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Alte (Radio-)klänge

Zu Besuch bei Daniel Scheidegger: Wer sein Privatmuseum mit zahlreichen elektronischen Geräten in Therwil (Kanton Baselland) besucht, wird automatisch an alte Zeiten erinnert.

Befinden Sie sich schon im Rentenalter? Dann wissen Sie vermutlich noch, wie in Ihrer Jugendzeit Radiohören vonstatten ging. Nach dem Drücken des Anschaltknopfs passierte ein paar Sekunden einmal gar nichts. Einzig ein grünes Licht verriet, dass (langsam) etwas in Gang kommt. Der Grund für die Verzögerung: Die Röhre musste zuerst warm werden. Erst nach dieser Funkstille ertönte endlich Musik oder eine vertraute Nachrichtenstimme von Radio Beromünster.

Ein Exemplar aus den Anfangszeiten (1910) von Grammophon, Radio und Tonbandmaschinen

Die uralten Radio- oder Tonbandgeräte haben ihren Geist längstens aufgegeben und sind wohl faktisch überall im Laufe der Zeit entsorgt worden. Im privaten Radiomuseum von Sammler Daniel Scheidegger hingegen sind noch etliche Exemplare zu bestaunen.

Kindertraum gelebt

Hier, in der Baselbieter Gemeinde Therwil, hat der selbsternannte Nostalgiker in einem Mehrfamilienhaus im Untergeschoss eine Lokalität gemietet und unzählige Fundstücke fein säuberlich notiert aufgestellt. Ein Kindertraum ist damit für den 65-Jährigen, der in wenigen Wochen pensioniert wird, in Erfüllung gegangen. «Ich wollte schon immer einmal ein kleines Radio-Museum besitzen», erzählt er. Seit den Achtziger Jahren hat er sich step by step neue Geräte angeschafft, wovon übrigens die meisten auch heute noch funktionieren sollen, wie er versichert. Das gilt allerdings nicht für das Drehscheiben-Telephon an der Wand…

Die Begeisterung für dieses Hobby kommt nicht von ungefähr, sondern ist quasi untrennbar mit seiner früheren beruflichen Tätigkeit als Radio-und Fernsehelektriker verbunden. Die einen oder anderen Gegenstände erstand der Sammler über soziale Plattformen, oder sie wurden an ihn herangetragen. Die gezeigten Gegenstände erinnern an die musikalisch- elektronische Vergangenheit von teilweise mehr als 100 Jahren – und verdeutlichen den gewaltigen Innovationsschub, den diese Branche in der Zwischenzeit durchlebt hat.

Einer der ersten Schwarz-Weiss-Fernseher von 1953

Das erste konzessionierte Radioprogramm in der Schweiz datiert aus dem Jahre 1922 – das war noch ein ganz anderes Hören als heute. Der Empfang: begrenzt und störanfällig. Es knackte und rauschte. Nichts im Vergleich zu heute mit der digitalen Qualität, klaren Klängen über DAB, Internet und Satellit und einer riesigen Auswahl an Sendern, dazu Postcasts, Webradios, thematische Streams…

Auf den Spuren von Edison

Aber damals: Röhren-Transistor-Kofferradios, Revox- Spulen-Tonbandgeräte, die erste Ausgabe eines Schwarzweiss-Fernsehers sowie ein Grammophonmöbel – ein Schaub Lorenz Recordophone aus den 50er Jahren. «Das Gerät kostete damals so viel wie ein Kleinwagen und wurde deshalb meistens als Mietgerät inklusive Service vermietet», erzählt der Sammler. «Es war mit einem Radioteil (später kam noch UKW dazu), einem Plattenspieler und einem Drahttongerät verbaut».

Besonders stolz weist Daniel Scheidegger auf ein Exemplar aus den Anfangszeiten von Grammophon, Radio und Tonbandmaschinen hin: Einen Phonographen inklusive goldiger Schrift mit dem Namen Thomas A. Edison. Dessen Leistungen bei der Einführung des elektrischen Lichts markierten den Beginn der Elektrifizierung in der industrialisierten Welt.

Trommel von Hand gedreht

Edison gilt als Erfinder vieler wertvoller Gebrauchsgegenstände, unter anderem eben auch des Phonographen. Diese Sprechmaschine besteht aus einer Trommel und aus darauf gewickelten Staniolstreifen (der sogenannten Edison-Walze), auf dem eine Schreibspitze Vertiefungen eindrückte. Beim Abspielen wurde die Trommel von Hand gedreht. Dabei bewegte die Schreibspitze eine Membrane, welche die Sprache oder die Musik wiedergab.

Ein Schaub Lorenz- Recordophone aus den 50er Jahren

«Dieser Phonograph dürfte so aus dem Jahre 1910 stammen», schätzt Sammler Daniel und zeigt auf das Objekt. Er ist per Zufall darauf gestossen, als er wegen der Reparatur eines Aufziehgrammophons, welches er in einer Brockenstube in Basel erstanden hat, einen fachkundigen Reparateur im Kanton Zürich aufgesucht hatte. Und wie es sich für ein so seltenes Exemplar gehört, musste es auch auf einen passenden Ort hingestellt werden; ein Biedermeier-Möbeli, das er sich dazukaufte.

Raum faktisch voll

Immer wieder kommt es vor, dass ihm ältere Menschen alte Radios oder Tonbänder aller Art anbieten. Doch in der Regel winkt er ab. Der noch relativ neue Raum in Therwil , rund dreimal grösser als der vorherige in Basel, macht bereits wieder einen recht gefüllten Eindruck. Für originelle ältere Geräte wäre Daniel Scheidegger aber durchaus bereit, für sie noch ein Plätzchen zu schaffen – selbst wenn es möglicherweise auf Kosten eines Anderen geht.

Öffentlich zugänglich ist da private Museum in Therwil zwar nicht. Interessierte Nostalgikerinnen oder Nostalgiker können sich aber jederzeit bei ihm telefonisch für eine Besichtigung melden. (Tel: 079 411 93 86)

Titelbild: Daniel Scheidegger (65) in seinem Privatmuseum. Fotos: Caspar Reimer

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