StartseiteMagazinGesellschaftEinsatz in Südafrika: Mit Farben gegen den Staub

Einsatz in Südafrika: Mit Farben gegen den Staub

Kriege, Unterdrückung, Machtmissbrauch, Korruption, Terrorismus… neben all dem Bösen auf der Welt geschieht auch Gutes. Freiwillige engagieren sich in Afrika gegen die Armut, gegen den Hunger und das Elend. Kürzlich ist die Bernerin Corinne Schneuwly von einem Einsatz in Südafrika zurückgekehrt. Seniorweb hat sich mit der Oberstufenlehrerin unterhalten.

Staub liegt wie ein feiner Schleier über Hammanskraal, einem Township gut 100 Kilometer nördlich von Johannesburg. Der Ort liegt 1300 Meter über Meer. Die lokale KITA «Tokollo» bedarf dringend einer Sanierung. Der Verputz blättert von den Wänden. Die Toiletten entsprechen nicht den üblichen Hygiene-Standards und sind zudem nicht geschlechtergetrennt. Im Hof sucht man Schatten spendende Bäume vergeblich. Bevor die KITA staatliche Unterstützung erhält, müssen die Mängel beseitigen werden.

Bei der Ankunft des Helferteams: renovationsbedürftige Gebäude, zerschlagene Fensterscheiben und viel, viel Staub.

Dieses Ziel hat sich vor einem Jahr eine Gruppe junger Menschen, unterstützt durch die Stiftung «Schweiz ForAfrika», gesetzt: die KITA in Hammanskraal zu sanieren, damit die 56 Kinder und ihre Leiterin eine menschenwürdige Zukunft erhalten. In der Schweiz haben die Helferinnen und Helfer Spenden gesammelt und Gleichgesinnte gesucht, die bereit sind, bei den Arbeiten vor Ort mitzumachen.

Aus dem Schulzimmer in die Pampa

Im Aufenthaltsraum der KITA werden Buchstaben und Zahlen aufgemalt.

Angesprochen von einem Lehrerkollegen, meldete sich Corinne Schneuwly, eine 52jährige Oberstufenlehrerin aus dem Kanton Bern, spontan für einen Einsatz im November 2025 an. Dafür nahm sie unbezahlten Urlaub, organisierte eine Stellvertretung, finanzierte Flug, Unterkunft sowie Verpflegung aus der eigenen Tasche und arbeitete vier Tage lang in einer fremden Welt ohne Lohn. Ihre Passion: zusammen mit dem 15köpfigen Team (zehn Erwachsene und fünf Jugendliche) die KITA auf Vordermann zu bringen.

Der Kinderhort war vor sieben Jahren von Mama Lehlohonolo Moobeng, einer Südafrikanerin mit einem grossen Herz und einem kleinen Grundstück, eröffnet worden. Die Mädchen und Buben aus dem Dorf kommen seither dorthin, weil ihre Eltern tagsüber in den Fabriken, auf Märkten und in den Geschäften von Johannesburg arbeiten.

Mit Farben und Pinsel

Ergebnis der Arbeiten: Freundliche Kindertoiletten, frisch gestrichen.

Als Corinne und ihre Freunde in Hammanskraal eintrafen, waren die Kinder gut vorbereitet. Sie empfingen die «Weissen» mit Gesängen und freudiger Erwartung. Für das Team war nun Arbeit angesagt. Werkzeuge, Farbeimer, Pinsel, Matratzen und Decken wurden ausgeladen. Während die einen die Malerarbeiten planten, kümmerten sich andere um den Wassertank, die Toiletten und Bäume. Zehn Tage lang gehörte der trockene rote Staub zu Corinnes Alltag. „Und jedes Mal, wenn ich die Kinder sah, wusste ich: Ich bin genau am richtigen Ort“, sagt sie heute.

Gemeinsam bemalten die Helferinnen und Helfer die Wände und Räume der KITA, und sanierten die Toiletten, die nun geschlechtergetrennt sind. Auf den Mauern wurden einheimische Tiere, Zahlen und Buchstaben aufgemalt. Der Fantasie der Freiwilligen waren dabei keine Grenzen gesetzt. Die wohl härteste Arbeit war das Graben von Löchern in den harten Boden, damit die gekauften Jungbäume eingepflanzt und bewässert werden konnten.

Wenn Kinderträume wahr werden

Schlussarbeiten an der Aussenmauer.

KITA-Leiterin Lehlohonolo Moobeng wünschte sich eine grün-blaue Aussenmauer. Und mit ein bisschen Aufwand ging auch dieser Wunsch in Erfüllung: Corinne ist voller Begeisterung: Zwischen Farbdosen und Pflanzensetzlingen wuchs mehr als ein Projekt: Es entstand ein Ort, an dem Kinderträume Raum bekamen. Raum für Menschlichkeit, eine würdige Betreuung, für eine gesunde Ernährung.
Nachhaltige Ernährung

Nachhaltige Ernährung

Corinne Schneuwly mit einem der KITA-Kinder, das ihr ganz besonders ans Herz gewachsen ist.

