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Sepp Trütsch, «Volksmusik-Papst»

Der ehemalige TV-Moderator Sepp Trütsch war das Aushängeschild von Sendungen wie «Musig-Plausch» und «Fyraabig». Zudem gilt er als Mitinitiator des legendären «Grand Prix der Volksmusik». Seniorweb hat den bald 77-Jährigen in Brunnen besucht.

Sepp Trütsch. Nennt man irgendwo seinen Namen, klingelt es (abgesehen bei den jüngeren Generationen) bei den meisten. War das nicht ein Jodler? Ein Jasser? Etwa ein Radiomoderator? Oder gar ein Fernsehmann? Lässt man den Befragten etwas mehr Zeit, kommt er hie und da – der Begriff «Volksmusik-Papst».

Erfolgreicher Moderator

Konfrontiert mit dem Titel «Volksmusik-Papst», wehrt Sepp Trütsch dezidiert ab: «Ich habe immer gesagt, dass ich lieber Kardinal wäre als Papst. Denn während es nur einen Papst gibt, gibt es mehrere Kardinäle.» Es stimme zwar, dass er ein sehr breites Wissen habe, was die Volksmusik anbelange. Und ja, er habe in seinem Leben einiges erreicht und ein grosses Publikum gehabt. Dennoch: «Ein Papst bin ich keiner».

Immerhin: Mit rund 560 moderierten Sendungen in Radio und Fernsehen hat der kernige Innerschweizer ein grosses Publikum für sich gewonnen. Allein zur Erstausstrahlung des «Grand Prix der Volksmusik» anno 1986 haben sich vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 20 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Fernsehkästen versammelt. Zusammen mit dem Österreicher Karl Moik (1938-2015) und der Deutschen Carolin Reiber (85) hat Sepp Trütsch diese so erfolgreiche Gemeinschaftssendung moderiert. Als erste Siegerin des Grand Prix der Volksmusik stand am Ende übrigens die Tessinerin Nella Martinetti (mit dem Lied «Bella Musica») fest.

Drogist statt Pfarrer

Sepp Trütsch erblickt im Mai 1949 in Schwyz das Licht der Welt. Sein Vater ist Drämmler bei der damals noch existierenden Strassenbahn Schwyz, die von Schwyz über Seewen und Ingenbohl nach Brunnen führte. Er habe eine «sehr sehr schöne» Kindheit verbracht, erinnert sich Trütsch. Auch sei er ein «sehr sehr guter» Schüler gewesen, sodass er nach seiner ordentlichen Schulzeit das «Kollegi», also die Kantonsschule Kollegium «Maria Hilf», hat besuchen können.

Ursprünglich habe man von ihm erwartet, dass er Pfarrer werden würde. Doch weil er dazu hätte Griechisch büffeln müssen («was mich ehrlich gesagt angeschissen hat»), wird daraus nichts. Zu einem Schlüsselerlebnis wird ein Praktikum in den Sommerferien, wo er in einer Schwyzer Drogerie Drogistenluft schnuppern kann.

Nun weiss er, was er werden möchte. In einer Drogerie in Arth Goldau kann er eine Lehre beginnen. Dazu sagt Sepp Trütsch: «Das Zusammenmischen von Kräutern hat mich damals sehr fasziniert». Nach seiner Lehre heuert er in einer Apotheke in Hasle-Rüegsau an; ebenfalls engagiert er sich im pharmazeutisch-medizinischen Dienst.

Erfolgreiches «Grand Prix Volksmusik»-Trio (von links): Karl Moik, Carolin Reiber und Sepp Trütsch. Bild zVg

Per Zufall zu den Medien

Schon damals habe er Freude an der Volksmusik gehabt, berichtet Sepp Trütsch. Doch erst dank seiner Apotheker-Stelle im Emmental kommt er in Kontakt mit Jodelklubs, u.a. jenem in Hasle-Rüegsau und in Bern. Dort, in der Bundesstadrt, wird er anno 1979 durch den Dirigenten Ruedi Marbacher entdeckt, der gleichzeitig bei Radio DRS als Leiter des Ressorts Volksmusik tätig ist.

