Der Graue Star ist eine recht häufige Erkrankung der Augen, die heutzutage gut behandelt werden kann. Besonders mit zunehmendem Alter kann sich die Linse trüben, so dass die Sehschärfe abnimmt und die Pupille grau wirkt.
Als mir der Augenarzt vor vielen Jahren sagte, ich hätte Grauen Star – die korrekte Bezeichnung lautet Katarakt -, erschrak ich. Erstens fühlte ich mich damals wirklich noch nicht alt und zweitens hatte ich vollkommen überholte Vorstellungen von der Behandlung dieses Augenleidens.
Zunehmendes Alter, lernte ich dann, begünstigt den Prozess der Linseneintrübung. Die cataracta senilis ist deshalb eine der häufigsten Formen des Grauen Stars. Aber der kann schon früh eintreten, als Beispiel nannte man mir einen 29-jährigen jungen Mann. Was mein völlig veraltetes Bild von der Behandlung betrifft, weiss ich nicht mehr, aus welchem historischen Werk ich diese Vorstellungen in Erinnerung hatte.
Langsame Verschlechterung
Der Graue Star schleicht sich ein, denn dass die Linsen – meistens beide gleichzeitig – trübe werden, merkt die betroffene Person erst allmählich. Man sieht verschwommen, was vorher klar war, und die Augen reagieren auf blendendes Licht empfindlicher. Wer wie ich schon seit Kindheit kurzsichtig ist, denkt zuerst, dass nun eine Brille mit stärkeren Gläsern nötig wäre. Der aufmerksame Optiker stellte damals fest, dass er auch mit neu angepassten Gläsern nichts verbessern konnte und schickte mich zu einem erfahrenen Augenarzt. So bekam ich es mit dem Grauen Star zu tun.
Alfred Stevens, Die kurzsichtige Frau. 1903, Gemälde Öl auf Leinwand / wikimedia.org
Woher kommt eigentlich die missverständliche Bezeichnung für die Trübung der Linse? «Star», der deutsche Begriff, könnte sich darauf beziehen, dass der Mensch mit einem Grauen Star mehr starren muss, um etwas zu erkennen. Es gibt noch andere nicht gesicherte Begriffserklärungen. Schon seit der Antike beschäftigten sich die Ärzte vor allem im Mittelmeerraum mit dem Phänomen. Die Bezeichnung Katarakt, was nichts anderes als «herabstürzendes Wasser» bedeutet, geht darauf zurück.
Ärztliche Forschungen seit der Antike
Eine andere, heute nicht mehr gültige Erklärung lieferte schon im 7. Jahrhundert der byzantinische Arzt Paulos von Aigina: «Der Star ist eine Ansammlung von zäher Flüssigkeit an der Hornhaut im Bereich der Pupille, die das Sehen oder das deutliche Sehen behindert.»
Noch älter sind die ärztlichen Versuche, die Linsentrübung zu beheben. Die Ursache und eine sinnvolle Behandlung wurden noch lange nicht gefunden.– Der Begriff «den Star stechen» war mir aus alten Schriften bekannt und hatte mich erschreckt, als ich die Diagnose bekam.
Seit langem, insbesondere in den letzten Jahrzehnten, hat sich die Augenheilkunde zu einer ausgefeilten Methode mit feinsten technischen Hilfsmitteln entwickelt. «Gestochen» wird schon längst nicht mehr. Mit Medikamenten kommt man dem Grauen Star auch nicht bei, notwendig ist eine Operation, bei der die trübe Linse entfernt und durch eine neue Kunststofflinse ersetzt wird. – Heutzutage eine Routine-Operation, die in Deutschland ungefähr 500’000-mal pro Jahr durchgeführt wird. (Zahl ohne Gewähr)
Viel Erfahrung und raffinierte Technik
Dabei wird in einem feinen Kanal durch den Augapfel die alte Linse entfernt – es gibt dafür verschiedene Vorgehensweisen. Dann wird die noch eingerollte Kunstlinse durch eben diesen feinen Kanal in die sogenannte Linsenkapsel eingeführt. Das ist Hochpräzisionsarbeit, inzwischen Routine für die operierende Augenärztinnen und -ärzte, in Kombination mit der stets geforderten Sorgfalt.
Beispiel einer Kunststofflinse (gefaltete Intraokularlinse), die mit der ursprünglichen ergrauten Linse ausgetauscht wird.
Zuvor hatte mein Augenarzt meine Augen genau ausgemessen und für die beiden neuen Linsen eine kluge Entscheidung getroffen: Meine Kurzsichtigkeit wurde verbessert. Ich benötige seitdem keine dicken Brillengläser mehr, sondern nur noch dünnere, leichtere. Aber er hatte die Linsen so bemessen, dass ich ohne Brille, ohne Gleitsichtgläser, lesen kann, auch das Kleingedruckte, und das bis heute.
Wie die Operation durchgeführt wird, muss die Ärztin bzw. der Arzt mit Ihnen persönlich besprechen. Meine Augen wurden, jeweils nur mit Lokalanästhesie, einzeln behandelt, zuerst das schwächere, dann das weniger kurzsichtige. Dazwischen fuhr Orkan Lothar durchs Land.
Grauer Star tritt im Alter häufig auf
Katarakt-Operationen zählen heute weltweit zu den am meisten durchgeführten chirurgischen Interventionen überhaupt. Komplikationen können auftreten, und man sollte sich unbedingt an die Anweisungen der Ärztin oder des Arztes halten, besonders wenn man noch mit anderen physischen Beeinträchtigungen zu tun hat. Es hängt schliesslich vom allgemeinen Gesundheitszustand ab, wie gut sich eine Person nach einer Kataraktoperation erholt. – Umso grösser ist schliesslich die Freude, wieder klar und scharf zu sehen und besonders die Farben wieder viel intensiver wahrzunehmen.
Eine andere Augenkrankheit, der Grüne Star, medizinisch: Glaukom, hat nichts mit dem Grauen Star gemeinsam. In Entstehung und medizinischer Behandlung unterscheiden sich die beiden «Star-Krankheiten» grundsätzlich.
Titelbild: Vorgespräch bei der Augenärztin (Symbolbild).
Bilder (wenn nicht anders vermerkt): pixabay.com

Sehtrainig kann helfen! Auch bei anderen Einschränkungen. War grad in einem Seminar für Augenfitness in der Akademie am Meer auf Sylt.