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Sina geht im Aargau fremd

Die Walliser Mundart-Sängerin Sina liebt den Aargau. Sie lebt am idyllischen Hallwilersee und tritt nun auch im Aargau auf. Für einmal nicht mit ihrer Band, sondern mit dem argovia philharmonic unter der Leitung von Jonas Ehrler. Wir haben mit ihr über dieses «Fremdgehen» mit der Klassik gesprochen.

Sina, Sie stammen aus dem Wallis, leben aber am Hallwilersee. Wie ist es dazu gekommen?

Sina: Es war die Liebe. Mein früherer Produzent und heutiger Mann lebte an diesem schönen Flecken. Seit über zwanzig Jahren ist das Seetal nun auch meine Heimat

Wie fühlt es sich an, wenn Sie als Pop-Sängerin von einem Sinfonieorchester begleitet werden?

Es ist ein ganz anderes Gefühl, als wenn ich mit einer Band auf der Bühne stehe. Vom Klangkörper her, und von der Grösse der Begleitformation. Es ist, als würde man von einer Welle getragen, von diesem dreidimensionalen Sound, in dem die Stimme mit dem Orchester verschmilzt. Das ist schon einzigartig. Pop und Klassik funktionieren im Grundsatz sehr verschieden. Der Sound einer Popband ist direkt, rhythmisch, oft elektrisch. Ein Orchester dagegen organisch, es atmet mehr.

Sie hatten schon früher mit der Klassikszene Kontakt, 2017 lancierten Sie das Projekt «Pop trifft Klassik». Wie kamen Sie dazu?

Ich arbeite seit Jahren immer wieder mit klassischen Formationen zusammen. Und verwende auch in meinen Songs verschiedentlich klassische Elemente. Ein erstes grosses Projekt war «Songs & Symphonie» mit Michael von der Heide. Das Symphonische Orchester Zürich hatte uns 2010 dafür angefragt. Wir traten unter anderem in der Tonhalle Zürich auf, wo Michi und ich eigene Songs, Covers und Duette sangen.

Mit dem argovia philharmonic sind Sie schon mehrmals aufgetreten.

Ja, seit genau zehn Jahren gibt es regelmässige musikalische Begegnungen mit dem Orchester. Das ist immer eine Freude und hochprofessionell. Es freut mich, dass es nun, unter dem Intendanten Simon Müller, wieder zu einer Zusammenarbeit kommt.

Markus Kühne hat für diesen Auftritt die Orchester-Arrangements gemacht. Worauf hat er dabei geachtet?

Kühne ist klassischer Flötist und Saxophonist. Er ist, zusammen mit dem Arrangeur Philip Henzi, stark in die Produktion involviert, als Brückenbauer zwischen den Stilen.

 

Sie singen in Ihrer Mundart, in «Wallisertiitsch». Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Das hat sich erst mit der Zeit ergeben. Ich habe zehn Jahre lang nach dem gesucht, was meine künstlerische Persönlichkeit ausmacht. Das waren wichtige Lern- und Wanderjahre. Zuerst versuchte ich mich in Englisch und Hochdeutsch, bis ich entschied: Ich will mich in meiner Sprache ausdrücken. Meinen ersten Mundartsong habe ich mit Dreizehn geschrieben. Mit 27 habe ich dann meine erste Mundart-CD herausgebracht.

Wie war die Reaktion darauf?

Dadurch, dass es damals wenig Frauen gab im Mundartbereich und ich die Erste war, die Walliserdeutsch in der deutschen Schweiz bekannt machte, war die Aufmerksamkeit gross. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass das Album so schnell die Hitparade stürmen würde. Ich musste dann sehr schnell eine Band zusammenstellen (lacht). Der Pfarrerssohn als oft gespielter Titel kam unterschiedlich an. Im katholischen Wallis war der Start etwas holprig. Als die übrigen Radiostationen das Lied dann spielten, zog das Wallis nach.

Wer schreibt die Texte zu Ihren Songs?

Lustig, dass ich diese Frage im Gegensatz zu meinen männlichen Kollegen so oft gestellt bekomme. Ich schreibe einen Grossteil meiner Texte selbst. Daneben arbeite ich auch gern mit Instrumentalisten, und wir entwickeln die Songs im Teamwork. Auf dem Album «Ziitsammläri» war das Konzept, dass ich mit Autoren und Autorinnen über die Zeit schreibe, zum Beispiel mit Sibylle Berg, Bänz Friedli und Simone Meier.

Sie treten gerne mit der Akkordeonistin Patricia Draeger auf, so auch bei der Lenzburgiade. Was schätzen Sie am Akkordeon?

Das Akkordeon bietet eine ganze Welt an Klängen und Stilen. Patricia ist als Puls wichtig und auch für den Groove zuständig. Wir arbeiten seit Jahren zusammen, mit ihr zu musizieren ist ein grosses Vergnügen. Sie ist eine Virtuosin, auch in der Improvisation, und sie beherrscht jeden Stil, von Zigeunermusik bis zum Zäuerli. Für uns alle werden diese stilübergreifenden Konzerte ein besonderes Erlebnis, auf das ich mich sehr freue.

argovia philharmonic meets Sina: Fr, 5. Juni, Baden, Kurtheater; Sa, 6. Juni, Aarau, Alte Reithalle; Fr. 19. Juni, Lenzburg, Schlosshof, jeweils 19.30 h.
www.argoviaphilharmonic.ch

 

 

 

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