Zuerst als freier Mitarbeiter, dann als Redaktor und Moderator steht er bei Radio SRF und bald beim Schweizer Fernsehen im Einsatz. Von 1984 bis 1987 amtet er zusätzlich als Redaktionsleiter Folklore. Trütsch präsentiert die Sendungen «Musig-Plausch», «Fyraabig» und «Wie die Alten sungen». Zudem gehört er zu den treibenden Kräften bei der Lancierung des «Grand Prix der Volksmusik».

Vom Fernsehen in die Gastronomie

Nach seinem Abgang bei SF DRS übernehmen Ida und Sepp Trütsch 2008 als Hoteliers das Schwyzer Traditionshaus «Wysses Rössli». Zudem engagiert er sich bei einem Unternehmen, das im Bereich Events und Musik aktiv ist. Neben seinen Gastronomie-Tätigkeiten organisiert er volkstümliche Veranstaltungen und musikalische Kreuzfahrten. Und er veröffentlicht diverse Tonträger, Bücher und Spiele.

Seit seiner schweren Darmtumor-Erkrankung im Jahre 2010 ist es um den einstigen «Hansdampf» Sepp Trütsch ruhiger geworden. Heute erfreut sich der beliebte 77Jährige wieder einer recht guten Gesundheit. Allerdings: «Ich realisiere schon, dass ich älter werde», konstatiert er bei unserem Besuch in Brunnen SZ. «Ich gehe wenn immer möglich täglich laufen und einmal pro Woche golfen».

Das Musikgeschehen verfolgt er noch immer mit Interesse. Und: «Meine Frau tanzt usinnig gerne. Ich nicht, aber ich opfere mich…», sagt er mit einem schelmischen Lächeln im Gesicht.

Trütsch pflegt nach wie vor seine Freundschaften und reist gerne. Er ist Mitglied bei der Männerbundgesellschaft «Schlaraffia», bei diversen Weinbruderschaften, bei der «Luzerner 100-Kilogramm-Zunft» (obwohl er nur noch etwas mehr als die Hälfte dieses Gewichts auf die Waage bringt) sowie bei den «Chaine des rotisseur». Nein, langweilig werde es ihm so nicht.

Im Juni ans Eidg. Jodelfest

Doch, das Eidgenössische Jodelfest im Basel werde er besuchen, verrät Sepp Trütsch. Allerdings nicht als aktiver Jodler, nur als Zuschauer. «In meinem Alter habe ich die Stimme nicht mehr und ich kann meine Ansprüche an mich selber nicht mehr einlösen», erklärt Trütsch, der im Jahr 2019 noch den Ehren-Prix-Walo erhalten hat.

Er werde aber in Basel wohl kein weisses Hemd anziehen, scherzt er. Auf die Frage weshalb antwortet er lachend: «S chlopfed der all uf d Schultere und säge, es isch denn schon o huereguet gsi früener…». Übersetzt heisst das etwa: Weil so viele ihm mutmasslich auf die Schultern klopfen werden, könnte das weisse Hemd wohl rasch nicht mehr so blütenweiss sein…

Sepp Trütsch, was könnte/sollte man tun, um die Volksmusik in der Schweiz wieder etwas populärer zu machen? Braucht es wieder eine Volksmusiksendung?

Sepp Trütsch: «Es ist einfach nicht gut, dass man die Volksmusik in der Schweiz derart an den Rand drängt! Deshalb braucht es (wieder) eine entsprechende Sendung. Es ist wurst, wie man sie betitelt – aber machen sollte man sie! Denn es gibt so viele Menschen in der Schweiz, die Freude haben an der Volksmusik.»

Fotos Christian Roth

 


Drei Tage voller Volksmusik

Drei Tage lang steht Basel ganz im Zeichen von Tradition, Musik und Geselligkeit. Unter dem Motto «Stadt und Land mitenand» treten über 12000 Aktive in den Sparten Jodelgesang, Alphornblasen und Fahnenschwingen auf.

rob. Aller guten Dinge sind drei, sagt man. Tatsächlich: Basel-Stadt nimmt nach 2020 und 2021 den dritten Anlauf zur Durchführung des Eidgenössischen Jodlerfests. Weil die ersten beiden Termine wegen der damaligen Corona-Pandemie haben abgesagt werden müssen, findet das EJF nun vom 26. bis 28. Juni 2026 in der Grossbasler Altstadt statt. 2023 war Zug als Austragungsort bereits gesetzt.

