StartseiteMagazinLebensartSperrig, stachelig, wunderschön

Sperrig, stachelig, wunderschön

Januar ist ein langweiliger Gartenmonat. Zwar liefert er manchmal zauberhafte weisse Impressionen, überzuckerte Bäume und Sträucher mit Pelzen aus Raureif. Und vielleicht spriessen an geschützten Stellen bereits die ersten Schneeglöckchen. Aber ansonsten tut sich nichts. Der Frühling scheint noch weit weg.

Nur der Ilex, die Stechpalme, die zeigt sich von ihrer schönsten Seite: Dunkelgrünes oder apart geflammtes, glänzendes Laub und dazwischen leuchtend rote Beeren. Weihnachten ist zwar vorbei, aber so richtig eignet sich die Stechpalme, anders als die Mistel, eigentlich nicht als Weihnachtssymbol. Obwohl sie das seit altersher in vielen Ländern immer noch ist. Sie ist zu sperrig, als dass mit ihr Kränze gebunden werden könnten, ihre stacheligen Blätter sind auf einem Tisch zwar dekorativ, aber auch eher trennend, und die Beeren dazu noch giftig. Und zum Küssen lädt sie auch nicht ein.

Ostern würde besser passen

Zudem symbolisieren die Beeren in der christlichen Deutung die Blutstropfen an der Dornenkrone Christi, was ja eher auf die Zeit vor Ostern hinweist. Die Vögel, am christlichen Mythos eher wenig interessiert, räumen indes an kalten Wintertagen mit den dekorativen Beeren so gründlich auf, dass an Ostern Stechpalmen nur noch grün sind.

Für die Vögel ist die Stechpalme im Winter eine willkommene Futterquelle.

Stechpalmen sind keine Kuschelpflanzen; dafür piekst ihr Laub zu sehr. Ob sie wohl deshalb so langlebig sind? So kann ein Ilex-Strauch ohne weiteres mehr als hundert Jahre alt werden und ihre Familie begrünt den Globus schon seit Tausenden von Jahren. Manchmal auch grossflächig. Zum Beispiel in der Gegend um Hollywood, die nicht ohne Grund Stechpalmenwald heisst.

Der Mörder mit der Kettensäge

Etwas Schutz – vor Menschen – braucht sie trotzdem. So wurde in den 1920er- Jahren in England das Schneiden wild wachsender Pflanzen verboten – sie waren als Weihnachtsdeko zu sehr in Mode gekommen. Und im letzten Sommer war, laut Schweizer Presse, in Oberdorf im Kanton Solothurn ein «Stechpalmen– Mörder» unterwegs, der die Sträucher gleich hektarweise umsägte. Die Polizei ermittelt.

Denn eigentlich ist Ilex eine beliebte Nutzpflanze. Schon Plinius der Ältere im ersten Jahrhundert nach Christus rühmte die «Wunderpflanze», die Gift abwenden und Wasser in Eis verwandeln könne. Und böse Geister fürchten die wehrhaften Pflanzen seit jeher. Dafür gilt sie in gewissen Kulturen als Wohnsitz der Götter. Deshalb schützt die stachelige Pflanzen Haus und Hof, Mensch und Tier vor Unfällen, Krankheiten, Blitzschlägen und vielem mehr. Früher wuchs bei jedem Gehöft, bei jedem Haus ein Stechpalmenstrauch, quasi als Feuerversicherung.

Eine Stechpalme anstelle eines Blitzableiters? ich weiss nicht.

Das Holz des sehr langsam wachsenden Strauches ist hart und kann leicht poliert werden, so dass es im Gebrauch kaum Blasen gibt an den Händen. Deshalb werden Spazierstöcke, aber auch Werkzeugstiele gerne aus Ilexholz gefertigt. Und auch der Zauberstab von Harry Potter ist aus Stechpalmenholz geschnitten.

Mate-Tee ist Stechpalmentee

Wenn auch die Beeren für Menschen giftig sind, der Rest der Pflanze wird in der Naturmedizin eingesetzt. Ein Auszug aus Ilex-Blättern soll als Tee krampflösend sein und bei Bronchitis, Verdauungsbeschweren, Rheuma und vielem mehr helfen. Umschläge aus der Rinde der Pflanze sollen bei Knochenbrüchen und sogar bei ausgerenkten Gelenken lindernd wirken. Nur eben, die Beeren, die sollten den Vögeln überlassen werden. Hingegen wird der als belebend empfundene Mate- Tee aus Blättern einer in Südamerika heimischen Ilex-Art hergestellt.

Wer eine Ilex-Pflanze kauft, kann unter Umständen lange auf die roten Beeren warten. Männliche Pflanzen tragen keine Früchte. (alle Bilder pixabay)

Wer gerne eine Stechpalme im Garten hätte, sollte wissen, dass die Pflanze sehr langsam wächst. Also eher ein etwas grösseres Exemplar kaufen. Bei uns ist der Ilex aquifolium heimisch, eine Stechpalmenart mit weit verzweigtem Familienstammbaum. Zudem ist die Pflanze zweihäusig. Das heisst, nur Frau Ilex trägt rote Beeren, die männliche Spezies ist nur dekorativ. Das kann zu Enttäuschungen führen. Wenn unvermutet wild ein kleines Ilexsträuchlein im Garten auftaucht, sollte man sich deshalb nicht zu früh freuen. Vielleicht wird es nie Beeren tragen. Und wenn doch – umso schöner.

 

Spenden

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, Sie zum Denken angeregt, gar herausgefordert hat, sind wir um Ihre Unterstützung sehr dankbar. Unsere Mitarbeiter:innen sind alle ehrenamtlich tätig.
Mit Ihrem Beitrag ermöglichen Sie uns, die Website laufend zu optimieren, Sie auf dem neusten Stand zu halten. Seniorweb dankt Ihnen herzlich.

IBAN CH15 0483 5099 1604 4100 0

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Newsletter & Mitgliedschaft

Lernen Sie uns über den kostenlosen Newsletter kennen und werden Sie Mitglied von Seniorweb.

Beliebte Artikel

Mitgliedschaften für Leser:innen

  • 20% Ermässigung auf Kurse im Lernzentrum und Online-Kurse
  • Reduzierter Preis beim Kauf einer Limmex Notfall-Uhr
  • Vorzugspreis für einen «Freedreams-Hotelgutschein»
  • Zugang zu Projekten über unsere Partner
  • Massgeschneiderte Partnerangebote
  • Buchung von Ferien im Baudenkmal, Rabatt von CHF 50 .-