StartseiteMagazinGesellschaftRosa Parks – Mutter der Bürgerrechtsbewegung

Rosa Parks – Mutter der Bürgerrechtsbewegung

Rosa Parks wurde berühmt, weil sie sich am 1. Dezember 1955 weigerte, ihren Sitzplatz in einem Bus für einen weissen Fahrgast zu räumen. Ihre mutige Tat und ihre darauffolgende Festnahme lösten den historischen Busboykott aus und führten zur Bürgerrechtsbewegung in den USA. Erstmals erscheint ihre Autobiografie auf Deutsch.

Über Rosa Parks (1913-2005) gibt es Filme und Bücher. Ihre Autobiografie My Story schrieb sie 1992. Doch erst jetzt erscheint diese erstmals in deutscher Sprache. Jetzt, wo man sich kaum mehr an die Rassentrennungsgesetze in Amerika erinnert, an die Einschränkungen und Erniedrigungen, denen Schwarze Menschen ausgesetzt waren: Sie durften nicht dieselben Schulen, Restaurants oder Kinos besuchen. Dennoch putzten sie die Häuser der Weissen, arbeiteten auf deren Feldern, weil es nur wenig Möglichkeiten gab, Geld zu verdienen.

Rosa McCauley kam 1913 in Tuskegee, Alabama, in den Südstaaten der USA zur Welt. Gemeinsam mit ihrem Bruder wurde sie von ihrer Mutter und den Grosseltern aufgezogen. Der Vater war 1915 in den Norden gezogen. Bis zu ihrem elften Lebensjahr unterrichtete sie ihre Mutter, die Lehrerin war, danach besuchte Rosa die Schule in Montgomery, Alabama. 1933 machte sie den Highschool-Abschluss. Die meiste Zeit ihres Lebens arbeitete sie als Näherin.

1932 heiratete sie Raymond Parks, der in der Bürgerrechtsorganisation NAACP, der Nationalen Organisation für die Förderung farbiger Menschen, mitwirkte. Auch Rosa engagierte sich hier aktiv und organisierte Workshops. Schon als Kind war ihr von der Grossmutter eingetrichtert worden, dass man sich gegen Demütigungen im Alltag nicht wehren darf, erinnert sie sich. Gegenwehr war lebensgefährlich – sogar noch heute, wie die Black-Lives-Matter-Bewegung zeigt. Lynchmorde waren damals alltäglich. Alabama war einer der Staaten mit den meisten Vorfällen.

Für die Schwarze Bevölkerung war die Segregation in den Bussen besonders stossend: Die hinteren zehn Plätze waren für Schwarze Menschen vorgesehen, die vorderen zehn für Weisse. Die mittleren Sitze durften beide benutzen, mussten jedoch für weisse Passagiere geräumt werden, sobald der Fahrer dies anordnete. Auf einem dieser Plätze sass Rosa Parks, als der Fahrer sie aufforderte, den Platz freizugeben, weil ein weisser Mann sich setzen wollte. Drei Personen standen sofort auf. Es hätte Platz gehabt, aber es ging nicht um den Platz, sondern um Macht und Unterordnung.

Der Bus Nr. 2857, in dem Rosa Parks festgenommen wurde; ausgestellt im Henry-Ford-Museum in Dearborn, Michigan. Foto: Wikimedia Commons

An diesem 1. Dezember 1955 blieb Rosa Parks sitzen. Nicht weil sie von der Arbeit müde war, erzählt sie: «Nein, ich hatte es einfach satt, nachzugeben.» Die Polizei verhaftete sie und sie kam ins Gefängnis. Sie hatte Glück, wurde nicht geschlagen und kam noch am gleichen Abend wieder heraus; ein Freund zahlte die Kaution. Dass ihr Fall ein Meilenstein bezüglich der Rassentrennungsgesetze werden könnte, war ihr nicht bewusst, schreibt sie in ihrer Biografie. Ähnliche Vorkommnisse gab es bereits früher. Doch Rosa Parks stellte sich als Klägerin für einen Musterprozess zur Verfügung und hielt dem enormen Druck stand.

