StartseiteMagazinKulturMaria Pinińska-Bereś – Under the Pink Flag

Maria Pinińska-Bereś – Under the Pink Flag

In der Schweiz gilt Maria Pinińska-Bereś (1931–1999) als Neuentdeckung, in ihrem Heimatland Polen ist sie längst als Pionierin berühmt. Das Kunstmuseum Luzern widmet der feministischen Künstlerin eine umfassende Retrospektive.

Pinińska-Bereś’ künstlerisches Schaffen umfasst Skulpturen, Installationen und Performances, die sich kritisch mit Geschlechterrollen und Gesellschaftsstrukturen auseinandersetzen. Ihr Werk zeugt von den Erfahrungen einer Künstlerin, die sich während des Kalten Krieges aus dem Korsett gesellschaftlicher Zwänge und patriarchaler Ordnung befreit.


Oko / Auge, 1971, Pappmaché

Sie bricht mit den Konventionen ihrer traditionellen Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau und entwickelt eine eigene Formsprache, in die sie weiche Materialien wie Schaumstoff integriert. Die Farbe Rosa ist dabei ihr Erkennungsmerkmal.

Standar autorski / Fahne der Autorin, 1979, Stoff, Leder, Wachstuch, Sand, Holzstange, s/w Fotodokumentation der Performance Courtesy of Museum Sztuki,

Sie reagiert damit auf das im Kommunismus omnipräsente Rot und transportiert zugleich ihre feministische Botschaft. Ihre Skulpturen nehmen Raum ein, sind teils erotisch, subtil, doch gleichzeitig direkt und voller Ironie.


Wojownik / Krieger, 195 Eisen, Holz

Die Retrospektive zeigt die wichtigsten Momente in ihrer künstlerischer und emanzipatorischer Entwicklung. Beginnend mit ihren massiven Zementfiguren, den Rotundy, Anfangs der 1960er-Jahre, und später den Gorsety, die sie aus Pappmaché fertigt, lotet sie den Skulpturbegriff aus.

Rotunda z wotami / Rotunde mit Votivgaben, 1961, Zement, Stoff, Holzsockel, silberne Votive

«Ich habe das Gewicht in meinen Werken entfernt. Denn ich hatte immer davon geträumt, meine Skulpturen tragen zu können, ohne dass mir jemand (ein Mann) dabei helfen musste.»

Gorset na desce / Korsett auf Holzplatte, 1967 Holz, Pappmaché/Zellstoff,

Ende der 1960e-Jahre konzipiert sie Psycho-Miniaturmöbel, in die sie nackte weibliche Körperteile aus bemaltem Pappmaché oder Schaumstoff einfügt.


Die Arbeiten repräsentieren ihre Auseinandersetzung mit weiblicher Sexualität, ihren Freunden und ihrer Objektivierung. Ab den 1970er-Jahren bestimmt die Farbe Rosa ihre Arbeiten und sie realisiert ihre Performances in der Natur.

Krag / Kreis, 1976 Gesteppter Stoff, Pappmaché, Steine, Watte, Stroh, Holzstangen, Metallhalterung, Stoffbanner, Acryl

In diesem freien Raum kommentiert sie humorvoll wie kritisch die institutionelle Kunstwelt Polens. Vor dem Hintergrund der dramatischen politischen Situation Anfangs der 1980er-Jahre entstehen Arbeiten,  die sich mit staatlicher Unterdrückung und politischer Gewalt auseinandersetzen. Maria Pinińska-Bereś thematisiert wiederholt ihr Gefühl der Marginalisierung in der von Männern dominierten Kunstwelt: In der Fahne der Autorin kämpft sie selbstbewusst um Sichtbarkeit und Anerkennung.

Wenus z morskiej piany / Venus aus Meeresschaum, 1973 Spanplatte, Stoff Courtesy of The National Museum in Wroctaw

Die Ausstellung greift gleich zweifach in die Kunstgeschichte ein: in jene, die sich auf die Werke von männlichen Künstlern fokussiert, und in jene, die aus westlicher Perspektive geschrieben ist und dabei die facettenreiche Kunst Osteuropas im 20. Jahrhundert übersieht.


Mój uroczy pokoik / Mein hübsches kleines Zimmer,1975

Maria Pinińska-Bereś wird 1931 in Poznan geboren und wächst dort bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges auf. Als ihr Vater in den Kriegsdienst eingezogen und von sowjetischen Truppen gefangen genommen wird, flieh sie mit dem Rest der Familie mach Krakow. Unter dem Einfluss ihres Grossvaters erhält der Katholizismus  nach dem Verschwinden ihres Vaters eine starke Bedeutung für die Familie. Nach Kriegsende lebt sie mit ihrer Familie in Katowice und absolviert die Höhere Schule für bildende Künste. 1950 beginnt sie ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste. 1956 erhält sie ihr Diplom und im selben Jahr heiratet sie den Künstler Xawerv  Dunikowski. Das Paar bekommt 1958 eine Tochter Namens Bettina, die ebenfalls Künstlerin wird. Trotz  der Schwierigkeiten, die sie als Künstlerin im kommunistischen Polen erfährt, wo Zensur und eingeschränkte Meinungsfreiheit herrschten, verfolgt sie konsequent ihren Weg. Sie stirbt 1999 in Krakow.

Die Ausstellung, kuratiert von Heike Munder und Jaroslaw Suchan, dauert bis 15. November 2026

Fotos: Josef Ritler

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