Übrigens: Dass der dreitägige Event nun doch noch in Basel über die Bühne geht, ist dem Bernisch-Kantonalen Jodlerverband zu verdanken. Denn im Grunde genommen hätte das Fest in Bern stattfinden sollen. Doch die Verantwortlichen in Bern entschieden vor bald vier Jahren, zugunsten von Basel auf die Durchführung zu verzichten.

Am Rheinknie erwartet werden in den drei Tagen gut 10000 Aktive und um die 200000 Besuchende. Laut dem ehemaligen Basler Regierungsrat und OK- Präsidenten Carlo Conti hat der Grossanlass «die Dimensionen der Basler Fasnacht».

Die Festivitäten konzentrieren sich zur Hauptsache auf den Petersplatz. Dort entsteht ein «Jodlerdorf» mit urchigen Chalets. Entlang des Petersgrabens lockt die «Jodler-Meile» mit Festständen. In den Gassen und Hinterhöfen der Altstadt zwischen Peters- und Marktplatz soll eine Begegnungszone zwischen Aktiven und Festbesuchern entstehen, wo abends Platzkonzerte stattfinden.

Aus der ganzen Schweiz werden zahlreiche Jodlerklubs, hunderte Alphornerinnen und Alphorner sowie etwa 200 Fahnenschwingerinnen und -schwinger nach Basel reisen. Die rund 1200 öffentlichen Bewertungsvorträge – etwa 600 im Jodeln und 400 beim Alphornblasen finden in zehn Basler Kirchen und im Stadtcasino statt. Die Alphornbläser lassen sich ihre Auftritte beim St.-Johann-Schulhaus und die Fahnenschwinger in der Turnhalle des Leonhard-Schulhauses bewerten. Von den gut 600 Jodel-Vorträgen fallen gemäss Medienchef Daniel Buser rund 350 auf Jodlerklubs.

Der offizielle Festakt des 32. Eidgenössischen Jodlerfests wird am Sonntagmorgen auf dem Basler Markplatz vor dem Rathaus stattfinden. Neben Festreden wird man u.a. das Christoph Walter Orchestra, den Jugendjodelchor der nordwestschweiz, das Solistenensemble «Jodel meets Classic», die Polizeimusik Basel, die Alphorngruppe von Lisa Stoll sowie gesamtchoraufführungen zu hören und sehen bekommen. Dafür werden auf dem Marktplatz drei Tribünen für insgesamt über 1000 Personen aufgebaut.

Am Festumzug am Sonntagnachmittag ziehen zudem über 1500 Teilnehmende in 60 Einheiten von der Freien Strasse über den Marktplatz und die Mittlere Brücke bis zum Messeplatz.

Jodeln, Alphornen, Fahnenschwingen

Für die Durchführung in Basel rechnet das Organisationskomitee mit einem Budget von fünf Millionen Franken. Die Wertschöpfung, die das EJF für Basel-Stadt mit sich bringt, schätzen die Verantwortlichen auf 15 bis 20 Millionen Franken.

Stellt man sich die Frage, ob Jodler, Alphornbläser und Fahnenschwinger in Basel am richtigen Ort sind, sollte man bedenken: Schon das allererste Eidgenössische Jodlerfest anno 1924 fand in Basel statt. In den besten Zeiten gab es in Basel rund 20 Jodelclubs. Oft sind diese von Zugezogenen gegründet worden, die für die Arbeit aus Berg- und Landregionen in die Stadt gezogen waren.

Heute sind allerdings im Nordwestschweizerischen Jodlerverband nur noch zwei Jodlergruppen im Kantonsgebiet von Basel-Stadt registriert. Mit dem Festmotto «Stadt und Land mitenand» wollen die Organisatoren deshalb zur Annäherung der urbanen an die volkstümliche Welt beitragen.

www.jodlerfestbasel.ch

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