FrontKolumnenEs ist alles ganz eitel

Es ist alles ganz eitel

„Es ist alles ganz eitel,sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel.“

So beginnt im Alten Testament das Buch «Der Prediger Salomo», wird dort unter den Büchern der Weisheit geführt. –  “Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne?“ …„Als ich ansah alle meine Werke, die meine Hand getan hatte, und die Mühe, die ich gehabt hatte, siehe, da war es alles eitel und Haschen nach Wind.“

Diese pessimistische, schwermütige Lebenseinstellung durchzieht im Grunde das ganze Buch und endet nach 12 Kapiteln mit der wiederholenden Wiederholung: „Es ist alles ganz eitel, spricht der Prediger. Ganz eitel.“

Haschen nach Wind

Das Wort „eitel“ hat in unserer Sprache die Ausgangsbedeutung „leer“ und findet sich in den Varianten „öde – nichtig – vergeblich – inhaltslos“ wieder. In der lateinischen Bibelsprache, der Vulgata, ist der Vers mit „vanitas vanitatum, et omnia vanitas“ wieder gegeben: Alles ist leerer Schein, ist Nichtigkeit, ist Vergeblichkeit.

„Haschen nach Wind“ meint: Es geht nicht um den sich vorbeiziehenden, sich auflösenden Windhauch, sondern um ein Haschen, um den aussichtslosen, absolut vergeblichen Versuch, das entgleitend Vorbeiwehende zu fassen.

„… und es geschieht nichts Neues unter der Sonne“

Zur Sprache kommt hier eine Lebenseinstellung, nach der es in der Welt, in der Kultur, der Geschichte und im individuellen Leben keinen Fortschritt gibt. Hoffnung ist demnach nichts anderes als nur ein Wort; das Leben findet nie im Leben einen Sinn. Eine Entwicklung zum Besseren ist nie zu erwarten, da sowieso von vornherein alles zum Scheitern verurteilt ist.

Ähnliche Gedanken finden sich auch bei einigen antiken Philosophen. So zum Beispiel bei Hegesias (um 300 v. Chr.), ein radikaler Pessimist, der den einzigen Sinn des Daseins allein darin sah, da zu sein, nur um Schmerz und Leiden zu vermeiden.

Weithin gilt Arthur Schopenhauer als der Philosoph des Pessimismus

Mit seinem Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ von 1819 machte sich Arthur Schopenhauer einen Namen und leitete mit seiner pessimistischen Welt- und Lebenssicht eine neue Richtung des Denkens ein. Sein Grundsatz lautet: „Alles Leben ist Leiden.“

Schopenhauer war vom Elend und Leiden in der Welt so betroffen, dass er die Leere und die Nichtigkeit des Lebens und der Welt zur Grundaussage seiner Philosophie machte.

Er bezeichnete den Optimismus als eine „ruchlose Denkungsart“, da selbst das Erreichen eines vermeintlichen Zieles weder eine Befriedigung bringe noch eine Erlösung; verführe lediglich dazu, sich an neue Illusionen zu klammern und danach zu streben.

Er zitiert den «Prediger Salomo» reichlich, um sich seine schwermütige Grundüberzeugung ausnahmsweise auch einmal von der Bibel bestätigen zu lassen.

„Diese Welt ist eben die Hölle“, schreibt er, „und die Menschen sind einerseits die gequälten Seelen und andererseits die Teufel darin.“

„Darum verdross es mich zu leben, denn es war mir zuwider, was unter der Sonne geschieht, dass alles nichtig ist und Haschen nach Wind“.

Der Ruf des Pessimismus ist – trotz Prediger Salomo, Hegesias, Schopenhauer – miserabel.

In der augenblicklich waltenden «Joke-und-Fun-Zeit» tun sich schon linde Erscheinungen des Pessimismus schwer. Selbst ein eventuell berechtigter Pessimismus hat gegenwärtig keine Chance, Freunde zu finden.

Einer versucht es gerade: Roger Scruton. Der englische Philosoph hielt im Vorjahr in Basel einen Vortrag und wurde – laut NZZ – als „einer der brillantesten philosophischen Denker der Gegenwart“ dort vorgestellt. Scruton hat viele Bücher verfasst, für einen Philosophie-Blog gerade unter dem Titel „Wenn die Hoffnung die Wahrheit niedertrampelt“ eine fulminante Verteidigung des Pessimismus geschrieben.

Er schreibt: „Ein kurzer Gedanke an die Kräfte, die der Kollaps der arabischen Autokratien unvermeidlich frei setzen würde, hätte den Westen vorsichtiger gemacht bei seiner Unterstützung der Umwälzungen in der Region. In unerwarteten Ernstfällen übernimmt meist der Optimismus das Ruder“.

Stimmt doch. Oder?

Deutsche Welle im Jahr 2011: „Der Internationale Währungsfonds sagt den 5 Ländern des Arabischen Frühlings einen Anstieg der Wirtschaftsleistung von 3,6 % in 2012 voraus“.

ZDF im Jahr 2012: „Der US Präsident Obama preist die Freiheitsbewegungen in der Region und fordert einen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967“.

Oliver F. im Jahr 2013: „Ich habe alles versucht, unsere Beziehung aufrecht zu erhalten. War guten Willens und sehr euphorisch, das zu schaffen. Ich änderte mein Leben und versprach mir viel von Glaube, Hoffnung, Liebe. Aber es half alles nichts! Ich hätte es wissen können.“

Warum erst im Nachhinein?

Der philosophische Denker Scruton schreibt: „Im Nachhinein ist man sich oft einig darüber, dass Pessimismus angebracht gewesen wäre. Warum erst im Nachhinein?“

Ja, warum erst dann?

„Wenn die Wahrheit die Hoffnung bedroht, dann opfern wir in der Regel die Wahrheit, nicht selten zusammen mit denen, die nach ihr suchen.“

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel