Es gibt Menschen, die nicht in der Lage sind, alleine zu leben. Ein paar Dutzend von ihnen trifft man im Männerwohnhaus in Basel an. Sie werden von der Heilsarmee betreut.
Franzl ist des Lobes voll. Besser könne er es nirgendwo haben, schwärmt er. Für ihn stimme hier alles, erzählt der aus Österreich stammende Senior. Mit «hier» meint der 76-Jährige das Männerwohnhaus in Basel, das vor 14 Jahren sein Zuhause geworden – und geblieben ist.
Lange Zeit deutete nichts darauf hin, dass er einmal in dieser Institution unterkommen wird. Als internationaler Berufsmusiker reiste er überall herum, war in Hotels omnipräsent, stand finanziell solide da. Doch dann sei er an falsche Freunde geraten, habe innerhalb kurzer Zeit sein ganzes ansehnliches Vermögen verloren. Auch seine Gesundheit litt.
Diverse Beeinträchtigungen
Franzl, der laut eigenem Bekunden weder kochen, Wäsche waschen noch putzen kann, ist auf externe Hilfe angewiesen. Das gilt auch für alle anderen Mitbewohner. Aufgrund psychischer, physischer oder sozialer Beeinträchtigungen sind sie nicht in der Lage, einen eigenen Haushalt zu führen. In schwierigen Lebenssituationen finden die hier wohnenden Männer im Männerwohnhaus eine Bleibe. Manchen gelingt auch ein Neustart.
Die Heilsarmee hat das Männerwohnhaus in Basel, das an attraktiver Stelle mitten im Herzen der Stadt direkt am Rhein liegt, vor 120 Jahren erworben. Mit ihrer Arbeit leistet diese Institution einen unverzichtbaren Beitrag für Menschen in Not- und Krisensituationen.
Aktuell 44 Plätze
«Bei seiner Gründung im Jahre 1906 verfügte das Männerwohnhaus über 100 Plätze. Es gab 13er und 5er Zimmer», beschreibt Thomas Baumgartner die damalige Situation. Ihm obliegt die Gesamtleitung vom Wohnen und Begleiten der Heilsarmee Basel. «Aktuell verfügen wir über 44 Plätze, davon sind 39 besetzt», listet er auf. Zehn Männer haben das Privileg, über ein Einzelzimmer zu verfügen. Die anderen sind zu Zweit untergebracht. Toilette und Dusche befinden sich auf den Etagen.
Ein paar wenige freie Plätze sind die Regel und ermöglichen, in Krisensituationen zu helfen.
Einige Bewohner bleiben nur für kurze Zeit, bis sich ihr Umfeld wieder stabilisiert hat. «Sie haben zum Beispiel ihre Wohnung verloren. Wir helfen ihnen wieder auf die Beine», so Baumgartner. Andere Männer bleiben in der Regel viel länger, oft Jahre. Der Rekord liegt bei 35 Jahren, die Altersspanne der Bewohner zwischen 23 und 81 Jahren. «Die Verteilung der Nationalitäten ist ähnlich wie bei den Bewohnern im Kleinbasel.»
Neben den erwähnten 44 Plätzen, die durch Heimtarife der Bewohnenden finanziert werden, biete die Heilsarmee noch ein paar wenige Plätze für obdachlose Männer an. Dieses Angebot werde über Spenden finanziert.
Fleisch auf dem Tisch
Selber kochen können die Männer hier nicht. Aber die Küche serviere dreimal täglich frisch zubereitete Mahlzeiten. «In der Regel nehmen die Bewohner zu, wenn sie bei uns eingetreten sind», was Thomas Baumgartner als Indiz dafür wertet, dass den Leuten das Essen schmeckt. «Bei den Männern ist es wichtig, dass es Fleisch gibt. Damit kann man sie bestens zufriedenstellen.»
Neben einem gemeinsamen Esszimmer verfügt das Haus auch über einen grossen Gemeinschaftsraum mit Fernseher.
Auch Ausschlusskriterien
Damit ein Mann ein Zimmer im Männerwohnhaus erhält, muss eine Kostengutsprache der Sozialhilfe vorliegen. «Oder jemand bezieht eine IV-Rente inklusive Ergänzungsleistungen. Dann ist die Finanzierung in der Regel gesichert», ergänzt Baumgartner.
In einem Gespräch wird anschliessend geklärt, ob jemand als Bewohner wirklich in Frage kommt. «Es gibt Ausschlusskriterien wie eine akute Suchterkrankung, akute psychische Probleme oder etwa die Ausübung von Gewalt.»
Kein Alkohol im Haus erlaubt
Die Hausordnung verbietet den Konsum von Alkohol im Haus. Wer sich nicht an die Regeln hält, wird zuerst mündlich verwarnt. Wenn das nicht fruchtet, folgt eine schriftliche Verwarnung. «Danach können wir ein Time-Out aussprechen.» Konkret bedeutet dies, dass ein Fehlbarer das Haus zum Beispiel während einer Woche nicht betreten darf. Er erhält dann eine Kostengutsprache für die Notschlafstelle sowie ein bisschen Taschengeld für die Verpflegung.
Bei wiederholten Verstössen habe man sich auch schon von Bewohnern getrennt, macht Baumgartner klar. Sei eine Kündigung unausweichlich, müsse dies der Behindertenhilfe gemeldet werden. Im vergangenen Jahr habe sich eine derartige Sanktion allerdings nicht aufgedrängt. Es gab einzig eine Gefährdungsmeldung (Prüfung einer Massnahme durch die KESB).
Frauenbesuche erlaubt
Das Haus am Rhein nennt sich zwar Männerhaus. Frauenbesuche seien tagsüber aber erlaubt. «Eine kurze An- und Abmeldung hilft uns zu wissen, wer im Haus ist.» Die Männer können das Haus mit einem Badge jederzeit betreten und verlassen. Zeitliche Beschränkungen gebe es keine.
Keiner der Bewohner arbeite extern auf dem 1. Arbeitsmarkt, wohl aber auf dem 2. Eine Mitarbeit in der Küche oder in der Hauswirtschaft des Männerwohnhauses sei möglich und werde finanziell auch geringfügig entschädigt. «Vergleichbar wie im 2. Arbeitsmarkt in Form einer Anerkennungsprämie», erklärt der Leiter des Hauses.
Thomas Baumgartner begrüsst es abschliessend ausserordentlich, dass das Männerwohnhaus am Rhein in der Bevölkerung so gut verankert ist. «Die Menschen unterstützen uns mit Kleider- und finanziellen Spenden und stricken Socken für unsere Männer.»