Denn die Helferinnen und Helfer sorgten auch dafür, dass Kinder täglich einen warmen Brei mit Mineralstoffen erhalten. Für die Kinder, die bis vor einem Jahr oft hungrig in die KITA kamen, geschah ein kleines Wunder. Denn das Ernährungsprogramm ist nachhaltig, weil der Body Mass Index (BMI) regelmässig überprüft und bei Abweichungen konkrete Massnahmen ergriffen werden. «Wenn man die Kinder sieht, wie sie mit glänzenden Augen das erste Mal auf dem neuen Spielplatz toben, weiss man, wofür man hier ist», sagt Corinne.

Zwischen zwei Welten

Schwarze Kulleraugen bestaunen die weissen Helferinnen und Helfer.

Abends, wenn die Sonne am Horizont versank und die Stimmen leiser wurden, sass die Bernerin manchmal still im Freien. Dann dachte sie an ihre Klasse zu Hause, an die luxuriösen Schweizer Unterrichtsbedingungen und an die zum Teil schwierigen Schülerinnen und Schüler. «Der Kontrast ist erschütternd», betont sie und ergänzt: «Zu Hause leben wir im Luxus, in Afrika fehlt vieles, und trotzdem spüre ich dort so viel Leben, Freude, Zusammenhalt.»

Im Rückblick lacht Corinne, wenn sie von der KITA-Mama Lehlohonolo spricht, die jeden Morgen singend die Kinder begrüsst. «Diese Frau hat nichts, und sie gibt alles. Das war neben der Fröhlichkeit, Natürlichkeit und Dankbarkeit der Kinder die grösste, die schönste Lektion, die ich mitgenommen habe.» Und sie ergänzt: «Es ist unglaublich, mit wie wenig die Kinder in Hammanskraal zufrieden sind.»

Eine Erinnerung, die bleibt

Zurück in Bern, spürt Corinne die Nachwirkungen ihres Einsatzes jeden Tag: Im Unterricht mit ihren Schülerinnen und Schülern, in den Gesprächen mit den Eltern, in ihrem Blick auf das Wesentliche. «Ich habe in Afrika gelernt, was Dankbarkeit wirklich heisst und dass man manchmal mehr geben kann, als man glaubt», sagt sie.

Begeistert von exotischen Pflanzen und wilden Tieren.

Ein besonderes Erlebnis waren für die Bernerin die beiden «Game Drives» in ihrer Freizeit, Ausflüge in die Wildnis. Dort konnte sie wilde Tiere und exotische Pflanzen bewundern. Nachts schlief das Team in einer Lodge. Die Kosten dafür bestritten die Freiwilligen aus der eigenen Tasche und nicht aus den gesammelten Spendengeldern.

Schockiert erzählt Corinne von einem Spital, an dem sie mit der Gruppe vorbeifuhr, und das laut einheimischen Südafrikanern noch immer ohne fliessendes Wasser ist. Weshalb? Weil sich ein Einheimischer aus dem Spendentopf bereichert hat. Nun fehlt das Gefd, um im  Regionalspital die Leitungen an die Wasserversorgung anzuschliessen. Derzeit müssen die Pflegenden das Wasser in Kübeln ins Haus tragen.

Rückkehr in zwei bis drei Jahren?

Die farbigen Kinderhände auf der KITA-Mauer erinnern daran, dass auf dieser Welt auch Gutes getan wird, ganz im Stillen.

Vielleicht wird Corinne Schneuwly mit ihre Gruppe eines Tages zurückkehren. Der Staub von Hammanskraal, das Lachen der Kinder, die farbigen Tierfiguren, die sie mit ihren Freunden auf die rohen Wände gemalt hat: All das ist in ihren Gedanken geblieben.

Denn in einer südafrikanischen KITA haben 56 Kinder dank dem Einsatz von Freiwilligen nun eine menschliche Zukunft.

Titelbild: Corinne Schneuwly mit einem der KITA-Kinder. Alle Fotos: CS


 

KASTEN

Stiftung «Schweiz ForAfrika»

Als Partnerin der grössten afrikanischen Entwicklungsorganisation, der «ForAfrika Group», initiiert und betreut die Schweizer Stiftung Hilfsprojekte vor Ort. Durch Arbeiten in den Bereichen Ernährung und Bildung, Brunnen und Wasser, Landwirtschaft sowie Nothilfe unterstützt «Schweiz ForAfrika» lokale Gemeinschaften dabei, die Armut nachhaltig zu überwinden und eine bessere Zukunft für sich und ihre Familien aufzubauen. Geholfen wird unabhängig von ethnischer Herkunft, religiöser und politischer Gesinnung oder Geschlecht.

«Schweiz ForAfrika» ist der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht unterstellt und als gemeinnützig anerkannt. Die Organisation trägt das Gütesiegel ZEWO und gewährleistet dadurch einen verantwortungsvollen Umgang mit den Spendengeldern. (PD)

LINK

Details zum Projekt «Tokollo» der Stiftung «Schweiz ForAfrika»

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