Rosa Park beim Erkennungsdienst am 22.2.1956 in Zusammenhang mit der Anklage wegen des Busboykotts in Montgomery. Foto: Gene Herrick/Adam Cuerden, Wikimedia Commons

Alle ihre Kampfgefährten der NAACP, des Women’s Political Council, der Pfarrer der First Baptist Church und der junge Reverend Martin Luther King jr. schlossen sich zusammen und organisierten nach fruchtlosen Gesprächen mit der Stadt Proteste und einen Boykott: Leere Autobusse fuhren fortan mit wenigen weissen Passagieren durch die Gegend, und das während fast eines Jahres. Die Schwarze Bevölkerung behalf sich mit alternativen Fahrgelegenheiten. Erneut wurde Rosa Parks wegen des Boykotts angeklagt. Doch am 13. November 1956 erklärte der Oberste Gerichtshof, dass Rassentrennung in Bussen in Montgomery verfassungswidrig ist. Andere Städte starteten eigene Boykotte gegen ihre segregierten Busse. Die Bürgerrechtsbewegung nahm ihren Anfang.

Nach dem Gerichtsentscheid nahmen für Rosa Parks und ihre Familie Drohanrufe zu, deshalb zogen sie nach Detroit. Rosa Parks unternahm ausgedehnte Vortragsreisen, beteiligte sich an Aufmärschen und Demonstrationen auch im Süden. 1963 war sie beim Marsch auf Washington dabei, als Martin Luther King seine berühmte Rede «Ich habe einen Traum» hielt.

Martin Luther King auf dem Marsch auf Washington, 1963. Foto: Rowland Scherman/Adam Cuerden, Wikimedia Commons

In ihren Aufzeichnungen beanstandet Parks, dass von den Frauen nur die Sängerinnen Mahalia Jackson oder Josephine Baker die Stimme erheben durften, und meint, «heutzutage würden sich Frauen nicht mehr damit abspeisen lassen, so in den Hintergrund gedrängt zu werden, aber damals waren Frauenrechte noch kein grosses Thema.» Vom Attentat auf Martin Luther King am 4. April 1968 hörte sie am Radio. Die Bürgerrechtsbewegung bewirkte indessen, dass Präsident Lyndon B. Johnson den Civil Rights Act von 1964 unterzeichnete, der den Afroamerikanern das Wahlrecht garantierte und die Segregation im Süden beendete.

Rosa Parks, 1997. Foto: John Mathew Smith Wikimedia Commons

In den 1970er Jahren starben Rosa Parks Mann, ihre Mutter und ihr Bruder, alle waren schwer krank. Auch um ihre Gesundheit stand es nicht zum Besten, schreibt sie. Dennoch gründete sie 1987 das Rosa and Raymond Parks Institute for Self-Development, eine Organisation zur Förderung junger Afroamerikaner mit Weiterbildungsangeboten. Sie wünschte «der Jugend dasselbe Gefühl von Hoffnung, Stolz und Würde, das meine Familie und meine Lehrerinnen mir mitgegeben haben.»

Rosa Parks stirbt 2005 92jährig in ihrer Wohnung in Detroit. 2008 wird sie in die Alabama Women’s Hall of Fame aufgenommen, 2021 platziert Präsident Biden eine Büste von Rosa Parks im Oval Office, zudem wird sie in zahlreichen Songs verewigt. Rosa Parks’ Kampf war mutig. «Er kann nicht gebührend gewürdigt werden, wenn man die Brutalität dieser Zeit mitdenkt», schreibt Alice Hasters im Vorwort. Rosa Parks selbst erlebte Fortschritte in der Gesetzgebung, erkannte aber, «in den Herzen sehr vieler weisser Menschen haben wir noch keine Veränderung erreicht.»

Rosa Parks, «Meine Geschichte», Autobiografie, mit Jim Haskins, Vorwort von Alice Hasters, übersetzt von Sonja Bonin, Unionsverlag, Zürich, 2026, ISBN 978-3-293-00641-6

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