Dieser Sommer war für den Garten ein Härtetest. Wer oder was hat ihn bestanden und was ist durchgefallen? Langsam wird es Zeit für eine Bestandesaufnahme. Denn wenn man den Klimaforschenden glaubt, werden solche Hitzeperioden in Zukunft häufiger.
Da ich weder Fachfrau für Meteorologie noch für Klimawandel bin, kann ich mich nur in meiner näheren Umgebung, vor allem im eigenen Garten, orientieren. Auch wenn in meiner Gemeinde keine Einschränkungen beim Wasserverbrauch angeordnet worden sind, hat sich unsere Hausgemeinschaft stillschweigend darauf geeinigt, nur dort zu giessen, wo es wirklich nötig ist
Das sind die Topfpflanzen und die drei Hochbeete, die bewirtschaftet werden. Alles übrige wurde sich selber überlassen. Auch unseren Rücken zuliebe, denn das Giesskannenschleppen Tag für Tag war auch so mühsam genug. Rasensprenger und Gartenschlauch kamen nicht zum Einsatz – Wasser sparen auch ohne behördliche Restriktionen.
Himbeeren ade
Im Verlauf der sich fast nahtlos folgenden Hitzewellen veränderte sich unsere Gartenanlage immer mehr. Zuerst die Himbeeren. Nach einer kurzen Erntezeit war schon wieder Schluss mit lustig. Die Beeren vertrockneten an den Zweigen, was zuerst noch die Vögel freute, bis auch die vor den schwarzen Resten kapitulierten.
Die Kopfsalatsetzlinge in den Hochbeeten kannten bald nur noch eine Richtung: nach oben. So erntete ich halt Salatblätter von aufgestengelten Pflanzen. Die Fenchel hielten zum Glück etwas länger durch und bildeten wenigstens viel Laub. So konnten sich im Juni doch noch einige Schwalbenschwanzraupen entwickeln. Offensichtlich erfolgreich, wenn ich die schönen Schmetterlinge sehe, die momentan durch den Garten gaukeln.
Der Rasen mutierte zur Steppenlandschaft. Nur im Schatten der hohen Bäume war er noch grün.
Der Rasen hingegen, der verabschiedete sich nach und nach und im Juli und August standen wir vor einer gelbbraunen Steppenlandschaft. Nur dort, wo die grosse Bäume und Sträucher etwas Schatten warfen, spross noch spärliches Grün. Jetzt aber, nach ein paar Gewitterregen, können wir fast zusehen, wie überall neues, saftiges Gras spriesst – die Natur lässt sich offensichtlich nicht so schnell unterkriegen.
Cosmeen, zart und ungemein zäh
Was aber waren die Sommerhighlights im Garten? Für mich erst mal die zarten Cosmeen, die ich im Frühling ausgesät und ein bisschen gewässert habe. Erstens ist ihr zartes, federleichtes Laub, über dem im Sommer die grossen Schalenblüte wie stationäre Schmetterlinge schweben, «schneckenrestistent». Auch in regnerischen Sommern. Dieses Jahr aber bewiesen sie, wie hart im Nehmen sie sind. Zwar wuchsen sie nicht so hoch wie gewohnt, aber buschig und mit etwas weniger, aber wunderschönen Blüten.
Auch die Bodendeckerrosen, mit ihren Büscheln voller rosaroten Röschen liessen sich von der Hitze nicht beeindrucken. Zwar wurden die Blüten immer heller, weisser, aber sie hielten tapfer durch, bis ich sie abschnitt. Nur um dann wieder durchzutreiben und neue Blüten zu produzieren. Und das nicht nur in Bodennähe sondern gut 70 Zentimeter hoch.
Die zarten Fairy-Röschen blühten auch ohne Giesswasser. (Bilder b.r.)
Der absolute Höhepunkt in meinem Garten aber ist der Feigenbaum. Mit seinem grossen Blättern trotzte er nicht nur der Hitze und der Trockenheit, auch ein Hagelzug konnte ihm fast nichts anhaben. Lange blieben seine Früchte klein und grün, aber Ende Juli reiften sie, immer noch kleiner als in Normaljahren, in grosser Menge – zuckersüss und saftig. Keine Ahnung, wo sie die Kraft für diesen Erntesegen hernehmen, der übrigens bis heute anhält. Jeden Tag kann ich Feigen geniessen und verschenken, obwohl mir ganze Vogelschwärme die Ernte streitig machen wollen. Aber es hat genug für alle! Wenn also Waldbearbeitende überlegen, welche Pflanzen hitzeresistent sind, hätte ich einen Vorschlag: Pflanzt an den Waldrändern Feigenbäume. Zur Freude der Spaziergänger, der Vögel und der Insekten!
Es gäbe noch viel zu berichten von Sträuchern, die zwar in der Hitze litten, aber sich rasch wieder erholen, von Blütenpflanzen wie dem Phlox, die einfach verschwunden sind und hoffentlich nächsten Sommer wieder erscheinen, vom Gurkensegen im Hochbeet und den Bohnen, die zuerst hart und dann elend verhagelt wurden – den Hitzesommer 2026 werde ich so schnell nicht vergessen.

