andere versuchen es ebenso, hantieren mit ihrer Karte ohnmächtig über diesem kleinen beleuchteten Zahlkästchen und gehen schliesslich frustriert weg. Allzulange mag man nicht pröbeln, denn die Warteschlange wird lang und länger. Doch immerhin gibt es kleine zwischenmenschliche Kontakte und Tipps, wie man es besser machen könnte.

Ich nehme mir vor, mir bei der nächsten Gelegenheit die Anleitung und den Plan an der Wand zu studieren. Doch diesmal anerbietet sich mir ein junger Mann, mich mit seiner Karte hineinzulassen, und meint, vielleicht sei meine Karte nicht kompatibel. Daran habe ich nicht gedacht, zumal sie beim Einkaufen stets funktioniert. Aber es war ein guter Tipp, und ich beantragte bei der nahen Sihlpost eine neue Karte.

Wieder ist ein Toilettenbesuch fällig. Ich nehme mir wirklich viel Zeit, die Tafeln genau zu lesen: Im Untergeschoss des Zürcher Hauptbahnhofs steht beim Aufgang zu Gleis 12/13 hinter dem Brezelkönig ein Selecta Automat, der neben Getränken und Knabbereien auch Zutrittskarten für die Bahnhoftoiletten enthält. Natürlich geht es auch hier nur bargeldlos. Aber die alte Debitkarte funktioniert, der Automat spuckt die Zutrittskarte fürs WC aus. Nun will ich es mit meiner neuen Bankkarte wissen – zücke sie, doch wieder geschieht nichts. Endlich kommt mir die Idee, es mit Twint auf dem Handy zu versuchen. Und tatsächlich öffnen sich die Tore – Heureka!

 

 

 

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1 Kommentar

  1. Ich habe mit grossem Interesse, den Artikel über die Probleme beim WC im Bahnhof gelesen. Von verschiedenen Freundinnen, sei es in Bern oder Basel oder Zürich hörte ich die gleichen schlechten Erfahrungen. Wieso kann man nicht mehr mit Bargeld CHF 2.- bezahlen?
    Es ist doch Unsinn. Und dazu noch, dass die verschiedenen Debit-Karten für ein Pipi streiken!? Danke Ruth Vuilleumier für den Artikel über ein Tagesproblem, wenn man mit der Bahn unterwegs ist.

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